Freiheit für Tiere
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Interview mit dem Karikaturisten Bruno Haberzettl

»Freiheit für Tiere« durfte vorab in das neue Buch des Karikaturisten Bruno Haberzettl hineinsehen. Und wir sind überzeugt: »Brunos Jagdfieber« ist ein absolutes »Muss« für jeden Tierfreund!

Bruno Haberzettl zählt zu den Größen der deutschsprachigen Karikatur-Szene. Seine Zeichnungen werden regelmäßig in überregionalen Pressemedien publiziert. Seit 1995 erscheint seine wöchentliche Karikatur am Sonntag in der »Kronen«- Zeitung. Darüber hinaus hat Bruno Haberzettl einige Bücher mit seinen Zeichnungen veröffentlicht.

"Tiere und Natur sind etwas Heiliges"

Das Gespräch mit Bruno Haberzettl führte Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«


Freiheit für Tiere: Dein neues Buch trägt den Titel »Brunos Jagdfieber«. Wie bist du ausgerechnet auf diesen Titel gekommen?

Bruno Haberzettl:
Ich wollte ein Thema, das mich seit meiner Kindheit emotional so bewegt, aufarbeiten. Es ging nicht um Tiere - so gerne ich Tiere zeichne.
Es ging in diesem Fall nur um diese Psychologie der Menschen, die so etwas Abartiges machen - das Buch ist also eine pseudo-psychologische Abhandlung über
dieses Jagdfieber. Ich zeige also einzig den Menschen, der eine Waffe in die Hand nimmt und aus »Jagdfreude« ein Tier schießt.

Freiheit für Tiere: Jäger argumentieren gerne in der Öffentlichkeit, es gäbe vernünftige Gründe für die Jagd: Jäger müssten Wildschweine schießen, weil die Bauern sonst nichts mehr ernten können. Oder sie müssten Füchse erschießen, weil sonst angeblich die Hasen aussterben würden. Aber das Wort »Jagdfieber« impliziert etwas Irrationales...

Bruno Haberzettl:
Genau. Das Fieber ist ein Krankheitszustand. Darum ist auf dem Cover diese Siegmund Freud-Szene....

Freiheit für Tiere: ...der Jäger auf der Couch mit dem Wildschwein als Psychoanalytiker, das die psychopathologischen Befunde notiert...

Bruno Haberzettl:
Das Wildschwein hat ja so ein bisschen den Ansatz von einem Bart wie Siegmund Freud.

Freiheit für Tiere: Warum hast du dir für dein neues Buch gerade das Thema Jagd ausgesucht?

Bruno Haberzettl:
Weil mir die Jagd auf Wildtiere emotional am meisten nahe geht und ich dies als eines der größten Unrechte empfinde. Nun kann man ja sagen: »Es gibt doch so viel Elend und Kriege und arme Kinder...« - immer das Ausspielen der einen Not gegen die andere. Ich sage immer: Es steht ja jedem frei, ob er sich für Menschenrechte einsetzt oder für Naturschutz.
Jeder muss letztlich selbst für etwas stehen und auch kämpfen. Für mich ist es einfach dieses Thema - und die Natur generell, das Leben der Tiere. Und somit sind die Gegner alle, die das zerstören wollen, was mir wichtig und heilig ist.

»Problemlöser...«

Karikatur von Bruno Haberzettl

Freiheit für Tiere: Du sagst, die Natur und das Leben der Tiere sind dir wichtig und heilig. Magst du das näher erklären?

Bruno Haberzettl:
Für mich gibt es nichts Schlimmeres als eine ausgeräumte Landschaft, in der kein Leben mehr ist, keine Tiere - in so einer Welt könnte ich nicht mehr leben. Eine Welt, in der nur noch Menschen herumrennen, wäre für mich ein Alptraum.

Freiheit für Tiere: Woher nimmst du die Inspiration für deine Anti-Jagd-Karikaturen?

