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Malediven - Inseln voller Lebensräume

M A L E D I V E N   -   B E D R O H T E   I N S E L W E L T 

Lebensräume: Unterwasserwelt Malediven Foto: Ahmed Rasheed



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Von Kornelia Stinn

»Aus der Luft sehen sie aus, als blicke man auf eine Auslage grüner Jadehalsbänder mit dazwischen gestreuten Smaragden, die auf blauem Samt liegen.« Schöner als der Ethnologe Thor Heyerdahl kann man die Malediven von oben nicht beschreiben. Da breiten sich 1190 Inselträume vor dem Betrachter aus. Nur zweihundert von den kleinen Eilanden sind bewohnt. Aus einer Laune der Natur entstand hier eine ganz eigentümliche Inselwelt.
Eine Inselwelt, deren Gleichgewicht leicht aus den Fugen gerät. Durch die Einwirkung des Menschen und durch die Einwirkung von Naturkatastrophen, an deren Zustandekommen wiederum der Mensch nicht unschuldig ist.

Um aber die Einmaligkeit und zugleich die besondere Schutzbedürftigkeit dieser Landschaft und ihrer Lebewesen - vor allem derjenigen, die sich unter Wasser befinden - zu begreifen, muss man wissen, wie diese Inselwelt entstanden ist. Denn ebenso, wie einzelne kleine Eilande plötzlich auftauchen, werden andere vom Meer verschluckt. Das war schon immer so. Dass aber die Gefahr sich mehrt, dass sogar der gesamten Inselwelt der Untergang droht, damit setzen Fachleute sich derzeit verstärkt auseinander. Es heißt sogar, dass der Archipel die nächsten fünfzig Jahre nicht überleben wird.



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Traumhafte Malediven Foto: Kornelia Stinn



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W I E   D I E   M A L E D I V E N   E N T S T A N D E N   S I N D 

Wie also sind die Malediven gebaut? Charles Darwin war es, der 1842 die erste Theorie dazu entwickelte. Diese geht von verschiedenen Vulkanen aus, die im Meer versunken sind. Währenddessen, so Darwin, siedelten sich an deren Rändern Korallen an. Die Korallen sanken mit ab. Und weil sie licht-orientiert sind, können sie nur bis in einer Tiefe von dreißig bis vierzig Meter existieren. Auf abgestorbenen Korallen aber siedeln sich sofort neue an, die immer dem Licht, also der Oberfläche, entgegenstreben. So haben sich kranzförmige Riffe gebildet. Während aber die Vulkane weiter versanken, blieben die Riffe bestehen und umschlossen eine Lagune. Der Sand am Boden der Lagunen besteht aus fein zermahlenen Korallen. Wo Sand und abgestorbene Korallen durch Wind und Wellen aufgetürmt wurden, entstanden Inseln.

Der Zoologe und Taucher Hans Hass erklärt, wie eine Lagune entsteht: »Weil die Korallen bis knapp unter den Wasserspiegel streben und dort horizontal weiter wachsen, bilden sich mit der Zeit mächtige Korallenplatten. An ihren Rändern erhalten die Korallen mit der Strömung viel Nahrung, in ihrer Mitte jedoch wenig. Deshalb sterben die Mittelkorallen allmählich ab und sinken ein. Das einströmende Meereswasser bildet die Lagune.«

Man legt für die Entstehung der Malediven eine Erklärung zugrunde, welche die Theorie Charles Darwins und die These von Hans Hass kombiniert. Demnach sind die Korallen das Fundament der gesamten Inselwelt und wesentlicher Bestandteil von deren Öko-system.



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Foto: Tauchstation Meridis 



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W U S S T E N   S I E ,   D A S S   K O R A L L E N   T I E R E   S I N D ? 

