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LAST OCEAN - Paradies am Ende der Welt

Bild: www.lastocean.org

Von Julia Brunke

»LAST OCEAN - Paradies am Ende der Welt« ist ein mehrfach preisgekrönter, eindringlicher und spannender Dokumentarfilm des neuseeländischen Regisseurs Peter Young über die Ross Sea, das letzte unberührte Meer am Ende der Welt, in der Antarktis. Hier leben in eisiger Kälte Pinguine, Wale, Seeleoparden und der Riesen-Antarktisdorsch. Doch das letzte Paradies ist bedroht - durch die Fischfangindustrie, die auch noch die letzten Fischgründe in den entlegendesten Gebieten der Welt ausbeuten will.


Die Antarktis wurde vor über 50 Jahren zum größten Naturschutzgebiet der Erde erklärt, um sie vor Ausbeutung zu schützen. Leider gilt das nicht für den Antarktischen Ozean.

Umweltforscher David Ainley reist seit fast 40 Jahren immer wieder zum Rossmeer in der Antarktis, um dieses einzigartige Gebiet zu erforschen. In vielen Veröffentlichungen berichtete er über dieses weitgehend unberührte und sensible Ökosystem.

Doch vor etwa zehn Jahren hat eine internationale Fangflotte ihren Weg in den entlegenen Ozean gefunden: »Da stand ich auf einer Klippe über dem Rossmeer, so weit südlich, wie man auf dem Meer nur kommen kann. Und auf einmal kommt ein Fischerei-Schiff vorbei und wirft eine Langleine aus«, berichtet der Umweltforscher. »Es war wirklich äußerst befremdlich, die industrielle Welt in diese unberührte Natur eindringen zu sehen.«

Das Schiff, das der Umweltforscher sah, erkundete potentielle Fanggründe für den Riesen-Antarktisdorsch. Es kam ausgerechnet aus Neuseeland, einem Land, das beim Schutz des Rossmeeres als führend galt. »Die Leute tauchen auf und denken, der Fisch gehört ihnen - und nehmen ihn sich einfach«, sagt David Ainly. »Da wird auf nichts Rücksicht genommen.«

Umweltforscher David Ainley

reist seit fast 40 Jahren immer wieder zum Rossmeer in die Antarktis, um dieses einzigartige Gebiet zu erforschen. Bild: www.lastocean.org

Das Rossmeer liegt im Südpolarmeer

vor der Antarktis. Bild: www.lastocean.org

Jagd auf das "Weiße Gold" im Rossmeer

Jährlich werden 3000 Tonnen Antarktisdorsch gefischt

In weniger als zehn Jahren wurden aus dem einen Schiff fast zwanzig, aus einem Dutzend verschiedener Länder. Und sie hatten die Genehmigung, jährlich rund 3000 Tonnen Antarktisdorsch aus dem Ökosystem des Rossmeeres zu holen.

Der Riesen-Antarktisdorsch wird seit Ende der 1990 Jahre in den gehobenen Restaurants der USA und weltweit als »chilenischer Seebarsch« verkauft - weil sich das besser anhört. Der Fang ist so lukrativ, dass die Fischart auch als »weißes« Gold bezeichnet wird. Weil der Fisch so fett ist, nicht austrocknet und einfach zuzubereiten ist, sind Küchenchefs aus aller Welt hinter dem Riesen-Antarktisdorsch her. - Nachdem der Antarktisdorsch aufgrund der riesigen Nachfrage aus dem Südpolarmeer verschwunden war, kommen die Fischfangschiffe jetzt ins Rossmeer. Für Neuseeland ist das ein 20 Millionen Dollar-Fischfanggebiet.

Einige der ganz großen Antarktisdorsche

mit 150 Kilo Gewicht sind nach Schätzungen der Forscher 35 bis 40 Jahre alt. Wenn jährlich 3000 Tonnen Antarktisdorsch gefangen werden, könnte dies bald das Ende dieses erstaunlichen Riesenfisches bedeuten. Denn über den Lebenszyklus des Riesen-Antarktisdorschs ist kaum etwas bekannt: Die Forscher wissen nicht einmal, wo und wie oft sie laichen oder was ihre Jungen fressen. Bild: www.lastocean.org

Erstaunlicher Riesenfisch:

Der Antarktisdorsch produziert sein eigenes Frostschutzmittel

Der Antarktisdorsch wird bis zu 2,15 Meter lang. Sein Herz ist in der Lage, innerhalb von zehn Sekunden nur einmal zu schlagen, und er produziert ein Frostschutzmittel, das verhindert, das sein Blut zu Eis gefriert. Antarktisdorsche haben sich so gut an die minus 1,8 Grad des Rossmeeres angepasst, dass sie schon bei einer Wassertemperatur von plus sechs Grad sterben würden. Über den
Lebenszyklus des Riesen-Antarktisdorschs ist kaum etwas bekannt: Die Forscher wissen nicht einmal, wo und wie oft sie laichen oder was ihre Jungen fressen. Jedenfalls wachsen sie sehr langsam.
Einige der ganz großen Dorsche mit 150 Kilo Gewicht sind nach Schätzungen der Forscher 35 bis 40 Jahre alt. Wenn jährlich 3000 Tonnen Antarktisdorsch gefangen werden, könnte dies bald das Ende dieses erstaunlichen Riesenfisches bedeuten. Dennoch wird der Fang des Antarktisdorsches im Rossmeer von Neuseeland als »nachhaltig« zertifiziert. Und das wohlgemerkt, obwohl noch nicht einmal bekannt ist, wo und wie oft die Antarktisdorsche laichen.

Die Fischereiflotten fahren immer weiter - bis zum letzten unberührten Ort, zum letzten Meer

Weil viele Fischgründe der Weltmeere schon leergefischt sind, fahren die Fischereiflotten immer weiter und weiter - bis hin zum letzten unberührten Ort, zum letzten Meer. Das antarktische Rossmeer ist noch das am wenigsten beeinträchtigte Meer der Erde. Wie lange noch? »Die Fischerei-Industrie findet kaum noch Fangplätze«, sagt David Ainly. »Deshalb wird sie das Rossmeer nicht so ohne Weiteres aufgeben.« Die industrielle Fischerei hat in den letzten 60 Jahren zur Ausrottung von 90 Prozent der großen Fische geführt.

Früher waren die antarktischen Fische durch die Entfernung geschützt, durch Eis und Kälte. Doch heute erreichen die mechanisierten Fangschiffe jeden Teil der Weltmeere - und können so viel Fisch fangen, wie sie wollen. Es gibt einen unersättlichen Markt, der alles verschlingt. Der Fisch aus dem Rossmeer gelangt weltweit auf die Teller - vor allem in der westlichen Welt.

Die Brutkolonie der Adeliepinguine

im Rossmeer gilt als die südlichste Pinguinkolonie weltweit. Bild: www.lastocean.org

Eines der letzten unberührten Paradiese

Dabei geht es nicht nur um den Rückgang des Antarktisdorschs - vielmehr steht das empfindliche Gleichgewicht eines der letzten unberührten Paradiese dieser Erde auf dem Spiel. Wenn der Antarktisdorsch ausgerottet wird, fehlt die Nahrung für Wale und Robben, besonders für den Schwertwal. David Ainly warnt: »Aus zahlreichen Studien wissen wir, was passiert, wenn man die großen Räuber aus den Meeresökosystemen entfernt - alles fällt auseinander.« Seit der Antarktisdorsch in der Bucht dramatisch zurückgegangen ist, beobachten die Forscher auch kaum noch Schwertwale.

Der Riesen-Antarktisdorsch auf dem Rossmeer

gelangt weltweit auf die Teller - vor allem in der westlichen Welt. Bild: www.lastocean.org

"Stoppt den Fischfang im Rossmeer!"

Umweltforscher David Ainly befürchtet das Ende des Rossmeeres. Und da er weiß, was das für ein Verlust wäre, schreibt er einen wissenschaftlichen Artikel nach dem anderen. So erfahren viele Menschen zum ersten Mal, dass das Rossmeer unser letztes ursprüngliches Meer ist.

So sind auch viele Wissenschaftler auf die Problematik aufmerksam geworden. Es gab sogar schon ein internationales Rossmeer-Symposium, bei dem sich alle Forscher einig waren, dass es das Rossmeer zu schützen gilt. Eine Südpolarmeer-Allianz führender Umweltschutzverbände aus aller Welt wurde ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Fischerei im Rossmeer komplett zu verbieten. 500 Wissenschaftler haben die Petition unterschrieben.