Bruno Haberzettl:
Das ist so wie bei dir oder bei allen, die sich mit der Jagd auseinandersetzen: Im Laufe der Jahre hat man ja viele Begegnungen, man liest eine Ankündigung für den Jägerball in der Hofburg, sieht diese feisten Trotteln, die zum Hörnerklang »Auf, auf, zum fröhlichen Jagen...« singen. Oder wenn man auf dem Land in ein Gasthaus geht und da sitzen die Jäger beisammen - aber das sind ja Dinge, die jedem auffallen, nicht nur dem Karikaturisten.

»Problemjäger...«

"Gerade im Wald ist man ständig von Problemen umgeben. Von Problembären und Problemwölfen war schon die Rede, nicht selten trifft man auch Problemjäger oder wird von Problemjägern getroffen." Karikatur von Bruno Haberzettl aus "Brunos Jagdfieber" (Ueberreuter-Verlag)

Freiheit für Tiere: Bei deinen wöchentlichen Karikaturen in der »Krone« (größte österreichische Zeitung, Anm. d. Red.) sind auch immer wieder Jagdkarikaturen veröffentlicht worden, so Anfang diesen Jahres, als ein alkoholisierter Jäger aus Versehen einen jungen Mann erschossen hatte und die Forderung nach einer Null-Promille-Grenze für Jäger laut wurde. - Bekommst du Rückmeldungen von Lesern, die sich ganz furchtbar aufregen oder solche, die zustimmen und Beifall äußern?

Bruno Haberzettl:
Beides. Du kannst dir nicht vorstellen, mit welcher abartigen Aggression und tiefster persönlicher Beleidigung Jäger auf Karikaturen reagieren. Meine Frau hat mir verboten, in Zukunft auf so was zu antworten. Denn ich habe sonst immer zurückgemailt oder habe den angerufen, wollte mit ihm sprechen, wollte das nicht einfach so im Raum stehen lassen. Aber mit solchen primitiven Trotteln kann man ja nicht diskutieren. Die Jäger stellen einen dann als weltfremden Naturschützer hin, der Löwen mit Salat füttern möchte... und sie, die Jäger, wissen als einzige, wie das wirklich ist mit der Natur.
Und dann freut mich natürlich die andere Reaktion: Viele finden die Karikaturen super und bedanken sich, und sagen, dass sie es genauso sehen.

Freiheit für Tiere: Wenn die Jäger sich so furchtbar aufregen, heißt das aber auch, dass die Karikatur ein Volltreffer war!

Bruno Haberzettl:
Ich würde ja am liebsten jede Woche eine Anti-Jagd-Karikatur machen. Mir wäre es recht, wenn die sich jede Woche aufregen würden... Was mir aber zu denken gibt, ist, dass Menschen mit einem so hohen Aggressionspotential Waffen bedienen dürfen!

Freiheit für Tiere: Dein Buch erscheint pünktlich zum Beginn der Jagdsaison - und damit stehen die Treibjagden vor der Tür.

Bruno Haberzettl:
Treibjagden sind wohl das Abartigste vom Ganzen: Da werden Treibjagden abgehalten in dieser ausgeräumten Kulturlandschaft, in der von der Agrarindustrie alles krank gemacht wird - jede Hecke wird weggerissen, jeder Baum wird umgesägt. Und da gibt es ein paar Refugien, zwei Heckenreihen, und da sind halt zwei Hasen drin und ein Rebhuhn. Und die dann mit einer großen Kette von Treibern rauszutreiben und abzuknallen - na, das ist wirklich eine Heldentat!

Freiheit für Tiere: Diese ausgeräumte Kulturlandschaft hast du ja auch in einer Karikatur gezeichnet: Leere Felder, ohne Hecke, ohne Baum - und in der Mitte ein quadratisches Waldstück mit vier Hochsitzen drum herum, an jeder Ecke einen. Und die Jäger, die dann ausziehen, den Kampf gegen die wilde Natur aufzunehmen...