Bei Korallen handelt es sich nicht, wie viele Menschen annehmen, um Pflanzen, sondern um Tiere. Wie Seeanemonen und Quallen werden sie den Nesseltieren zugeordnet. Das sind Einfach-Lebewesen im Meer, die über Fangarme verfügen und sich damit ihre Nahrung (Plankton) zuführen. Darüber hinaus haben die Korallen aber auch die Fähigkeit, sich wie eine Pflanze zu ernähren. Innerhalb ihrer Fangarme und damit in ihrem Körper siedeln sich eine Vielzahl verschiedenfarbiger Algen an. Durch sie entsteht die wunderschöne Farbenpracht der »Korallengärten«. Biologen unterscheiden zwischen weichen Korallen - das sind Polypen, die nur aus weichem Gewebe bestehen - und harten Korallen, die aus einem Kalkskelett und Fangarmen bestehen. Dazu zählen zum Beispiel jene Korallen, die die Außenriffe der Inseln bilden und gelegentlich bei Ebbe zum Teil frei fallen. Sie fungieren auch als Wellenbrecher für die schutzlos dem Ozean ausgesetzten kleinen Inseln, deren höchste überhaupt nur drei Meter über dem Meeresspiegel liegt.

Dabei sind Korallen sehr empfindliche Gebilde, die schon bei Berührung durch Taucher absterben. Darum ist es eine strikte Regel: Will man die schöne Unterwasserwelt genießen, muss man sich als Gast verhalten, der unbedingt bestimmte Regeln einhält. Regel Nr.1: Nichts anfassen!



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Korallen werden - wie Seeanemonen und Quallen - den Nesseltieren zugeordnet. Durch Algen entsteht die wunderbare Frabenpracht der Korallengärten. - Foto: Ahmed Rasheed



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B E D R O H U N G   D E R   K O R A L L E N   D U R C H   D E N   T R E I B H A U S E F F E K T 





Korallen lieben Wassertemperaturen zwischen 20 und 32 Grad Celsius. Jede einzelne der etwa 70 Korallenarten, die in den Malediven anzutreffen sind, hat ihre eigene Temperaturvorliebe innerhalb dieses Spektrums. Wird ihre Wärmetoleranzgrenze über- oder unterschritten, so stirbt sie ab.

Die fortschreitende Erwärmung der Weltmeere haben die Korallen zunächst nur als Stress empfunden - bis 1997 El Nino auftrat, jener Warmwasserschwall, der sich periodisch von Südamerika her ausbreitet. Bis zu 70% der Korallenstöcke starben ab, bleichten aus und stürzten zusammen. Tom Goreau, der Präsident der Global Coral Reef Allianz in New York meinte, es sei nun ein weltweites Riffesterben in Gang gesetzt, wie es die Welt nie zuvor gesehen habe.
Wenn man zwischenzeitlich beobachtet hat, dass sich Korallenstöcke durch natürliche Wiederbesiedlung schneller erholen als vermutet, so bedeutet das längst keine Entwarnung. Die steigende Temperaturerhöhung (Treibhauseffekt) ist, wie wir alle wissen, noch längst nicht abgewendet. Das Abschmelzen der Gletscher, das wiederum zu einer Erhöhung des Meeresspiegels führt, zeugt davon.

Wenn der Meeresspiegel auch nur einen Meter weiter ansteigt, so heißt es in Fachkreisen, dann sind die Malediven überflutet. Weniger genügt schon, um ihr Erdreich mit Salzwasser zu tränken und sie dadurch unbewohnbar zu machen. Hochrechnungen der bisherigen Entwicklungen gelangen zu der Erkenntnis, dass die Malediven in 50 Jahren nicht mehr existieren werden. Lobenswerte menschliche Projekte zur Wiederansiedlung der Korallen sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn selbst ein an sich ausreichender Riffschutz kommt gegen einen steigenden Meeresspiegel nicht an. Und um sich an erhöhte Temperaturen und ein Ansteigen des Meeresspiegels anzupassen, benötigen Korallen mehr Zeit, als ihnen noch zur Verfügung zu stehen scheint. Bereits 1994 forderte die »Alliance of Small Islands« beim Berliner Weltklima-Gipfeltreffen, die klimaschädlichen Treibhausgase weltweit um 20% (!) zu senken. Die Malediven und zahlreiche weitere Inselstaaten gehören der Allianz an. Letzter Warnschuss war der Tsunami im Jahre 2004. Die Malediven wurden davon im Vergleich mit anderen Ländern der Region »nur« gestreift: 100 Tote waren zu beklagen und viele Siedlungen zerstört.