2009 wurde der LAST OCEAN-Trust eingerichtet. Über die Website www.lastocean.org kann jeder aktiv werden: indem er sich als Unterstützer einträgt, die Petition unterzeichnet oder ein online-Schreiben an den neuseeländischen Prämierminister John Key schickt. Die Botschaft des LAST OCEAN-Trusts ist eindeutig: »Stoppt den Fischfang im Rossmeer!«
»Wir sollten alles in unserer Macht stehende tun, solche Gebiete zu schützen - so als hinge unser Leben davon ab.«

Für Regisseur und Kameramann Peter Young ist die Rettung des Rossmeeres eine Herzensangelegenheit geworden:»Die Botschaft wird unter die Leute gebracht, von kleinen Gemeindezentren bis in die Korridore der Macht in Washington D.C.« Und Naturfotograf John Weller erzählt: »Überall zeigen wir Bilder und Filme. Aber zuerst müssen wir den Leuten immer erklären, wo das Rossmeer liegt.« Denn letztlich sind es die Entscheidungen der Leute, ob das Rossmeer geschützt wird: durch die Entscheidung, wen sie wählen und die Entscheidung, was sie essen.

»Wir sollten alles in unserer Macht Stehende tun, solche Gebiete zu schützen - so als hinge unser Leben davon ab. Denn unser Leben hängt davon ab«, sagt die Ozeanographin Dr. Sylvia Earle vom National Geographic, USA.

»Im Rossmeer ist alles noch intakt, und wir müssen solche Orte erhalten«, sagt Erich Hoyt, Leitender Wissenschaftler der Whale an Dolphin Conservation Society. Und Meeresschutzgebiete müssen groß sein. Man muss sich klar machen, dass ein einziger Wal Hunderte von Meilen benötigt - und dort leben Tausende von Walen. Selbst ein verhältnismäßig kleines Tier wie der Adelie-Pinguin kann bei der Futtersuche täglich 150 Meilen zurücklegen, nur um die Jungen zu füttern.

"Die Weddellrobben

kommen aus dem Nichts herangeglitten und haben kein bisschen Angst vor dir", berichtet der britische Tierfimer Doug Allen.. Bild: www.lastocean.org

Spektakuläre Bilder

zeigen die beindruckende Natur des Rossmeeres und seine faszinierenden Bewohner

Um den Zuschauern die Schönheit dieses Paradieses am Ende der Welt vor Augen zu führen, zeigt der Film »LAST OCEAN« in spektakulären Bildern die beeindruckende Natur des Rossmerees und stellt die vielen faszinierenden Bewohner vor. Wir sehen wunderschöne Aufnahmen von all dem pulsierenden Leben, wenn die Pinguine im kurzen arktischen Sommer ihre Jungen aufziehen, immer auf der Hut vor den Seeleoparden.

Atemberaubende Bilder einer völlig anderen Welt fangen Taucher unter dem Eis ein: Das Wasser ist hier so klar, dass es keine Schwebteilchen gibt. Wir sehen bunte Seesterne, einzigartige Eiskristalle, hören den ergreifenden Gesang der Weddellrobben.
»Es gibt keine Wellengeräusche«, berichtet der britische Tierfilmer Doug Allen. »Man hält den Atem an und hört eine Klanglandschaft um sich herum. Die Weddellrobben kommen aus dem Nichts herangeglitten und haben kein bisschen Angst vor dir.«

DVD-TIPP: LAST OCEAN

Ein faszinierender und mehrfach preisgekrönter Dokumentarfilm über eines der letzten unberührten Meere unserer Erde.

Der neuseeländische Regisseur und Kameramann Peter Young ist in seiner Heimat einer der führenden Dokumentarfilmer und produzierte u.a. für Discovery Channel, National Geographic und BBC. Für seine Filme erhielt er zahlreiche Auszeichnungen und ist mit der Stiftung »The Last Ocean Charitable Trust« außerdem einer der Vorkämpfer für die Rettung der Ross See in der Antarktis.

LAST OCEAN - Paradies am Ende der Welt
Regisseur: Peter Young · Neuseeland, USA / 2012
Spieldauer 83 Minuten · Freigegeben ohne Alterbeschränkung
Vertrieb Sunfilm Entertainment · als DVD und Blu-ray

Informationen: LAST OCEAN Trust

Der LAST OCEAN Charitable Trust wurde 2009 gegründet. Wissenschaftler und Umweltorganisationen aus aller Welt treten dafür ein, das gesamte Rossmeer als Meeresschutzgebiet (Marine Protected Area MPA) auszuweisen, in dem der kommerzielle Fischfang verboten ist.
Durch zahlreiche Kampagnen soll die öffentliche und politische Unterstützung erhöht werden. LAST OCEAN arbeitet ausschließlich mit Spendengeldern.
www.lastocean.org