Bruno Haberzettl:
Ja, genau. Das Thema wäre eigentlich das nächste Buch, die Fortsetzung sozusagen: die industrielle Landwirtschaft und die Lebensmittelindustrie. In Österreich wird der Bauer immer noch als Landschaftspfleger präsentiert. Wenn ich wieder ein Buch machen würde, dann wäre das nächste über die Bauern. Dann kann ich eh aus Österreich ausziehen... (lacht).
Die Landwirtschaft zerstört ja wirklich in ganz großem Stil die Natur. Alle kleinen Strukturen verschwinden, alles wird vereinheitlicht. Riesige Traktoren, riesige Lagerhallen - da wird Round­up gespritzt und der ganze Dreck. Der absolute Horror. Die industrielle Landwirtschaft bringt uns alle um. Statt dass sie uns ernährt, bringt sie uns alle um, mit diesem ganzen Glyphosat und den Neonicotinoiden...

Freiheit für Tiere: Mit der herbstlichen Jagdsaison stehen auch die »Hubertusmessen« vor der Tür. In Wirklichkeit wird die Hubertuslegende in ihr Gegenteil verkehrt: Hubertus war ein wilder Jäger. Und als er eines Tages im Geweih eines Hirsches ein Kreuz sah und Christus sagen hörte: »Hubertus, warum jagst du mich?«, entsagte er fortan der Jagd.
Eigentlich müsste sich Hubertus ja bei jeder Hubertusmesse im Grab umdrehen. - Das wäre doch eine gute Karikatur, oder? Wie Hubertus im Grab rolliert?

Bruno Haberzettl:
(lacht) Aber es ist schon interessant, dass gerade der, der die Abartigkeit erkennt und der Jagd abschwört, ihr Schutzpatron ist. Das ist schon sehr interessant! Aber ich
glaube, sie identifizieren sich nur mit dem Hubertus der ersten Hälfte, der da herumknallt auf alles, was sich bewegt... Die zweite Hälfte der Geschichte wird einfach ausgeblendet...

Freiheit für Tiere: In der Hubertusmesse sagt der Pfarrer dann, der Jäger soll die Natur achten. Und sie achten ja das Tier, indem sie dem erschossenen Hirsch diesen Zweig als »letzten Bissen« ins Maul legen...

Bruno Haberzettl:
Ach ja, `tschuldigung, das wünscht sich ja jeder Hirsch und jedes Reh, dass es einmal im Leben so einen Zweig drinnen hat... (lacht)
Die Hubertusmessen sind ein Paradoxon. Aber die Kirche und die Jäger - das passt eh alles gut zusammen...

Freiheit für Tiere: Die Priester segnen die Waffen, die Jäger, die Jagd - und damit dieses blutige Hobby, den Krieg gegen die Schöpfung. Und legitimieren dies alles damit...

Bruno Haberzettl:
Ich habe als Begleittext zu der Karikatur »Hubertusmesse« geschrieben: »‘Du sollst nicht töten’ - ‘Echte’ Christen wissen, dass dieses eine Gebot vom lieben Gott nicht so ernst gemeint ist.« Und daher sind die Jägersleut in der Kirch’ auch immer willkommen, weil sie für einen reich gedeckten Gabentisch sorgen...
Meine Mutter hat sich wegen dieser Karikaturen schon Sorgen gemacht, weil die Jäger so viel Macht haben und so vernetzt sind: »Da wirst du Schwierigkeiten kriegen«, sagt sie. - Damit rechne ich, und darauf habe ich es durchaus angelegt.
Aber es ist ja wirklich so: die Konzerne, die Kirche, die Richterschaft, die Industrie - das sind alles Jäger. Die fahren dann zum Schießen nach Afrika - leisten kann man sich’s ja und Spaß macht’s auch.

