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Tierqual für Leder

Von Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«

Was haben Schuhe mit Tierschutz zu tun? Ganz klar: Für Leder müssen Tiere getötet und ihnen die Haut abgezogen werden. Und da das meiste Lederweltweit aus Billigproduktionsländern ohne greifende Tierschutzgesetze wie China, Bangladesch oder Brasilien importiert wird, ist dies zusätzlich mit brutalen Tiertransporten und furchtbaren Tötungen verbunden. Zur Tierquälerei hinzu kommt die Ausbeutung von Menschen durch schockierende Arbeitsbedingungen, erschütternde Kinderarbeit sowie schwere Umweltverschmutzung durch giftige Gerbsubstanzen.

Der Großteil des Leders

stammt aus Billigproduktionsländern wie Bangladesch. Für die dortige Lederindustrie werden »Heilige Kühe« aus Indien über Tausende Kilometer transportiert und unter grausamsten Bedingungen getötet - vielen wird sogar noch lebendig die Haut abgezogen. · Bilder: PETA · Manfred Karremann

Ob Schuhe, Jacken, Handtaschen, Autositze: Zur Produktion von Leder werden Kühe, Kälber, Büffel, Pferde, Schafe, Lämmern, Ziegen und Schweine rund um den Globus getötet.

Der Großteil des Leders stammt aus Billigproduktionsländern ohne greifende Tierschutzgesetze wie China, Bangladesch oder Indien. Auf den Etiketten steht »Made in Bangladesch« oder »Made in China«. Doch auch Etikettaufschriften wie »Made in Italy« bedeuten lediglich, dass das Zusammenfügen der Einzelteile zum Schuh in Italien durchgeführt wurde. Die Herkunft des Leders verrät das Label dem Kunden nicht.

Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Manfred Karremann schaute in der ZDF-Sendung 37 Grad »Gift auf unserer Haut« vor einigen Jahren hinter die Kulissen der Lederindustrie in Bangladesch. Ungeschminkt wurde dem TV-Publikum die grausame Wahrheit vor Augen geführt: Viele Kühe, die in Bangladesch unter grausamsten Bedingungen zu Leder verarbeitet werden, waren ursprünglich »Heilige Kühe« aus Indien. Weil in den meisten indischen Bundesstaaten das Schlachten von Kühen unter Strafe steht, werden sie über viele hundert Kilometer nach Bangladesch getrieben oder eng zusammengepfercht auf Lastwagen transportiert. Auf den holprigen Straßen fallen die Kühe auf den Ladeflächen übereinander und verletzen sich mit ihren spitzen Hörnern.

Nach vielen hundert Kilometern völlig abgemagert, entkräftet und oft durch Schläge verletzt in Bangladesh angekommen, wird ihnen in behelfsmäßigen Schlachthäusern bei vollem Bewusstsein die Kehle aufgeschnitten, vielen wird sogar noch lebendig die Haut abgezogen. Kinder müssen knietief in Giftbrühen Kuhhäute gerben, die anschließend als Schuhe und Ledertaschen in alle Welt weiterverkauft werden.

Asien deckt rund 90 Prozent

der weltweiten Schuhproduktion ab. Und so kommt es, dass in deutschen Geschäften Schuhe verkauft werden, für die Kühe aus Indien in Bangladesch ohne jegliche Betäubung getötet oder Hunde in China zu Tode geprügelt wurden. · Bild: PETA · Manfred Karremann

Systematische Missstände: Modefirmen haben keine



über Zuliefererkette für Rohleder

Diese systematischen Missstände sind für internationale Modefirmen nicht rückverfolgbar, denn diese Unternehmen können eine Rückverfolgung in der Regel nur bis zu ihrem eigenen Vertragspartner, also dem Endproduzenten von Schuhen oder anderen Lederartikeln, durchführen. Die zahlreichen Vorlieferanten innerhalb der Zulieferkette und die Schlachthäuser jedoch liegen außerhalb ihrer Kontrolle.

Asien deckt rund 90 Prozent der weltweiten Schuhproduktion ab. China ist der weltgrößte Lederproduzent und Schuhhersteller. Und so kommt es, dass in deutschen Geschäften Schuhe verkauft werden, für die »Heilige Kühe« aus Indien in Bangladesch ohne jegliche Betäubung in Schlachthäusern oder auf offener Straße getötet oder Hunde in China zu Tode geprügelt wurden. Offizielle Label, die Angaben über die Herkunft der Tierhäute und den Ort der Gerbung geben, gibt es nicht - egal, ob beim 20 Euro-Schuh oder beim teuren Designerstiefel. Im Gegensatz zur Textilindustrie ignorieren die Kunden bei Lederprodukten bisher die Bedingungen, unter denen sie hergestellt werden.

Wer Leder trägt, kann nie mit Sicherheit

sagen, welches Tier einmal unter der Haut steckte. Das meiste Leder auf dem Weltmarkt kommt aus China. Neben Rindern, Schafen und Ziegen werden in China auch Hunde und Katzen für Leder erschlagen oder geschlachtet. Dies zeigte eine Recherche von PETA Asia. · Bild: PETA Asia

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Weiterführende Links:
· 13 Fakten, die uns die globale Lederindustrie nicht zeigen will
www.peta.de/13-fakten-die-uns-die-globale-lederindustrie-verheimlicht
· Lederindustrie: Gift auf unserer Haut. Süddeutsche Zeitung, 5.1.2016
www.sueddeutsche.de/wissen/lederindustrie-gift-auf-unserer-haut-1.2802012