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Archiv 3/10
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Schafbaby gerettet

W I E   T I E R F R E U N D E   E I N   K A M E R U N S C H Ä F C H E N   R E T T E T E N 



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D E R   M E T Z G E R   B R A C H T E   E S   N I C H T   Ü B E R S   H E R Z , 

Julian die Kehle durchzuschneiden

Von Birke Runné

Julian wurde im Spessart in einer kleinen Herde von Kamerunschafen geboren, die auf einer Weide am Dorfrand lebte. Leider starb seine Mutter gleich nach der Geburt, und der Eigentümer der Schafherde gab ihn, weil er ihn nicht mit der Flasche aufziehen wollte, an den Metzger im Dorf weiter. Dieser sollte ihn einfach schlachten! Doch der Metzger brachte es nicht übers Herz, dieses süße kleine Wesen zu töten - vielleicht, weil er seit einigen Jahren Kontakt zu Vegetariern hat, auch nur noch gelegentlich schlachtet und inzwischen hauptberuflich eine andere Tätigkeit ausübt?

So kam Julian zum Freund des Dorfmetzgers, zum Dorfjäger: »Der kennt sich ja aus mit Tieren!« Der Dorfjäger hat zum Glück zwei Töchter, die sehr tierlieb sind. Diese kümmerten sich sofort um das Schafbaby und nahmen es als Pflegekind auf. Die Mädchen gaben ihm alle zwei bis drei Stunden das Fläschchen und betreuten Julian in den nächsten Tagen liebevoll. Doch der Vater hatte schon das Messer gewetzt - denn was soll man mit einem Tier anfangen, das keinen Nutzen bringt?

Was aber ganz erstaunlich war: Die beiden Jagdhunde des Dorfjägers taten Julian nichts, wenn er auf seinen langen, staksigen Beinen im Hof herumspazierte - im Gegenteil: Sie betreuten das kleine Kamerunschaf mit! Sie leckten es ab, sie schmusten mit ihm und passten auf es auf, wenn die Mädchen nicht da waren und Julian kläglich nach Zuwendung schrie!

Dies hörte auch die Nachbarschaft, und so wurden wir auf den neuen Bewohner in unserer Straße aufmerksam. Als wir sahen, wie die Jagdhunde mit Julian fürsorglich umgingen, meinte eine Nachbarin ganz gerührt, dass wohl nur der Mensch den Tieren das aggressive Verhalten antrainiert: »Von sich aus sind die Tiere anders.« Wie wahr!

So beschlossen wir, für Julian einen Platz zu finden, wo er seines Lebens ganz sicher ist und unter seinesgleichen leben kann. Zum Glück gibt es in unserer Nähe den Gnadenhof »Heimat für Tiere«. Und da dort eine kleine Herde Kamerunschafe lebt, durften wir ihn am siebten Tag seines ereignisreichen Lebens auf den Gnadenhof bringen.

Der Dorfjäger schenkte uns das Schäfchen bereitwillig, denn auch er hatte den kleinen süßen Kerl liebgewonnen und war froh, ihn nicht umbringen zu müssen.

Julian war bei »Heimat für Tiere« wie ausgewechselt: Er war munter und sprang umher, genau von dem Moment an, als das Messer - sinnbildlich gesprochen - von seinem Hals weg war!

In seiner neuen Herde erobert er sich jetzt seinen Platz, versucht immer wieder, beim Bock zu trinken, und hat auch schon nachts mit Hilfe der Betreuer bei einem Mutterschaf getrunken - bis er nicht mehr konnte. So schön muss das gewesen sein! Mit seinem Ziehbruder versteht er sich schon prima, sie liegen aneinandergekuschelt auf der Weide. Wir wünschen Julian alles Gute für seine Zukunft und danken nochmals allen, die an seiner Lebensrettung beteiligt waren!

Infos: Heimat für Tiere - Der Gnadenhof
Johannishof 1 · 97834 Birkenfeld
Tel.: 09398/9989-55
e-mail: info@heimat-fuer-tiere.de
www.heimat-fuer-tiere.de



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Bei »Heimat für Tiere« fand der kleine Julian nicht nur ein Zuhause, sondern auch eine neue Familie - und er darf ohne Angst vor dem Schlächter groß werden



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J A C O B S   R E T T U N G 

Oder: Wie in Deutschland mit Tieren umgegangen wird

Wir leben in einer Zeit, in welcher der Wert eines Tieres nach dem Gewicht des verkaufbaren Fleisches berechnet wird. Ein Tier ist so viel wert, wie es finanziellen Nutzen für den Menschen bringt. Erkrankt es, so ist dies meist sein Todesurteil - oder es beginnt eine Zeit des Leidens, denn die Kosten für den Tierarzt würden den kargen Gewinn noch restlich aufbrauchen.



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Dieses Schicksal musste Jacob, ein junger Schafbock durchleiden. Vermutlich verursacht durch einen Harnstein, konnte er nicht mehr richtig urinieren. Ein Tierarzt wurde nicht hinzugezogen, das hätte ja Kosten verursacht. Der Druck auf der Blase wurde immer größer, bis der Harnleiter platzte. Und so lief der Urin aus mehreren Stellen heraus...

Viele Stellen waren wund und volle Eiter und bereiteten dem jungen Schafbock große Schmerzen. Erst als er für die Nachzucht nicht mehr genutzt werden konnte, überlegte sich der Schafzüchter, was er mit dem Tier machen sollte. Einige Wochen lang konnte er sich nicht entscheiden. Und so wurde der Schafbock im Sommer gar nicht erst geschoren, denn wenn er dann zum Schlachter gekommen wäre, hätte man die Arbeit ja umsonst gemacht. Für Jacob bedeutete dies, dass er zusätzlich zu dem geplatzen Harnleiter und den schmerzenden Wunden noch unter der unsäglichen Hitze - es war mehrere Wochen um die 30 Grad heiß - leiden musste.