Freiheit für Tiere: Zum Thema »Jagd in Afrika« hast du auch eine sehr treffende Karikatur gezeichnet: Ein Jäger sitzt im Rollstuhl, hängt an einer Infusion, die Krankenschwester steht daneben, der Jäger hat die Knarre im Arm - und daneben liegt ein toter Elefant. Und der Jäger posiert für ein Helden-Foto. Die Bildunterschrift lautet: »Wann ist ein Mann ein Mann?«
Es ist ja schon auffällig, dass der Altersdurchschnitt der Jäger irgendwo zwischen 65 und 70 Jahren liegt... In dem Alter dürfte keiner mehr als Polizist mit Schusswaffe im Einsatz sein und kein LKW-Fahrer dürfte mehr einen Gefahrguttransport machen... Aber die Jäger dürfen noch schwerbewaffnet rumlaufen?

Bruno Haberzettl:
Ja, genau. Das ist eigentlich auch arg, gell?

Freiheit für Tiere: In einer Karikatur hast du einen Jäger gezeichnet, der als Rotkäppchen verkleidet durch den Wald läuft, mit einem Gewehr im Korb... Die Bildunterschrift lautet: »Die Jägerschaft garantiert freies Geleit für den Wolf! (Außer im Notfall...).«

Bruno Haberzettl:
Erst haben die Jäger die Wölfe willkommen geheißen. Jetzt versuchen sie, die freien Wolfsrudel zu dämonisieren, nur damit sie die Wölfe dann abschießen dürfen.
Ich möchte in ein Nachwort reinschreiben, dass in unserer Zeit ja kein einziger Übergriff von Wölfen oder Bären auf Menschen belegt ist. Und wenn etwas passiert - im Yellowstone oder in Kanada zum Beispiel mit den Grizzlys - dann hat sich das immer, aber wirklich auch immer, als Blödheit oder Leichtsinnigkeit der Touristen herausgestellt: dass die dem Bären immer hintergerannt sind, bis der sich umgedreht und die Nerven verloren hat. Oder Lebensmittel füttern und solche Geschichten. Aber stets wurden dabei die Parkregeln nicht beachtet.
Immer heißt es: »Das ist ein gefährliches Raubtier.« Aber wenn man jetzt rechnet, wie viele Jäger bewaffnet, psychisch bedenklich, alkoholisiert unterwegs sind. In unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft können die großen Raubtiere nicht mehr leben - aber für solche psychisch bedenklichen Waffenträger ist Platz.

Freiheit für Tiere: Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, dass jetzt wieder das Märchen von Rotkäppchen rausgeholt wird - der Wolf als Kinderfresser und Bestie. Dabei sind Jäger viel, viel gefährlicher als Wölfe: Während in Deutschland vermutlich seit dem Mittelalter kein einziger Mensch durch einen Wolf gestorben ist, sterben jedes Jahr an die 40 Menschen durch Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen.

Bruno Haberzettl:
Ja, genau. Das war auch der Hintergrund zu meiner Karikatur mit dem als Rotkäppchen verkleideten Jäger.

Freiheit für Tiere: In einer anderen Karikatur hast du einen Jäger gezeichnet, der mit einer Rolltreppe auf den Hochsitz fährt. Die Bildunterschrift lautet: »Und wieder wagen sich einige in den Kampf gegen die wilde Natur...« – Spielst du mit der Rolltreppe auf den hohen Altersdurchschnitt der Jägerschaft an? Oder auf die Bequemlichkeit?

Bruno Haberzettl:
Ja, und auf die technische Überlegenheit. - Es ist doch etwas völlig anderes, wenn Amazonas-Indianer mit einem Blasrohr ein Tier jagen, so leid mir das Tier natürlich trotzdem tut. Die machen das seit Hunderten von Generationen so auf einem relativ kleinen Lebensraum, nachhaltig, ohne die Natur oder Tierarten zu gefährden. Die sind dort wirklich in dem System voll eingebunden. Da werden wir nichts dagegen haben. Und bei uns kriegt der Jäger einen Anruf von seinem Jagd-Organisator: »Wir hätten für Sie einen Hirsch, einen Sechzehnender.« Und der setzt sich in den Dienstwagen, fährt von Wien in die Obersteiermark und hat in einem halben Tag - da ist dann das Saufen und Feiern auch schon dabei - den Hirsch abgeschossen. Da kann man doch nur sagen: Das sind mit Lenkwaffen ausgestattete Neandertaler...

