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Artenschutz-Report: Jede 3. Art bedroht

95 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass es die Pflicht des Menschen ist, die Natur zu schützen. Doch ob Rebhuhn oder Wildbienen: Jede dritte Tier- und Pflanzenart in Deutschland ist gefährdet, vier Prozent sind bereits ausgestorben. Diese dramatischen Zahlen veröffentlichte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) im Artenschutz-Report 2015.

»Der Zustand der Artenvielfalt in Deutschland ist alarmierend«, fasste die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, Prof. Beate Jessel, den Artenschutz-Report zusammen. »Damit wird bislang auch das nationale Ziel verfehlt, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten«, so Prof. Jessel. »Wir müssen dringend unsere Anstrengungen verstärken, um den Artenrückgang zu stoppen.«

An vorderster Stelle der Ursachen für die Gefährdung der Arten steht laut Artenschutz-Report die intensive Landwirtschaft.

Der Feldhamster gehört zu den bekanntesten Opfern

der intensiven Landwirtschaft. · Foto: Ramin Khojasteh - Fotolia.com

28 % der Wirbeltiere aktuell bestandsgefährdet

In Deutschland leben rund 48.000 Tierarten, 9.500 Pflanzen- und 14.400 Pilzarten. Fast 28 Prozent der Wirbeltierarten - dazu zählen Fische, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere - sind aktuell bestandsgefährdet.

Besonders alarmierend ist die Situation bei den Vögeln: In den letzten zwölf Jahre nahmen 34 Prozent der Brutvogelarten in ihrem Bestand ab. Über 23 Prozent der Zugvogelarten sind bestandsgefährdet und stehen auf der Roten Liste. Sogar »Allerweltsarten« wie Kiebitz und Feldlerche gehe es kontinuierlich schlechter, so Prof. Jessel. Beim Kiebitz hat sich der Bestand auf ein Drittel bis ein Viertel reduziert, beim Rebhuhn gebe es sogar einen Rückgang von 90 Prozent.

Auch die früher weit verbreitete Feldlerche

gehört zu den Verlierern der letzten 25 Jahre. · Foto: Wolfgang Kruck - Fotolia.com

Dramatisch ist die Situation bei den Bienen

Dramatisch ist laut Artenschutz-Report die Lage bei den wirbellosen Tieren, zu denen Insekten gehören: 45,6 Prozent der Arten sind bedroht, extrem selten oder ausgestorben. Mit großer Sorge beobachten Experten die negative Entwicklung aller 600 Wildbienenarten in Deutschland. Wenn einzelne Wildbienenarten aussterben oder lokal verschwinden, führt dies zu einer deutlichen Abnahme sowohl bei der Qualität als auch der Quantität der Bestäubung.

Die von bestäubenden Insekten abhängige weltweite

Agrarproduktion hat einen geschätzten Wert von ca. 153 Mrd. Euro. · Bild: Freiheit für Tiere

Forderung: Lebensraum schaffen & Biotope vernetzen

Um den Artenrückgang zu stoppen, sind laut Bundesamt für Naturschutz große Anstrengungen erforderlich. Dringend notwendig seien artübergreifende Schutzmaßnahmen durch die Erhöhung der Lebensraum- und Strukturvielfalt:
· Erhalt von Grünland
· Einrichtung ungenutzter Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker
· nachhaltige und naturverträgliche Nutzung der Flächen durch eine gestärkte ökologische Komponente der europäischen Agrarförderung
· naturnaher Waldbau
· Wiedergewinnung von Auenflächen durch Deichrückverlegungen, Flüsse wieder durchgängig gestalten und mit ihren Auen verbinden, bundesweite Vergrößerung der Fläche durchströmter Auen, Wiedervernässung von Mooren
· Weiterentwicklung von Schutzgebieten, um in der intensiv genutzten Kulturlandschaft hinreichend Rückzugsmöglichkeiten für Arten mit besonders spezialisierten Lebensraumansprüchen zu bieten.

»Um die Vernetzung der Lebensräume zu verbessern, sind ausreichend naturnahe Landschaftselemente vorzusehen und der gesetzlich geforderte bundesweite Biotopverbund auf 10 Prozent der Fläche eines jeden Bundeslandes einzurichten«, so das BfN.

Unverzichtbar: nutzungsfreie Wälder

Das Vorhandensein nutzungsfreier Wälder sei unverzichtbar, um das gesamte Spektrum der Artenvielfalt zu erhalten. Der Anteil nutzungsfreier Wälder müsse erhöht werden, um das in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt festgelegte Ziel von einem Anteil von 5 Prozent an der Waldfläche zu erreichen, so das Bundesamt für Naturschutz.

Wölfe waren vor 150 Jahren in Deutschland

ausgerottet. Vor etwa 15 Jahren ist der Wolf auf natürliche Weise nach Deutschland zurückgekehrt. Er hat aber noch keinen günstigen Erhaltungszustand laut FFH-Richtlinie erreicht. Schon kurze Zeit nach der Einwanderung der Wölfe wurde die Forderung laut, zu Wölfe bejagen. Immer wieder werden Wölfe illegal geschossen oder mit Hunden »verwechselt«. · Foto: Mäusefänger · Fotolia.com

Mehr Schutzgebiete und strenge Schutzbestimmungen

Bei einigen Tierarten wie Biber, Wildkatze und Wolf konnten strenge gesetzliche Schutzbestimmungen und Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Lebensräume deutliche Erfolge erzielen. So wird der aktuelle Bestand an Wildkatzen in Deutschland derzeit wieder auf 5.000 bis 7.000 Tiere geschätzt.

Es wäre dringend nötig, dass Regierung und Gesetzgeber die Forderungen des Bundesamts für Naturschutz umsetzen.

Nötig wäre außerdem ein Stopp der Subventionierung von Massentierhaltung und industrieller Landwirtschaft, mehr Schutzgebiete und vor allem ein Jagdverbot in Schutzgebieten sowie die Novellierung des Jagdgesetze, die dem Staatsziel »Tierschutz« endlich Rechnung tragen!

Quellen:
· Bundesamt für Naturschutz BfN, Pressemeldung 20.5.2015
· Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz-Report 2015
www.bfn.de/fileadmin/BfN/presse/2015/Dokumente/Artenschutzreport_Download.pdf

Der Feldhase ist vom Aussterben bedroht,

weil er in der intensiven Landwirtschaft kaum noch Lebensraum findet. Dazu kommt: Jäger schießen jedes Jahr ca. 300.000 Hasen tot - obwohl der Feldhase auf der Roten Liste steht! Seit langem fordern Naturschützer ein Verbot der Hasenjagd. · Foto: Xaver Klaußner · Fotolia.com

... und was sagen die Jäger dazu?

»Land- und Forstwirtschaft sowie Jagd tragen seit langer Zeit zusammen die Verantwortung für eine gepflegte, vielfältige Kulturlandschaft. Wälder, Wiesen, Felder, Auen, Hecken und Gewässer bieten einer Artenvielfalt mehr Raum als eine unberührte Natur.«
Quelle: Für Jagd in Deutschland e.V.

Wunschdenken oder Jägerlatein?

Der renommierte Ökologie- und Evolutionsbiologe Prof. Dr. Josef Reichholf kam bei seinen langjährigen Forschungen zu dem Ergebnis, dass die Jagd - nach der industriellen Landwirtschaft - der »Artenfeind Nr. 2« ist.
Quelle: Josef H. Reichholf: Die Zukunft der Arten. dtv Wissen, 2009