Eine Handvoll Glück: Igelbabys gerettet


Buchtipp von Franziska Hub

Massimo Vacchetta ist Tierarzt für Großtiere in der italienischen Provinz Cuneo. Als er jedoch das kleine Igelbaby Ninna zum ersten Mal in der Hand hält, ist es um sein Herz geschehen - und sein Leben verändert sich in eine Richtung, die er bis zu diesem Zeitpunkt nicht für möglich gehalten hätte. Das Igelbaby, das seine Mutter verloren hatte, wiegt gerade einmal 25 Gramm und muss mit viel Fürsorge aufgepäppelt werden. So beginnt eine intensive Zeit für Massimo, in der er Ninna wochenlang Tag und Nacht alle zwei bis drei Stunden füttert und ihr kleines Bäuchlein massiert. Mithilfe der fachkundigen Beratung von der Igelexpertin Guilia schafft Massimo es, dass das Igelmädchen wieder zu Kräften kommt und gesund heranwächst.


»Kannst du ein paar Tage auf ihn aufpassen?« Als der italienische Tierarzt Massimo das winzige Igelmädchen Ninna zum ersten Mal in der Hand hält, ahnt er nicht, was diese paar Gramm Leben in ihm auslösen werden. Ihre Stacheln sind noch weich, etwas zerzaust - und Ninna hat Hunger. Massimo ist fasziniert von der Zerbrechlichkeit, aber auch von der enormen Kraft, mit der die zutrauliche und verspielte Ninna seinen Blick auf das Leben verändert. · Alle Bilder: privat · aus: Eine Handvoll Glück v. M. Vacchetta


Voller Liebe beschreibt er in seinem Buch »Eine Handvoll Glück« die abenteuerlichen, schwierigen, lustigen und auch sehr berührenden Situationen, die er mit Ninna zusammen durchlebt und durch welche er eine intensive Verbindung zu dem Igelmädchen aufbaut.

Mit aufopfernder Fürsorge kümmert er sich darum, dass es Ninna gut geht. Immer wieder erzählt Massimo auch Erlebnisse aus seiner Kindheit, die auch schon stark von seiner Liebe zu Tieren geprägt war. Mit der Hingabe, mit der er sich auch schon in jungen Jahren um Tiere gekümmert hat, ist er auch jetzt mit ganzem Herzen für Ninna da: »Ich liebte Ninna, bei ihrem Anblick schmolz ich dahin. ... Anfangs bewegte sie sich noch vorsichtig, aber nach einer Weile wurde sie mutiger. Inzwischen flitzte sie durchs ganze Haus. Und sobald sie mich Ninna, Ninnaaaaa!« rufen hörte, lief sie auf mich zu. Es sei denn, sie hatte gerade Interessanteres entdeckt. Ich liebte sie über alles.«


Im Sommer findet man immer wieder verwaiste Igelkinder, deren Mütter dem Straßenverkehr oder einem Rasenmäher zum Opfer gefallen sind. · Alle Bilder: privat · aus: Eine Handvoll Glück v. M. Vacchetta


Der Tierarzt gründet das erste Hilfszentrum für Igel in Italien

Während sich Massimo um Ninna kümmert, reift in ihm die Idee, ein Hilfszentrum für Igel zu errichten, um weiteren Igeln in Not helfen zu können: »Ninna hat in mir das Bedürfnis geweckt, all den Kreaturen zu helfen, an die niemand denkt, die einfach vergessen werden. Dabei ist selbst das kleinste Lebewesen wertvoll und verdient es, beschützt zu werden.«

Durch die Begegnung mit einem weiteren Igel, um den sich Massimo längere Zeit kümmert, wird sein Wunsch nach einem Hilfszentrum für Wildtiere noch größer und er träumt nun sogar davon, einen großen Park anzulegen, in dem Igel und andere Wildtiere in Frieden leben können.

Der erste Schritt zur Verwirklichung seines Wunsches verläuft für Massimo über eine schon bestehende Organisation. Er beginnt, bei einem Schutzzentrum für Wildtiere mitzuhelfen. Hierfür macht er sein Haus zu einer offiziellen Außenstelle des Schutzzentrums in Cuneo und somit zu einer Igelpflegestation. Die vielen Formalitäten und Kontrollen durch Beamte, die nötig sind, nimmt er hierfür in Kauf. Der Name für Massimos Igelstation liegt auf der Hand: »La Ninna«.

Nach und nach werden immer mehr Igel in die Auffangstation gebracht und auch freiwillige Helfer finden sich, die wie Massimo mit Herz und aus Überzeugung einen Teil der Arbeit übernehmen. Für Massimo ist von Anfang an klar, dass Einschläfern nur der allerletzte Ausweg ist. Seiner Meinung nach hat auch ein Igel, der an einer Behinderung leidet, ein Recht auf Leben. Jedoch ist die Entscheidung, ob ein Tier unnötig leidet oder noch eine Hoffnung auf ein angenehmes Leben hat, jedes Mal eine schwierige Gewissensfrage. Es wird ihm also ein großes Anliegen, ein Refugium für Igel zu errichten, in dem Igel leben können, die nicht mehr alleine in der Natur überleben können. Glücklicherweise findet er schnell ein Grundstück, auf dem ein solches Igelparadies eingerichtet werden kann. Als Vorsitzender der Vereinigung »La casa dei ricci« setzt sich der Tierarzt heute nicht nur dafür ein, hilfsbedürftige Igelkinder zu retten, sondern darüber hinaus Igel und ihren Lebensraum zu schützen.


