Freiheit für Tiere
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Interview mit Ben Urbanke

Nach der Umstellung auf 100 %

pflanzliche Ernährung stellte Ben Urbanke fest, dass seine Regenerationszeit kürzer und die Leistungs­fähigkeit größer wurde. »Jetzt begann ich, die Grenzen auszutesten: Ich fing an mit 200-Kilometer-Rennen, dann 500 Kilometer-Rennen.« Sein »Ritterschlag« war 2015 das legendäre Rennen Paris - Brest Paris: 1200 Kilometer in weniger als 50 Stunden. · Bild: facebook.com/ben.urbanke

»Die gesundheitlichen Vorteile

sind für mich ein schöner Nebeneffekt"

Freiheit für Tiere: Im Moment passiert ja im Sport unheimlich viel, was das Thema »vegan« angeht.

Ben Urbanke:
Ja, es ist echt schön, dass sich durch die Bewegung noch viel, viel mehr Leute damit auseinandersetzen. »Vegan« ist ja nicht nur irgendwie ein gesunder Trend, sondern die Leute merken, dass es auch noch andere Vorteile hat. Auch wenn es vielleicht primär um die eigene Gesundheit geht, werden die Leute über die vegane Ernährung auch auf ethische und ökologische Aspekte aufmerksam.

Welthunger und Regenwaldabholzung

Freiheit für Tiere: Was war für dich der Anlass, keine Tiere mehr zu essen? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Ben Urbanke:
Das kommt bei mir schon aus der Erziehung heraus. Meine Mutter hat mich da sehr sensibel erzogen. Wir lebten zwar nicht vegan und nicht vegetarisch, aber es war wichtig, regional beim Bio-Bauern einzukaufen, also zu wissen, woher das Essen kommt. Ich war sowieso immer ein Obst- und Gemüse-Junkie. Irgendwann habe ich mich immer mehr damit auseinander gesetzt, und dann war für mich der ökologische Aspekt im Vordergrund: Die Welthunger-Problematik und vor allem die Regenwaldabholzung, weil immer mehr Leute Fleisch wollen. Die Ackerflächen, die durch das Abholzen des Regenwaldes geschaffen werden, sind eben nicht für die Menschen, sondern für Viehfutter. Das war für mich der Schlüssel, durch den ich mich vegetarisch ernährt habe. Ich habe dann aber sehr schnell weiter überlegt und bin 2012 vegan geworden. Wobei - Milch wurde bei uns nie getrunken. Meine Mutter meinte damals schon: »Milch braucht der Mensch eigentlich nicht«. Sie meinte, die vielen Keime in der Milch seien ungesund und hat dann gesagt: »Das brauchen meine Kinder nicht«. Und so gab es bei uns viele pflanzliche Milch-Alternativen.

Leistungssteigerung: »positiver Nebeneffekt«

Freiheit für Tiere: Welche Auswirkungen hast du als Sportler nach der Umstellung auf rein pflanzliche Ernährung festgestellt?

Ben Urbanke:
Das war ja das Schöne daran: Der positive Nebeneffekt meiner Umstellung auf vegane Ernährung war, dass es sportlich besser lief als gedacht. Eigentlich hatte ich mir darüber gar nicht den Kopf gemacht. Weil ich ja sowieso mehr der Obst- und Gemüse-Junkie bin, hatte ich mich schon vorher nährstoffreich ernährt. Das ist für mich auch ein wesentlicher Punkt: Vegan ist nicht gleich vegan. Cola ist auch vegan, Zucker auch.

Aber mit nährstoffreicher veganer Ernährung ist die Regenerations­zeit, die Erholungsphase nach dem Sport, viel schneller abgeschlossen. Schwere Beine, zwei, drei Tage Muskelkater, bevor man wieder aufs Rad steigt – das hat sich immer mehr verkürzt.

