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Vegetarier und Veganer sind mitfühlender

Bild: Baronb - Fotolia.com

Wer auf Fleisch verzichtet, ist besonders empathisch. Das belegen aktuelle psychologische Forschungen, die in Spektrum der Wissenschaft - Gehirn und Geist 6/2013 vorgestellt werden.
»Die gesundheitlichen Vorteile des Fleischverzichts sind gut dokumentiert. Neuerdings erkunden Forscher nun auch die psychologische Ebene des Vegetarismus«, so das Wissenschaftsmagazin.

Warum werden manche Menschen Vegetarier?

Eine Studie der Psychologinnen Nicole Kämpfe-Hargrave und Kristin Mitte von der Friedrich-Schiller-Universität Jena ergab, dass zwei Drittel der Menschen, die auf Fleisch verzichten, dies aus ethisch-moralischen Gründen tun - weil sie Mitleid mit den Tieren haben und das Töten von Tieren ablehnen. 20 Prozent sind »gesundheitliche Vegetarier«.
Vegetarierstudie Friedrich-Schiller-Universität Jena

Dies wirft die Frage auf: Wodurch unterscheiden sich Vegetarier und Veganer von Fleischessern?

Zusammenhang zwischen Vegetarismus und Intelligenz

Eine großangelegte britische Studie belegt einen Zusammenhang zwischen Vegetarismus und Intelligenz: 30 Jahre lang wurde die Entwicklung von 17.200 Kindern, die 1970 geboren wurden, verfolgt. Im Alter von 10 Jahren wurde der Intelligenzquotient bestimmt. Im Alter von 30 Jahren wurden die Frauen und
Männer nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt.
Das Ergebnis: Die Vegetarier hatten einen höheren »Kindheits-IQ« von durchschnittlich 106 Punkten, während Fleischesser im Schnitt nur 99 Punkte erreichten.
Catharine Gale, David Batty: Children with a high IQ are more likely to become vegetarian, 2006

Vegetarier sind weniger dominanzorientiert

Wissenschaftler der Victoria University of Wellington befragten im Jahr 2000 Vegetarier und Fleischesser über ihre Werte und Überzeugungen. Demnach sind Fleischesser eher dominanzorientiert und messen Gefühlen weniger Bedeutung zu als Vegetarier.
Michael W. Allen, Michael Dunne et al.: Values and Beliefs of Vegetarians and Omnivores. In: The Journal of Social Psychology. Volume 140, Issue 4, 2000

Neuronale Grundlagen des Vegetarismus: Mitgefühl im Hirnscan

Das Mitgefühl moralischer Vegetarier ist sogar im Hirnscan erkennbar. Italienische Neurowissenschaftler um Massimo Filippi untersuchten 2010 die Gehirnreaktionen auf menschliches und tierisches Leid bei Vegetariern, Veganern und Fleischessern. Sie zeigten den Studienteilnehmern Bilder mit leidvollen Szenen von Menschen und Tieren sowie neutrale Landschaftsbilder und
registrierten dabei die Hirnaktivität. Das Ergebnis: Vegetarier und Veganer reagierten insgesamt stärker auf Leid als Fleischesser - verschiedene Regionen des Empathienetzwerks waren vermehrt aktiv.
Filippi, M. et al.: The Brain Functional Networks Associated to Human and Animal Suffering Differ among Omnivores, Vegetarians and Vegans. In PLOS one, 26.5.2010

Die Folgestudie von 2012 zeigt, dass sich Vegetarier und Veganer besser in Tiere einfühlen können. Bei Vegetariern waren vermehrt Hirnregionen aktiv, die eine Rolle bei der Nachahmung anderer spielen. Bei Veganern waren Teile des Spiegelneuronensystems besonders aktiv.
Filippi, M. et al.: The »Vegetarian Brain«: Chatting With Monkeys and Pigs? In: Brain Structure and Function, Sept. 2012

»Fleischesser und Vegetarier ticken verschieden«

»Diese Unterschiede in der Verarbeitung von Emotionen liefern erste Hinweise darauf, weshalb manche Menschen zu Vegetariern werden und andere nicht«, so Claudia C. Wolf in
ihrem Artikel »Das Mitgefühl macht den Unterschied« (in: Gehirn und Geist, 6/2013). Möglicherweise seien diese Unterschiede sogar angeboren: Bei einer derartige Prädisposition könnten Schlüsselerlebnisse dazu führen, dass manche Menschen den Fleischkonsum aufgeben. »So viel steht jedoch schon fest: Fleischesser und Vegetarier ticken verschieden.«

Ernährung: Vegetarier ticken anders. In: Spektrum der Wissenschaft - Gehirn und Geist, 6/2013
Im Internet: Vegetarismus: Das Mitgefühl macht den Unterschied
www.spektrum.de/alias/vegetarismus/das-mitgefuehl-macht-den-unterschied/1193897