Massimo Vacchetta gründete das erste Hilfszentrum für Igel in Italien, in der norditalienischen Provinz Cuneo. Dort kümmert sich der Tierarzt um hilfsbedürftige Igel. · Alle Bilder: privat · aus: Eine Handvoll Glück v. M. Vacchetta



»Jedes Lebewesen hat seinen Wert und seinen Platz im Universum«

»Jedes Lebewesen hat seinen Wert und seinen Platz im Universum«, ist Massimo Vacchetta überzeugt. Und: »Tiere sind etwas Wunderbares. Sie sind ein Schatz, und die ganze Menschheit sollte Respekt vor ihnen haben, genau wie vor der Natur. Sonst kommen wir irgendwann an einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Vielleicht haben wir den sogar schon erreicht.«



Welche Gefahren bedrohen Igel?

Da Igel durch die Ausweitung der landwirtschaftlich genutzten Flächen und Monokulturen oftmals keinen natürlichen Unterschlupf mehr finden und ihre Nahrungsgrundlagen durch Pestizide zerstört werden, nutzen sie vermehrt Gärten, Siedlungen und Parks als Rückzugsgebiete. Doch genau dort lauern viele Gefahren: Rasenmäher, Elektrosensen, Gruben, Schächte oder Giftköder. Zudem werden hunderttausende Igel überfahren. Die Folge: Unzählige verwaiste Igelsäuglinge, die schutzlos und hilfsbedürftig sind, bleiben alleine zurück.

Wann ist ein Igel hilfsbedürftig?

Möchte man einem Igel helfen, ist es wichtig zu erkennen, ob er wirklich hilfsbedürftig ist. Auch wenn auf den ersten Blick keine äußeren Verletzungen zu sehen sind, kann man oft schon am Fundort erkennen, ob ein Igel hilfsbedürftig ist:

- Ein Igel, der in einer Grube oder einem Schacht gefunden wird, ist womöglich schon seit Tagen ohne Wasser und gefangen und braucht deshalb Hilfe.

- Ist ein Igel krank, so ist er im Sommer häufig von Schmeißfliegen umgeben, die auf ihm ihre Eier ablegen. Oft sind kranke Igel apathisch, mager und rollen sich kaum noch ein.

- Findet man ein Igeljunges, das sich am Tag nicht im Nest befindet, noch geschlossene Augen und Ohren hat und sich kühl anfühlt, ist dieses wahrscheinlich verwaist und braucht dringend Hilfe. Jedoch sollte man immer Ausschau nach der möglichen Mutter halten, bevor man ein Igelbaby mitnimmt und somit unnötig von der Mutter trennt.

- Es kommt auch vor, dass sich Igel kein ausreichendes Fettpolster für den Winterschlaf anfressen konnten. Auch diese Igel brauchen Hilfe, vor allem durch genügend Futter.

Checkliste Erste Hilfe:

- Igel auf Verletzungen untersuchen
- Unterkühlte Igel wärmen (36°C)
- Füttern
- Außenparasiten entfernen
- Kot für Untersuchung sammeln
- Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen
- Pflegeprotokoll anlegen
- Gegebenfalls Igelgehege/Schlafhaus einrichten
- Gesunde Igel sofort wieder frei lassen!

Igelfreundlicher Garten

Ein möglichst naturnaher Garten ist die beste Hilfe für Igel, denn hier findet er Unterschlupf und Nistgelegenheiten.

Informationen: www.pro-igel.de



Buchtipp: Eine Handvoll Glück

Als der italienische Tierarzt Massimo das winzige Igelmädchen Ninna zum ersten Mal in der Hand hält, ahnt er nicht, was diese paar Gramm Leben in ihm auslösen werden.

Ninnas Stacheln sind noch weich - und sie hat Hunger. Sofort wächst sie Massimo ans Herz. Er kümmert sich aufopfernd um seinen neuen Schützling und schon bald ist Ninna nicht mehr aus seinem Leben wegzudenken. Doch Massimo weiß, dass bald der Augenblick naht, an dem sie Abschied nehmen müssen. Denn Ninna gehört in die Freiheit... Mit vielen bezaubernden Bildern wird dieses Buch Ihr Herz im Sturm erobern!

Massimo Vacchetta & Antonella Tomaselli
Eine Handvoll Glück
Die Geschichte des kleinen Igels mit dem großen Herzen
200 Seiten · Mit farbigem Bildteil
PENGUIN Verlag, 2018
ISBN: 978-3-328-10282-3
Preis: € 10,00 [D], € 10,30 [A], CHF 13,90

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