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Weil sich der Schafzüchter mit dem Gedanken trug, Jacob schlachten zu lassen, wurde er den ganzen heißen Sommer über noch nicht einmal geschoren... Das Tier musste also mit der angezüchteten, unnatürlich dicken Wolle auf der Wiese regelrecht schmoren.



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Erst als die Wolle herunter war, entdeckten die Tierpfleger voller Entsetzen Jacobs furchtbare Verletzungen: Der Harnleiter war geplatzt, der Urin lief zwischen den Hoden heraus, alles war entzündet und vereitert...



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»Entweder ihr nehmt ihn - oder er kommt zum Schlachter!«

Da Jacob jedoch ein besonders schöner und anhänglicher Schafbock ist, stellte der Besitzer schließlich die Tierschützer von der Gabriele Stiftung vor die Wahl: »Entweder ihr nehmt ihn, oder er kommt zum Schlachter!«

Die Tierfreunde und Mitarbeiter der Gabriele Stiftung sehen Tiere nicht als Sache - für sie sind es Mitgeschöpfe, die den gleichen Atem tragen wie sie selbst. »Jedes Tier ist ein Lebewesen, das Freud und Leid fühlt, das geliebt und geachtet werden will!«, erklären die Tierpfleger. »Deshalb sind wir natürlich auch Vegetarier!«

Tiere als Mitgeschöpfe

Tiere werden bei der Gabriele-Stiftung nicht nur nicht getötet - die hier tätigen Menschen versuchen, wieder in Einheit mit den Tieren und der Natur zu leben. Tiere, die vor dem sicheren Tod oder aus tierquälerischen Verhältnissen gerettet wurden, erhalten große Wiesen, schöne Unterstände, die sie vor Regen, Sonne und Frost schützen, und abwechslungsreiche, gesunde Nahrung. Ist ein Tier krank, bekommt es besonders viel Betreuung und Zuwendung - manchmal bleiben die Tierpfleger die ganze Nacht, um die Tieren zu pflegen und ihnen beizustehen.

Jacob kommt auf das friedvolle Land

Und so war es für die Tierpfleger der Gabriele Stiftung klar: »Wir retten Jacob und holen ihn auf das friedvolle Land!« Von dem Züchter erfuhren sie lediglich: »Jacob hatte vor längerer Zeit eine Blasenentzündung - aber die ist längst verheilt.«

Als sie Jacob aus dem Transporter ausluden, war es Abend und bereits dunkel. Er wurde in einem geräumigen Stall untergebracht und versorgt. Gleich am nächsten Morgen machten sich die Tierpfleger daran, den Schafbock endlich zu scheren - es war schließlich Hochsommer! Da erst entdeckten sie die furchtbaren Verletzungen: Die Hoden waren völlig entzündet, der Urin lief an mehreren Stellen zwischen den Hoden heraus, ein Hoden war komplett verkümmert!

Jacob muss in der Tierklinik operiert werden

Sofort wurde in der Tierklinik angerufen und noch für den gleichen Tag ein Operationstermin ausgemacht. Als die Tierpfleger am Nachmittag mit Jacob in der Tierklinik ankamen, mussten sie wegen vieler Notfälle stundenlang warten. »Es war ganz erstaunlich: Jacob war dabei total tapfer und zutraulich - er hat gemerkt, dass wir ihm helfen wollen«, erzählen die Tierpfleger, die Jacob begleiteten. Noch in der gleichen Nacht wurde der Schafbock operiert.

Zurück auf dem friedvollen Land, bekam Jacob einen eigenen Bereich abgetrennt. Doch schon nach einem Tag sprang er über den Zaun und lief zu seiner neuen Schafherde. »Er hat sich auffallend schnell in die Herde integriert«, erzählen die Tierpfleger. »Jacob ist ein sehr lieber Schafbock. Wir haben ihm anfangs regelmäßig Medikamente gegeben, und er war sehr tapfer.« Für die Tierpfleger ist es unvorstellbar, wie Jacob monatelang mit solchen furchtbaren Schmerzen leben musste und nicht behandelt wurde. Dabei kam er nicht einmal aus der Massentierhaltung, sondern »vom Dorf«.
Deutschland scheint - was Tierschutz angeht - ein Entwicklungsland zu sein...



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Jacob hatte Glück - er wurde von Tierfreunden nicht nur vor dem Schlachter gerettet, sondern sie brachten ihn auch in die Tierklinik.



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Schon einen Tag nach der Operation sprang Jacob über den Zaun zu seiner neuen Herde, in die er sich erstaunlich schnell integriert hat. Für die Tierpfleger ist es unvorstellbar, wie Jacob monatelang mit solchen furchtbaren Schmerzen leben musste...



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Infos: Gabriele-Stiftung
Das Saamlinische Werk der Nächstenliebe an Natur und Tieren
Max-Braun-Str. 2 · 97828 Marktheidenfeld
Tel. +49 (0)9391/504 427
email: info@gabriele-stiftung.de
www.gabriele-stiftung.de



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»Wer mit dem Messer die Kehle eines Rindes durchtrennt und beim Brüllen der Angst taub bleibt, wer kaltblütig das schreiende Böcklein abzuschlachten vermag und den Vogel verspeist, dem er selber das Futter gereicht hat - wie weit ist ein solcher noch vom Verbrechen entfernt?« Pythagoras (582-496 v. Chr), griech. Mathematiker und Philosoph



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