Noch ein Gedanke - und dazu steh ich auch: Wenn man sieht, wie eine Fuchsmutter jeden Abend ihre Babys woandershin schleppt, damit ihnen ja nichts passiert - wie zärtlich und wie großartig das alles ist, wie durchdacht und wirklich in Millionen von Jahren entstanden. Und dann kommt so ein degenerierter Psychopath daher und knallt sie ab, die Jungen verhungern und so weiter. Wenn man nur einen Funken Herz hat, dann muss man dagegen kämpfen! Dass der Funken überspringt, und wenigstens die nächsten Generationen erkennen, dass das ein großes Unrecht ist, so wie Sklavenhandel.
Ich komme mir so vor, als wenn wir in der Großzeit des Sklavenhandels gesagt hätten: »Naja, die Schwarzen sind ja auch Menschen.« - Wir wären dafür verhöhnt und ausgelacht worden und massiv bedroht. Irgendwann einmal ist der Funke übergesprungen und es hat sich im Großen etwas geändert. Es wird sicher immer noch Leute geben, die anders denken, aber in der großen Mehrheit der Bevölkerung ist Sklaverei heute verpönt. Und ich glaube, in unserem Tun sind wir jetzt ungefähr soweit, als wenn sich ein paar in der Zeit des Sklavenhandels dagegen stellen.

Freiheit für Tiere: Wobei in der Mehrheit der Bevölkerung das Töten von Tieren als Hobby - oder aus Lust, aus niederen Trieben -, im Grunde nicht mehr akzeptiert wird. Darum ist die Aufklärung so wichtig, denn viele denken immer noch: »Jagd muss ja sein, sonst nehmen die Tiere überhand...« Wenn es gelingt, noch viel mehr in die Öffentlichkeit zu tragen: »Jagd ist ein Hobby. Jäger machen das, weil sie Spaß daran haben. Die Natur würde sich selber regulieren...«, dann hätte die Jagd in der breiten Öffentlichkeit keine Unterstützung mehr. Denn das Töten aus Spaß, aus Lust, das Töten als Hobby - das wird von den meisten Menschen längst abgelehnt!

Bruno Haberzettl:
Jeder halbwegs geistig gesunde Mensch müsste einen Ekel bekommen, wenn man die Jagd mit Argumenten auf das reduziert, was es wirklich ist: Es ist nur Sport, Freude, Freizeit, ein Kick, sexuelle Erregung - ich weiß nicht, was noch alles da mitspielt. Nur das ist es. Ja, und natürlich Macht, Macht in erster Linie. Der Richter über Leben und Tod sein, hoch oben auf dem Hochsitz, und von oben herab beurteilen, was leben darf und was sterben soll. Das ist natürlich psychologisch interessant. Aber mit Ökologie hat das gar nichts zu tun.

Freiheit für Tiere: Wahrscheinlich glaubt so mancher Jäger, dadurch, dass er ein so schönes, edles, großes, starkes Tier erlegt, wäre er größer, stärker und toller - und dem edlen Tier überlegen... Dabei ist er in Wirklichkeit vielleicht alt und krank und hat Gicht...

Bruno Haberzettl: Ja, das ist es! (lacht) Es ist so grauenhaft. Aber das ist sowieso die Frage: Wie kann ein Mensch so abartig grauenhaft sein, Tieren so etwas anzutun? - Wir Österreicher versuchen ja auch, das Thema Faschismus und Rassismus aufzuarbeiten. Aber wenn man das wirklich verstehen möchte: »Wie kann sowas möglich sein?«, dann darf man nicht bei Menschen anfangen. Rassismus und Faschismus beginnen, wenn man sagt: »Die Viecher sind schon zu viel, die muss man abschießen«. - Wer gibt mir das Recht, so zu urteilen?