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Ein Clownfisch in der Korallenwelt der Malediven - Foto: Tauchstation Meridis



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U N E N D L I C H   V I E L E   A R T E N   V O N   F I S C H E N 

Neben den Korallen gehört auch ein unermesslich reicher Schatz an Fischen zum Ökosystem des Meeres. Manchen Fischen bieten die Korallen Schutz vor Feinden. Andere wieder schmücken sich, wie etwa der Feuerfisch, der Abschreckung wegen mit schrillen Farben. Überhaupt sind die Malediven für ihre fantastisch bunten Fische bekannt. Picassofische, Clownfische, Blaustreifenschnapper, Juwelenzackenbarsche, Anemonenfische, um nur einige der kleineren zu nennen.
Nicole Schachtner, Leiterin der Tauchbasis auf der Insel Dhonakulhi im Norden der Malediven (Haa Alifu Atoll), hat sich ausgiebig mit den Tauchgründen der Malediven beschäftigt. Wer Nicole kennen lernt, wird neugierig auf die Unterwasserwelt vor Ort. Die Deutsche aus Bayern hat jahrelang in der ganzen Welt den Ort für eine Tauchbasis nach ihren Vorstellungen gesucht. In Dhonakulhi fand sie ihn. »Ich habe traumhafte Tauchgründe in Ägypten oder Australien gesehen«, sagt sie. »Fünf Jahre lang war ich auf den Malediven unterwegs, auf verschiedenen Inseln. Die Malediven sind wunderschön, die Farben der Lagunen so dermaßen bunt, dass man es fotomäßig nicht festhalten kann. Aber Dhonakulhi ist etwas Besonderes.« Ihre Augen glänzen, wenn sie das sagt, als habe sie dieses Unterwasserparadies eben erst entdeckt. »Man muss«, schwärmt sie, »nur wenige Minuten mit dem Boot hinaus ahren, und schon taucht man ein in die schönsten Korallengärten. Am Hausriff sieht man Weichkorallen - so ein Feuerwerk von Farben hab´ ich noch nie gesehen. Da tummeln sich Süßlippen, Papageienfische, Blaustreifenschnapper... Einen Platz, wo man besonders viele Fischarten antrifft, haben wir `Aquarium´ genannt.«
An anderen Stellen trifft man auf Buckelwale, Grimwale oder Orkawale. Die meisten Taucher sind ganz scharf darauf, Walhaie zu sehen. »Wenn man einem ins Auge schaut, verliebt man sich in ihn.« Jedenfalls geht es Nicole so. Ihre erklärten Lieblinge aber sind die Mantas. Sie können eine Spannweite bis zu sieben Meter haben. Im letzten Jahr hat sie zwischen Oktober und Mai im Kanal, der gleich an der Insel vorbeiführt, an die hundert Mantas entdeckt - und eine Mantaputzer-Station gibt es auch: Die Putzerfische fressen die Parasiten aus der Haut der Mantas heraus. Nicole vermutet, dass die Mantas sich hier sogar vermehren. »Der Kanal liegt einerseits geschützt, bietet aber andererseits genügend Strömung. Das sind ideale Bedingungen«, weiß sie.



