Freiheit für Tiere
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Anzeige gegen Geflügelkonzern wegen Tierquälerei

PETA deckt schwere Missstände auf

Nach umfangreichen Ermittlungen von Januar bis Ende Mai 2013 bei »Heidemark«, einem der größten Geflügelfleischproduzenten Deutschlands, berichtet die Tierrechtsorganisation PETA von erschütternden Missständen: Aufnahmen aus fünf Mastanlagen des Konzerns in Niedersachsen und einer in Baden-Württemberg zeigen viele verletzte, kranke und tote Puten auch im normalen Stallbereich, gewalttätige Ausstallungsvorgänge sowie das brachiale Einhängen der Tiere in das Schlachtband bei vollem Bewusstsein.

PETA hat Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen die Mäster und Heidemark erstattet* sowie eine Petition an Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner gerichtet, der sich zahlreiche Tierfreunde anschließen.

Rund 11 Millionen Puten

leiden in deutschen Mastbetrieben. PETA dokumentierte viele verletzte, kranke und tote Puten auch im normalen Stallbereich. Bild: peta.de

Rund 11 Millionen Puten leiden derzeit in deutschen Mastbetrieben. Die Tiere sind für die Fleischproduktion systembedingt schwersten Misshandlungen ausgesetzt. »Die aus dieser Tierqual erzeugten ‚Produkte‘ landen schließlich als Discounter-Ware oder unter einschlägigen Markennamen im Kühlregal der Supermärkte«, so Dr. Edmund Haferbeck, wissenschaftlicher Berater bei PETA Deutschland e.V. »Heidemark produziert unter derart katastrophalen Bedingungen und tritt so nicht nur die Tiere, sondern auch das
Wertegefühl der Verbraucher mit Füßen.«

Die Tiere sind für die Fleischproduktion

systembedingt schwersten Misshandlungen ausgesetzt. Bild: peta.de

Tierquälerei in der Mast

Bei ihrer Recherche fanden die PETA-Ermittler viele verletzte, kranke und tote Tiere - nicht nur in der Krankenbucht, sondern auch im normalen Stallbereich. Einige Puten hatten großflächige Verletzungen, sie konnten kaum mehr laufen und sich somit wohl auch keinen Zugang mehr zu Trinkwasser und Futter verschaffen. In Putenhahn-Mastbetrieben sind durchschnittliche Verluste von 8 bis 10 Prozent pro Mastdurchlauf bei Hähnen einkalkuliert, dies bedeutet den Tod mehrerer tausend Tiere bereits in den Mastställen.

Bei Ausstallung und Verladung

werden die Tiere getreten, geworfen, gestopft. Bild: peta.de

Tierquälerei bei der Ausstallung und beim Transport
In einer Nacht werden Tausende Puten in die Transporter getrieben, geworfen, geschlagen, getreten und gestopft. Heidemark setzt offenbar zunehmend neue Transporter ein, die noch mehr Tiere auf einmal transportieren können: Zum Beispiel fehlt der Lüftungstunnel in der Mitte der Tiertransporter. Dieser wurde durch vier senkrechte Lüftungsklappen vorne und hinten am Fahrzeug ersetzt, wodurch Platz für weitere Puten (ca. 60 Tiere pro Zug) entstand - jedoch darf bezweifelt werden, dass die Lüftungszufuhr in der Mitte der LKWs vor allem bei hohen Temperaturen für die Tiere ausreichend ist.

Vor dem Schlachthof

stehen mehrere Putentransporter stundenlang mit den eingezwängten Tieren. Bild: peta.de

Tierquälerei am Schlachthof

Dank tagelanger Kameraüberwachung konnte PETA nachweisen, dass einige Putentransporter über viele Stunden mit den eingezwängten Tieren vor dem Schlachthof warten mussten.
Das Ausladen verläuft ähnlich rabiat wie das Einladen: Die Puten werden von Arbeitern aus den Käfigen gerissen und an das Schlachtband gehängt. Dies geschieht - völlig legal - bei vollem Bewusstsein der Puten. Der Schlachthof in Ahlhorn, von dem die Bilder stammen, wurde nach den PETA-Recherchen umgerüstet auf Gasbetäubung. Die Heidemark-Schlachthöfe Mutzschen und Rot am See werden aber noch genauso mittelalterlich betrieben wie bis Ende Mai der in Ahlhorn.

Niedersächsischer Landwirtschaftsminister erklärt dringenden Handlungsbedarf

Der niedersächsische Agrarminister Christian Meyer nahm die PETA-Recherche zum Anlass, die Bundesregierung in einer Pressemitteilung umgehend dazu aufzufordern, längst fällige, verbindliche Tierhaltungsvorgaben für Puten zu beschließen.
Obwohl in Deutschland zur Zeit rund 11 Millionen Puten gemästet und geschlachtet werden, existieren bislang keine gesetzlich verbindlichen Richtlinien und Verordnungen für diese Branche.

Studie belegt schlechte Haltungsbedingungen

Die unzumutbaren Zustände in der Putenmast machte der niedersächsische Agrarminister in seiner Pressemitteilung mit Verweis auf eine Studie der Universität Leipzig deutlich. Die Forscher hätten in ihrer Untersuchung erschreckende Erkenntnisse zutage gefördert. Demnach weisen fast alle Puten Entzündungen an den Fußballen auf, das Auftreten von so genannten Brustblasen ist nach Ansicht der Wissenschaftler zudem besorgniserregend. Die von der Tierrechtsorganisation PETA vorgestellten Vorwürfe gegen niedersächsische Putenhaltungen und Schlachthöfe seien ein weiteres Indiz für die Notwendigkeit besserer Kontrollen und mehr Tierschutz in der Putenhaltung, so Meyer. (Pressemitteilung vom 10.06.2013)



*Aktenzeichen der Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft:
NZS 200 Js 31605/13, NZS 200 Js 31603/13, NZS 240 Js 31550/13, NZS 240 Js 31556/13, NZS 200 Js 29708/13 und NZS 240 Js 31543/13 StA Oldenburg
24 Js 9425/13 StA Ellwangen
154 Js 14969/13 StA Stade
110 Js 12716/13 StA Aurich

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