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Erdbebenforschung: Woher spüren Tiere das Unheil?

Bild: kitchbain - fotolia.com

Erdbebenforschung: Woher spüren Tiere das Unheil?

Bevor die Erde bebt, ein Vulkan ausbricht oder ein Tsunami die Küste verwüstet, verhalten sich Tiere auffällig: Hunde bellen, Hähne krähen, Pferde und Kühe geraten in Panik, Elefanten fliehen in die Berge. Woher spüren Tiere das nahende Unheil? Erdbebenforscher vermuten: Weil sich die Luft vor Erdbeben verändert, können Tiere die Gefahr quasi riechen. Und: Offenbar können Tiere Erschütterungen durch Infraschall auch rechtzeitig fühlen.

Zwei Stunden vor dem schweren Erdbeben in Haiti im Januar 2010 berichtete die kanadische Journalistin Chantal Guy auf ihrer Facebook-Seite, dass in Port-au-Prince alle Hähne verrückt spielten und zu jeder Tageszeit krähen würden. Kurze Zeit später fügte sie hinzu, dass auch »die Hunde heulen, dass es einem das Herz zerreißt«. - Zwei Stunden später bebte die Erde.

Der Berliner Wissenschaftler Helmut Tributsch erlebte am 6. Mai 1976 das schwere Erdbeben in der norditalienischen Provinz
Friaul. Bauern erzählten ihm, dass Stunden vor dem Erdbeben Vogelschwärme aufflogen und Hunde bellten. Tributsch begann mit Forschungen über das Verhalten von Tieren und deren mögliche Fähigkeiten der Erdbebenvorhersage. Bereits 1978 fasste er seine Erkenntnisse in dem Buch »Wenn Schlangen erwachen« zusammen. Der Titel bezieht sich auf das Erdbeben in der chinesischen Stadt Haicheng im Februar 1975: Damals erwachten die Schlangen der Gegend vorzeitig aus ihrem Winterschlaf und flohen.

In der Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlichte Tributsch vor wenigen Jahren eine interessante Hypothese: Durch den hohen Druck auf das Gestein vor einem Erdbeben entstehen in Abhängigkeit von seiner jeweiligen mineralischen Zusammensetzung elektrische Ströme, die Wasser in Gesteinsklüften per Glimmerentladung zersetzen. Dabei entstehen elektrisch geladenen Teilchen, welche offenbar die Unruhe bei den Tieren auslösen und sie dadurch warnen. Außerdem sind erhöhte Radonwerte Vorzeichen von Erdbeben, die die Unruhe der Tiere erklären könnten.

Offenbar können Tiere auch rechtzeitig Erschütterungen spüren: Forscher haben nachgewiesen, dass Elefanten Infraschall über ihre empfindlichen Fußsohlen wahrnehmen können. Bei dem großen Tsunami 2004 flüchteten Elefanten auf Sri Lanka kurz vor dem Tsunami ins Landesinnere - doch nur wenige Menschen taten es ihnen gleich. Auch die Küste der indonesischen Insel Simeulue wurde zerstört. Dass alle Bewohner überlebten, verdanken sie den Tieren: Als die Wasserbüffel in die Berge flüchteten, folgten sie ihnen.