Freiheit für Tiere
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Lasst die Osterlämmer leben!

Bild: Baronb - Fotolia.com

Wenn im Frühling die Natur erwacht, erfreut uns der Anblick kleiner weißgelockter Lämmchen, die - manchmal noch auf wackligen Beinen - bei ihren Müttern trinken oder verspielt und voller Lebensfreude über die Wiese springen. Nicht nur Kindern entlockt dieses Bild begeisterte Ausrufe: »Wie süß! Wie goldig!« Doch die grausame Wahrheit ist: All diese Lämmchen werden bald unter dem Metzgermesser enden - pünktlich zu Ostern landen sie als Lammbraten auf dem Teller. Denn für viele Menschen gehört der Lammbraten zum traditionellen Festessen zu Ostern.

In Deutschland werden Schafe längst nicht mehr wegen der Wolle gehalten, da die Weltmarktpreise für Wolle unter den Produktionskosten liegen. Heute dienen Schafe fast ausschließlich zur Fleischproduktion: 98 Prozent der Einnahmen der Schafhalter werden durch den Fleischverkauf erzielt. So werden jedes Jahr in Deutschland ein bis zwei Millionen Schafe - fast ausschließlich Lämmchen - geschlachtet.

Eine besondere Spezialität gerade zu Ostern sind Milchlämmer - also Säuglinge, die noch von der Mutter trinken und noch nie Gras gefressen haben, zwischen 8 Wochen und einem halben Jahr alt. Aus diesem Grund haben sie sehr helles Fleisch, das als
»butterweich, zartfaserig und fettarm« gilt - Babyfleisch eben.

Das kurze Leben der Lämmer - oft alles andere als Idylle

Entgegen weit verbreiteten Vorstellungen ist es in den meisten Fällen nicht so, dass die Lämmchen wenigstens bis zu ihrem frühen Tod ein »schönes Leben« haben: Sowohl die betäubungslose Amputation des Schwanzes als auch das Kastrieren ohne Betäubung ist bei Lämmern üblich. Die Amputation des Schwanzes erfolgt durch Kupieren oder mit einem Gummiring, der über den Schwanz gezogen wird. Dadurch werden die Blutgefäße abgeklemmt und der untere Teil des Schwanzes stirbt im Lauf einiger Wochen ab. Laut Tierschutzgesetz ist das betäubungslose Kupieren bei unter acht Tage alten Lämmern erlaubt, ebenso wie das Kastrieren von unter vier Wochen alten Bocklämmern ohne Betäubung. Beim Kastrieren werden bei den kleinen Böckchen die Samenstränge mit einer Zange so gequetscht, dass die in den Samensträngen verlaufende Hodenarterie dauerhaft geschädigt wird, was nach zwei bis drei Wochen zur Unfruchtbarkeit führt.

Ob Wanderschafhaltung oder Hobby-Schafhalter: Mangelndes Wissen und die falsche Annahme, Schafe seien anspruchslos und genügsam, führen oft zu tierschutzwidrigen Situationen. Viele Schafe werden in dunklen, feuchten und schlecht belüfteten Ställen gehalten, andere stehen auf Weiden ohne Unterstand, ohne Schutz vor Sonne, Wind, Nässe oder Kälte. Teilweise fehlt es sogar an regelmäßigem frischen Wasser. Im Winter sind Schafe bei nasskalter Witterung oder bei Minusgraden ohne Unterstand im Freien zu sehen, teilweise mit frisch geborenen Lämmern, die Mütter mit entzündeten Eutern.

Ein weiterer Missstand ist häufig die mangelhafte Weidebeaufsichtigung. Dann kann es sein, dass sich Lämmer in Zäunen verfangen und dort unentdeckt elendig verenden. Schafhalter, die nur einmal täglich kurz nach den Tieren sehen, erkennen vielfach nicht rechtzeitig, wenn Schafe leiden: an Verwurmung oder Moderhinke. Die Moderhinke ist eine weit verbreitete entzündliche Klauenerkrankung, die durch feuchte Böden in Verbindung mit mangelhafter Klauenpflege stark begünstigt wird. Die Erkrankung ist äußerst schmerzhaft. Zu beobachten sind humpelnde Schafe, Tiere, die beim Fressen knien oder sich sogar auf den Vorderwurzelgelenken der Vorderläufe fortbewegen, um die Klauen von den Schmerzen zu entlasten.

Ende unterm Schlachtermesser

Obwohl das Lamm als Inbegriff für Sanftmut und Unschuld gilt, wird es schließlich von seiner Mutter weggezerrt, um geschlachtet zu werden. Manche Schafhalter schlachten selbst auf dem eigenen Hof - oder die Lämmer werden verladen und zum Schlachthof transportiert. Sie riechen das Blut der anderen Tiere und spüren deren Verzweiflung. Dann werden Elektrozangen auf dem Kopf des Lammes platziert, und es wird ein Schock ausgelöst, der epileptische Krämpfe verursacht und schließlich zur Bewusstlosigkeit führt - wobei die Betäubung keinesfalls immer wirksam ist. Denn es kommt immer wieder vor, dass Tiere das Bewusstsein während der Schlachtung wiedererlangen. Getötet werden Schafe durch das Durchtrennen der Hauptschlagader am Hals, wodurch sie ausbluten.