Ich habe mich ja dann immer mehr mit der Ernährung auseinandergesetzt. Für Leute, die sich normal ernähren, ist ja - in ihren Augen - das Fleisch auf dem Teller das Beste. Wenn sie das weglassen, bleiben nur noch die Beilagen. Und die sind ja geschmacklich – so ist die allgemeine Vorstellung – nicht so toll. Aber ganz das Gegenteil ist der Fall: Wenn ich sage, ich ernähre mich rein pflanzlich, erschließt sich eine Vielfalt an Nahrungsquellen. Und damit habe ich mich dann auseinandergesetzt: Welche Nährstoffe brauche ich vor und nach dem Sport? Wo ist das genau drin? Und dann musste ich immer schmunzeln, als ich feststellte, dass bei den Nährstoffquellen, die da angegeben waren, die beste Quelle immer das rein Pflanzliche war - und nicht das Tierische.
Da dachte ich mir: Warum sollen dann andere Leute, die die ökologischen und ethischen Aspekte ausblenden und nur das Argument haben: »Ich brauch’ Power und Kraft«, nicht auch auf die besseren Quellen – auf die pflanzlichen Quellen – zurückgreifen? Da fehlt einfach die Aufklärung – die auch mit dem Artikel in »Freiheit für Tiere« weiter vorangetrieben wird.

Freiheit für Tiere: ... und durch solche Artikel wie in der »Tour«, der größten Rennradzeitschrift in Europa.

Ben Urbanke:
Ja, darauf bin ich von vielen Radsportkollegen angesprochen worden. Mein Mechaniker rief mich an, bevor ich das Magazin überhaupt in den Händen hatte: »Das ist ja interessant, was da auf Seite 88 zu lesen ist.« Es stand sogar auf der Titelseite: »Geht Radsport auch vegan?«

Das Rennradmagazin Tour 5/2016

Das Rennradmagazin Tour 5/2016 stellte Ben Urbankes Buch »Be faster - Go vegan« ausführlich vor.

Kürzere Regenerationszeit

und mehr Leistungsfähigkeit

Freiheit für Tiere: Hast du nach deiner Ernährungsumstellung noch weitere Vorteile rein pflanzlicher Ernährung festgestellt?

Ben Urbanke:
Ja, der eine Vorteil war die kürzere Regenerations­­zeit. Dadurch habe ich auch gemerkt: Es ist noch viel mehr drin! Bis dahin hatte ich auf Strecken bis zu 200 Kilometer trainiert. Jetzt begann ich, die Grenzen auszutesten: Ich fing an mit 200-Kilometer-Rennen, dann 500 Kilometer-Rennen. Danach ging es mir auch recht gut. Mittlerweile ist es so, dass ich jeden Tag meine 200 Kilometer fahre ...

Freiheit für Tiere: ... jeden Tag????

Ben Urbanke:
Ja, wenn’s gerade passt. Jetzt passt es gerade nicht, weil ich andere Sachen zu tun habe. Aber am Montag steige ich in den Flieger nach Spanien und da werde ich jeden Tag meine 200 Kilometer fahren. Darauf freue ich mich schon.

Das ist das Schöne: Wenn man sich mit pflanzlicher Ernährung auseinandersetzt, hat das nur Vorteile, auch im Sport. Dies war auch mein Ziel mit dem Buch: Das ganze Thema mal richtig kompakt zusammenzufassen, damit sich die Leute das Wichtigste schnell aneignen können. Ernährungsphysiologisch ist alles ja schon längst belegt und erforscht: Welche Bausteine braucht der Körper, um Muskeln aufzubauen? Was braucht der Körper, um zu regenerieren? Was sind die Energiequellen? - Wenn man das ein bisschen weiß und sich darauf mit der Ernährung einstellt, dann kann man einiges mehr rausholen.

Radrennen mit Chia-Samen in der Flasche

Freiheit für Tiere: Wie war denn nach deiner Umstellung auf vegane Ernährung die Reaktion deiner Sportkollegen?

Ben Urbanke:
Ja, die Radsport-Kollegen fanden es am Anfang schon ein bisschen komisch, weil es natürlich auch auffiel, dass ich Chia-Samen - meistens mit Mango - in meiner Flasche hatte. Das sieht ja so aus wie Senf-Kügelchen. Da kamen dann schon so freundschaftliche Kommentare: »Ja hey, wie sieht das denn aus? Hast du Senf in der Flasche?« Ich sagte: »Ja klar, Löwen-Senf extra scharf - und weg bin ich!«

Die anderen Radsportler haben gesehen: Der Ben hat da so komische Dinger, nicht die üblichen PowerBar-Riegel von Nestlé, sondern seine eigenen Energiekugeln. Aber am Ende war ich dann der Schnellste und habe Streckenrekorde aufgestellt.

Mittlerweile haben einige andere auch schon Chia-Samen in ihrer Flasche. Die löchern mich dann bei jedem Rad-Event, was es Neues gibt...