Freiheit für Tiere: Nun beginnt ja auch in Österreich eine Bewegung von Grundstückseigentümern die sagen: »Keine Jagd auf meinem Grundstück!« (www.zwangsbejagung-ade.at) - und sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von 2012 berufen, nachdem es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Jäger gegen meinen Willen und gegen meine Gewissensentscheidung mein Grundstück betreten, um dort Tiere tot zu schießen. - Wäre es nicht ein Anfang, wenn private Grundstücksbesitzer die Möglichkeit hätten zu sagen: »Auf meinem Grundstück wird nicht gejagt«? Und so wenigstens kleine Rückzugsgebiete und Refugien für Wildtiere geschaffen werden könnten?

Bruno Haberzettl:
Ja, aber hundertprozentig! Und ich möchte auch sagen: Wenn sich daraus eine Kettenreaktion entwickeln würde und eine Vernetzung entsteht - dann würde dies auch das Treibjagd-Unwesen zumindest stark einschränken, wenn nicht sogar unmöglich machen. Regional zumindest, das käme dann darauf an, wie vernetzt diese Anti-Jäger-Grundbesitzer dann sind. Das wär’ natürlich ein Traum!
Aber das ist natürlich so wie mit den Gartenbesitzern, bei denen man sich wünscht, dass jeder, der einen Garten hat, diesen auch als Refugium der Natur zur Verfügung stellt - es gibt ja nicht erst seit heut’, sondern seit den neunziger Jahren diese Naturbewegung.
Es gibt ja in Deutschland eine Rechnung, dass die Zahl der Privatgärten um ein Zigfaches die Nationalparkflächen übersteigt. Wenn viele, die einen Garten haben, den der Natur wieder zurück geben - also das Repräsentative mal nach hinten stellen, dass da halt Vögel leben können, Igel und so weiter - dann wäre das für den Artenschutz ein enormes Zeichen! Das Gleiche gilt beim Konsumverhalten.

Freiheit für Tiere: Genau. Wie oft heißt es: »Was kann ich schon als Einzelner tun?« - Es fängt beim Konsumverhalten an, bei dem, was ich kaufe oder eben bewusst nicht kaufe. Und wenn ich ein Grundstück habe, kann ich auch bewusst darauf Lebensraum für Natur und Tiere schaffen.

Bruno Haberzettl:
Ja, freilich! Ich habe den Eindruck, dass immer mehr Menschen jetzt sensibilisiert werden. Zuerst mit dem Gammelfleisch-Skandal, dem Pferdefleisch-Skandal und der Falschdeklarierung, jetzt mit den Neonicotinoiden, mit dem Bienensterben und so weiter. Also, ich hab’ schon den Eindruck, dass die Zahl derer, die sagen: »Ich mach’ aktiv was dagegen!« größer wird.

Freiheit für Tiere: Das ist doch ein schönes Schlusswort!

Bruno Haberzettl:
Nicht mal negativ! (lacht)

Freiheit für Tiere: Dann bedanke ich mich herzlich für das wirklich interessante und schöne Gespräch - und lege deine treffenden Karikaturen und dein neues Buch »Brunos Jagdfieber« den Leserinnen und Leserinnen von »Freiheit für Tiere« ans Herz!

Das Buch: Brunos Jagdfieber

Achtung Jäger, jetzt wird zurückgeschossen! Der bekannte österreichische Karikaturist Bruno Haberzettl beschäftigt sich mit seinem Lieblingsthema: der Jagd. Und jedes Bild ist ein Treffer: von den verschiedenen Jägertypen zu den absurden Ausprägungen ihres Hobbys.

Die genialen Karikaturen bieten eine Fülle an Details und Pointen, die es zu entdecken gilt. Mit seinem feinen, bissigen Humor nimmt Haberzettl die Jäger auf einmalige Weise auf's Korn.

Ein wunderbar originelles Geschenk für alle humorvollen Jagdgegner und solche, die es noch werden möchten.

Bruno Haberzettl: Brunos Jagdfieber
Ueberreuter-Verlag 2013 · ISBN: 978-3800075669
Hardcover · 96 Seiten · Preis: 19,50