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Studie: Pferde reagieren äußerst sensibel

auf menschliche Emotionen

Pferde reagieren auf Gefühlszustände des Menschen

sehr unmittelbar. · Bild: NP-Fotografie - Shutterstock.com

Pferde sind Meister im Interpretieren menschlicher Emotionen. Sie lesen die Gefühle von Menschen wie in einem offenen Buch: an Gesichtsausdruck, Körpersprache und nonverbalen Lautäußerungen. Und: Pferde werden von menschlichen Emotionen auch unmittelbar beeinflusst - ganz besonders von negativen Emotionen. Dies beweist eine wissenschaftliche Studie von Institut Français du Cheval et de l’Equitation.

Pferdefreunde wissen, dass die Tiere intuitiv spüren, wie es uns im Inneren geht und dass wir ihnen nichts vormachen können. Eine Studie aus Frankreich belegt dies auch wissenschaftlich: Forschende vom Institut Français du Cheval et de l’Equitation (IFCE), Université de Tours führten 34 Welsh Pony-Stuten, die bislang wenig Kontakt zu Menschen hatten, zwei kurze Video-Sequenzen ohne Ton gleichzeitig auf je einem Bildschirm rechts und links vor. Eine Sequenz zeigte den Gesichtsausdruck einer Frau mit positiven Emotionen der Freude und des Glücks, eine andere Sequenz zeigte die Frau mit negative Emotionen von Ärger und Wut. Während der tonlosen Filmsequenzen wurden gleichzeitig über einen Lautsprecher kurze Audioclips mit stimmlichen Lauten abgespielt, die entweder Freude oder Wut ausdrückten. Die Verhaltensreaktionen der Pferde wurden mit drei Video-Kameras aufgenommen. Außerdem wurde die Herzfrequenz der Pferde gemessen.

Pferde reagieren auf Gefühlszustände des Menschen sehr unmittelbar

Das Ergebnis: Die Pferde reagierten auf die optisch und akustisch präsentierten Gefühlszustände des Menschen sehr unmittelbar und schnell, sowohl durch physiologische Reaktionen (Herzfrequenz) als auch in ihrem Verhalten. Die Pferde konnten sehr eindeutig zwischen den beiden unterschiedlichen menschlichen Gesichtsausdrücken Freude und Zorn in Kombination mit der akustischen Gefühlsäußerung unterscheiden.

Pferde sind in der Lage, emotionale Reize unabhängig von ihrer Modalität (optisch/akustisch) und basierend auf ihrer Bedeutung zu erfassen und zu interpretieren. Dieses Ergebnis war nicht überraschend, denn vorangegangene Studien hatten bereits gezeigt: Pferde können die Bedeutung des Gesichtsausdrucks und den Ausdruck der Stimme derselben emotionalen Kategorie zuordnen.

Pferde wenden widersprüchlichen - und damit möglicherweise bedrohlichen - Situationen besondere Aufmerksamkeit zu

Wie bereits beschrieben war der Versuch so angeordnet, dass die Pferde zwei Bildschirme gleichzeitig sahen. Auf dem einen Bildschirm wurde ein freudiges Gesicht, auf dem anderen Bildschirm ein zorniger Gesichtsaudruck gezeigt. Dazu wurde mal eine freudvolle, mal eine zornige Stimme abgespielt.

Nun kommt das Spannende: Alle Pferde starrten konsequent auf das »falsche« Gesicht, das also nicht zum stimmlichen Ausdruck passte. Wurde ein freudiger akustischer Laut abgespielt, blickten sie auf den zornigen Gesichtsausdruck - und umgekehrt.

Dies ist bemerkenswert, weil sich Primaten und Hunde bei gleicher Versuchsanordnung genau umgekehrt verhalten: Sie blicken auf das Video mit dem Gesichtsausdruck, der mit der stimmlichen Gefühlsäußerung übereinstimmt.

Pferde wenden also widersprüchlichen Situationen besonders hohe Aufmerksamkeit zu. Sie starren länger auf Dinge und Situationen, die sie nicht kennen bzw. nicht verstehen und die daher als Fluchttier für sie bedrohlich sein können. Und sie sind offenkundig von Dingen bzw. Situationen beunruhigt, die ihre »Erwartungen verletzen«. So haben es die französischen Forschenden ausgedrückt.

Schon ein unzufriedener Laut ließ die Herzfrequenz in die Höhe schnellen

Die Studie der französischen Wissenschaftler hatte noch ein weiteres spannendes Ergebnis: Obwohl die Pferde zuvor nur sehr wenig mit Menschen zu tun hatten - um die Ergebnisse der Studie nicht zu verfälschen -, reagierten sie »höchst sensibel« auf die menschlichen Emotionen: »Es war unglaublich zu beobachten, wie ein einfaches Stöhnen oder ein Seufzer der Unzufriedenheit ihre Herzfrequenz schlagartig in die Höhe schnellen ließ - aber auch, wie ein bloßes Lächeln sie besänftigen konnte«, so Studienautorin Léa Lansade von der University of Tours. Wenn die Pferde eine freudige Stimme hörten, war ihre Herzfrequenz niedriger. Und sie verbrachten doppelt soviel Zeit in einer entspannten Position und weniger Zeit in einer Haltung der Aufmerksamkeit als beim Wahrnehmen einer zornigen Stimme.

»Es ist wichtig zu verstehen, wie Pferde menschliche Emotionen wahrnehmen und auf sie reagieren, da dies direkte Auswirkungen auf ihre Haltung und ihr Wohlbefinden hat«, so die Forschenden in ihrem Resümee. »In der Tat kann ein Mensch, der negative Gefühle ausdrückt, beim Pferd Stress verursachen, eine Angstreaktion und im schlimmsten Fall sogar Unfälle auslösen. Ein Mensch, der positive Gefühle ausdrückt, kann dagegen für das Pferd beruhigend und sogar wohltuend sein.«

Quelle: Miléna Trösch, Florent Cuzol et al: Horses Categorize Human Emotions Cross-Modally Based on Facial Expression and Non-Verbal Vocalizations. Zeitschrift animals, 24.1.2019. www.mdpi.com/2076-2615/9/11/862/htm