»… weil es einfach keine artgerechte Tierhaltung g

Freiheit für Tiere: Welche positiven Auswirkungen sind dir neben gesundheitlichen Vorteilen wichtig?

Ben Urbanke:
Die gesundheitlichen Vorteile sind für mich ein schöner Nebeneffekt. Wenn jetzt immer mehr Leute vegan werden, reduziert sich der Fleischkonsum und der Konsum von tierischen Produkten. Dadurch werden immer weniger Tiere gehalten. Die Tierhaltung ist auf der einen Seite nicht artgerecht, weil es einfach keine artgerechte Tierhaltung gibt. Artgerecht ist, in Freiheit zu leben.
Außerdem ist vegane Ernährung das Beste, was wir für das Klima tun können. Gerade beim Methan-Ausstoß und CO⊃2;-Emissionen können wir da richtig was bewegen – viel mehr, als wenn wir jetzt alle Autos auf Elektoautos umstellen.

Neben gesundheitlichen Vorteilen

auch etwas für den Planeten tun

Freiheit für Tiere: In deinem Buch beschreibst du das ja sehr schön: Du ernährst dich eigentlich aus ethischen Gründen vegan. Doch wenn du anderen Menschen vom Regenwald, der Massentierhaltung und dem Zustand des Planeten erzählst, dann interessiert das keinen. Aber wenn du sagst: »Ich kann mit veganer Ernährung viel mehr Leistung bringen«, dann wird es für die Leute plötzlich interessant.

Ben Urbanke:
Ja, genau. Wenn die anderen im Ziel dann sehen: »Der fährt gut mit veganer Ernährung«, dann fragen sie schon mal nach: »Was hast du denn da in deinen Flaschen?« Oder: »Was sind das für Riegel?« Seit ich letztes Jahr beim Rennen Paris – Brest – Paris meinen Ritterschlag bekommen habe, steigt natürlich das Interesse.

Jetzt sind gerade meine eigenen GOODSPORT-Bio-Funktions-Riegel in vier Sorten produziert worden. Am Wochenende organisiere ich ein 400-Kilometer-Radrennen, da gibt´s dann die Riegel als Verpflegung.

Ben Urbanke hat eigene Bio-Funktionsriegel

für Sportler entwickelt. · Bild: Narayana, Fotograf Jörg Wilhelm

Bens Bio-Funktionsriegel

gibt's jetzt auch zu kaufen

Freiheit für Tiere: Wo kann man deine Riegel bekommen?

Ben Urbanke
: Die gehen zunächst an die Reformhäuser, dann an die Bio-Läden, dm, REWE, Edeka und auch im online-Shop. Das sind jetzt vier Sorten Riegel, hinter denen richtig ein Konzept steckt, auf der Grundlage meines Buches. Ich perfektioniere die Riegel ja schon seit drei oder vier Jahren. Jetzt werden sie richtig mit einer Maschine hergestellt. Vor allem sind die Riegel wirklich hochwertige Funktionsriegel. Es gibt so viele Riegel, da steht »Superfood« drauf…

Freiheit für Tiere: ... und dann ist massenhaft Zucker drin oder Glucosesirup ...

Ben Urbanke:
... und wenn man nachschaut, eben nur 1 % Moringa, Matcha oder so. Funktionsriegel sollen wirklich eine Funktion darstellen - und nicht nur einen Hauch von irgendwas. Oder sie sind nicht bio, nicht vegan... Aber bei Sportveranstaltungen sieht man, wie die Leute so was essen, weil »Power« oder so was draufsteht. Und dann schlägt das auf den Magen.

Freiheit für Tiere: Jetzt bräuchten wir noch ein schönes Schlusswort... Was möchtest du den Leserinnen und Lesern von »Freiheit für Tiere« noch sagen?

Ben Urbanke:
Offen sein, es einfach mal ausprobieren: Sich ein paar Wochen vegan ernähren und dann einen Cut machen: Wie fühlte ich mich dabei? Und dann vom eigenen Wohlbefinden her entscheiden, ob man das machen möchte oder nicht.
Jeder Körper ist anders, jeder tickt ein bisschen anders. Deswegen sollte man sagen: Okay, ich lasse mich jetzt mal darauf ein, aus welchen Beweggründen auch immer - seien es ethische, ökologische oder gesundheitliche Aspekte.


Das Gespräch mit Ben Urbanke führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«

Ben Urbanke hat eigene Bio-Funktionsriegel für Sportler entwickelt.
Infos unter:
www.goodsport.de