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Die Malediven sind für ihre fantastisch bunten Fische bekannt. - Foto: Ahmed Rasheed



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Doch die Taucher von »Meridis« fürchten um den Erhalt dieser traumhaften Unterwasserwelt... - Foto: Tauchstation Meridis



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M I T   T A U C H E R N   A U F   E N T D E C K U N G S R E I S E 

Man könnte ihre Tauchbasis »Meridis« auch eine Pionier-Tauchbasis nennen. Und das wiederum ist das ganz Außergewöhnliche: Als erste und einzige Tauchbasis vor Ort - im Norden der Malediven gibt es bislang keine weitere Tauchbasis - erschließt sie für ihre Gäste quasi einen `jungfräulichen´ Unterwasserraum. Noch längst sind die Taucher mit ihren Entdeckungen nicht am Ende. Dabei geht es ihnen vor allem um einen Erhalt dieser schönen Natur unter Wasser. Niemand sollte hier ohne Begleitung von Fachleuten tauchen. Denn sie wissen, wie man sich in dieser empfindsamen Welt verhält, in der der Mensch nur Zaungast ist - und für den diese Welt bisweilen auch nicht ungefährlich ist.



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Nicole Schachtner, Leiterin einer Tauchbasis auf den Malediven - Foto: Kornelia Stinn



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Der Mantarochen (Manta birostris) ist eine Rochenart aus der Unterfamilie der Teufelsrochen. Mantas können eine Spannweite von bis zu 7 Metern erreichen. - Foto: Tauchstation Meridis



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Kleiner Schwarzspitzenhai Foto: Kornelia Stinn



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Schildkröten stehen heute unter strengem Schutz; es gibt spezielle Aufzuchtprojekte. - Foto: Kornelia Stinn



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G E C K O S ,   E C H S E N   U N D   S C H I L D K R Ö T E N 

Im Gegensatz zu der schillernden Welt unter Wasser gibt es auf den kleinen Inseln der Malediven wenige Tiere. Nicht zu überhören ist der schnalzende, klopfende Ruf der Geckos, einer Echsenart, die etwa 15 Zentimeter groß wird. Sie ist in den urwaldartigen Wäldern aus Mangroven, Kokospalmen oder Pandanusspalmen schwer auszumachen. Dafür trifft man sie nicht selten im Inneren von Häusern an, auf der Jagd nach Insekten. Sie sind sehr scheu, verschwinden bald in einem Ritz, wenn sich ein Mensch nähert.

Wer einem bei Streifzügen über eine Insel immer wieder einmal über den Weg läuft, ist die ebenfalls harmlose indische Schönechse. Sie ist größer als ein Gecko und erinnert an einen Minidrachen. Aus sicherer Entfernung beobachtet sie einen herannahenden Menschen. Dabei stellt sie sich gern bewegungslos.

Keiner kann einem garantieren, dass man nicht auch einmal einem Skorpion über den Weg läuft. Die Strände scheinen den Einsiedlerkrebsen zu gehören. Geschäftig flitzen sie herum und sind im Nu in einem der zahlreichen Löcher verschwunden, wenn ihnen ein Mensch zu nahe kommt. Manche haben sich in Schneckenhäusern angesiedelt und spazieren zum Teil darin verborgen herum.

Sehr nah an eine Insel kommen manchmal die Schildkröten heran. Sie legen zwischen Juni und Oktober abends ihre Eier in Sandlöcher. Ihr Schildpatt galt jahrelang als eines der einträglichsten Exportgeschäfte der Malediven, und ihre Eier wurden von den Einheimischen als Delikatesse geschätzt. Heute stehen sie unter strengem Schutz, und es gibt spezielle Aufzuchtprojekte.

Wer Glück hat, entdeckt ein paar der wunderschönen weißen Seeschwalben. Häufiger noch kommen auffällige schwarze Seeraben vor, die ein durchdringendes Geräusch von sich geben. Nicht zuletzt erfreut man sich in der üppigen Tropennatur an wunderschönen exotischen Blüten und an der orangefarbenen maledivischen Ananas, die mit ihren vielen kleinen Beeren ein gefundenes Fressen für die Tierwelt darstellt.

Bedrohtes Paradies

Paradiesisch schön sind die winzigen Inseln der Malediven im Indischen Ozean, märchenhaft die Unterwasserwelt. Umweltsünden, die die Einheimischen nicht zu verantworten haben, könnten dazu führen, dass sie aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil das Meer ihre kleine Welt zu schlucken droht.



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P O S T E R :   B L A U S T R E I F E N S C H N A P P E R 



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