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Portrait: Sonnenhof für Tiere

2 0   J A H R E   D A V I D   G E G E N   G O L I A T H 



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F Ü R   D I E   W Ü R D E   V O N   T I E R E N ,   P F L A N Z E N   U N D   M E N S C H E N 

»Ich habe nie verstehen können, warum sich Menschen entweder nur um Menschen oder um Tiere oder um Bäume in Not geschert haben. Nach unserem Verständnis bedeutet der Auftrag “die Schöpfung zu bewahren”, allen Geschöpfen Gottes, also Menschen, Tieren und Pflanzen, die gleiche Aufmerksamkeit und Achtsamkeit zu schenken. Denn wir alle, allerdings in unterschiedlichen Formen, sind Ausdruck der gleichen Schöpfungsenergie«, so begründet Bernhard Fricke, der Gründer von »David gegen Goliath«, einen Leitgedanken der Arbeit der Umwelt-, Menschen- und Tierrechtsorganisation David gegen Goliath (DaGG).



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Die Geschichte des Sonnenhofes begann im Frühjahr 1996.
Zwei Tierfreundinnen entdeckten am Stadtrand von München ein ausgesetztes Schaf, das sie nach vergeblicher Herdensuche schnurstracks zu Bernhard Fricke in dessen Wohnung, damals noch im Herzen von München, brachten. Das Schaf erhielt den Namen »Seraphin«, und schon in der ersten Nacht wurde die bis heute andauernde Freundschaft besiegelt. Ihren ersten größeren öffentlichen Auftritt hatte Seraphin bei der DaGG-Osteraktion »Osterlämmer gehören auf die Weide und nicht in den Kochtopf«.
Bald entwickelte sich Seraphin im Münchner Stadtgeschehen zu einer bekannten Größe: Noch vor den konventionell-skeptischen Augen der Nachbarschaft verborgen, in immer größere Windeln gehüllt, schrieb sie Stadtgeschichte: Bei einer U-Bahn-Kontrolle stellte sich die mehr als philosophische Frage: »Ist Seraphin ein Hund (dann müsste sie Fahrgeld entrichten) oder aber eine Katze (dann könnte sie umsonst fahren)?« Dieser Streit führte schon bald zu einer offiziellen und erfolgreichen DaGG-Initiative. Ein formeller Antrag an die Landeshauptstadt München, den Bernhard Fricke in seiner Eigenschaft als langjähriger Münchner Stadtrat einbrachte, führte zur Freude aller Tierfreunde zu dem Ergebnis, dass seither alle Tiere umsonst beim MVV mitfahren dürfen.
Weitere Stadtratsinitiativen von »David gegen Goliath« forderten zum Beispiel biologische Haltungsformen von Tieren auf städtischen Gütern, das Verbot des Anbaus von genmanipulierten Pflanzen, den obligatorischen Besuch von Schlachthöfen für Münchner Schulklassen, um deren Bewusstsein für die Leiden der Tiere zu schärfen. Bei einer anderen Initiative wurde die Stadtverwaltung aufgefordert, in den städtischen Kantinen nur noch Bio-Nahrungsmittel und mindestens ein vegetarisches Gericht anzubieten.
Mit der Erstellung des ersten gentechnikfreien Einkaufsführers für den Großraum München übernahm »David gegen Goliath« auch in diesem überlebenswichtigen Bereich eine Vorreiterrolle.


Münchner Marienplatz: Wer ist bereit, für sein Steak selbst zu töten?

Großes Aufsehen erregte die DaGG-Aktion »Du darfst ein Tier nur essen, wenn du bereit bist, es zu töten« auf dem Münchner Marienplatz. Keiner der schockierten, zu 90% gewohnheitsmäßig fleischessenden Besucher wollte sich trotz intensiver Aufforderung mit
einem rasiermesserscharfen Schlachtermesser an dem imposant-schönen Zwei-Zentner-Schafsbock Hugo vergreifen, um sich aus seinem Fleisch ein Steak oder Kotelett herauszuschneiden. Unter dem Eindruck dieser Aktion trugen sich viele Interessenten in die Unterschriftenlisten ein, in denen ein genereller Fleischverzicht bzw. mindestens der Genuss nur von Biofleisch von Tieren aus weitgehend artgerechter Haltung gefordert wurde.

Die größte Aufmerksamkeit fand aber zu Beginn des dritten Jahrtausends eine 36-stündige Baumbesetzung zur Rettung von 40 ausgewachsenen Bäumen im Herzen von München, die für den Bau des neuen Vergnügungstempels, der Schrannenhalle, geopfert werden sollten: Leider konnte auch ein Hunger- und Durststreik die Abholzung nicht verhindern, der DaGG-Chef Bernhard Fricke konnte aber wenigstens pro gefälltem Baum drei Ersatzpflanzungen durchsetzen, bevor er den zum Freund gewordenen Baum, der als Fricke-Linde in die Stadtgeschichte einging, wieder verließ. Übrigens wurde dieser Baum mit großem Aufwand ausgegraben und in eine städtische Baumschule umgesetzt, wo er noch heute steht und sich seines Lebens freut. Die Baum-Rettungsaktion stand unter dem Motto: »Erst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch«.

Zwei Jahre später bildete der Einsatz für Bäume und Tiere ein Schwerpunktthema des Wahlkampfes zur Münchner Stadtratwahl: Mehr als 30 Nutztiere und eine größere Zahl von Hunden, Katzen und Pferden demonstrierten eindrucksvoll für die Forderung nach einem achtungsvollen Zusammenleben von Menschen und Tieren. Die Wahlplakate mit dem Slogan »Tiere würden Fricke wählen« bzw. »Bäume würden Fricke wählen« stellten ein Novum in der deutschen Wahlkampfgeschichte dar. Wenn Tiere und Bäume eine Stimme gehabt hätten, hätte »David gegen Goliath« sicher einen großen Wahlkampftriumph gefeiert.



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Wahlkampf-Plakat für die Münchner Stadtratwahl:
Bernhard Fricke, Gründer von »David gegen Goliath« mit
dem Schaf Seraphin. Dieses Schaf schrieb in München
Stadtgeschichte, zum Beispiel mit der Aktion »Osterlämmer gehören auf die Weide und nicht in den Kochtopf«.



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Protest gegen MKS-Impfverbot

Im nächsten Jahr stand das Schaf Seraphin wieder im Licht der Öffentlichkeit. Bei einem über England und Holland langsam nach Deutschland vordringenden Maul- und Klauenseuchenzug (MKS) impfte Fricke sein geliebtes Schaf trotz eines klaren EU-Verbotes. Der Mega-Goliath EU hatte vor zehn Jahren den einzig wirksamen MKS-Schutz, die vorbeugende Impfung, verboten. Die zweimal jährlich durchzuführende Schutzimpfung koste angeblich zu viel Geld und würde die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Landwirtschaft mindern. Die fatale Konsequenz: Im Falle des Ausbruchs der MKS bleibt als einzige Alternative der staatlich organisierte Massenmord in Form der Keulung aller betroffenen Tiere. Bei diesem ungeheuerlichen Schöpfungsverbrechen wurden unter den zunächst entsetzten, schon bald aber wieder in Gleichgültigkeit verfallenden Augen der Öffentlichkeit über vier Millionen Rinder, Schafe, Schweine und Ziegen umgebracht.

Mit der öffentlich gemachten Schutzimpfung, mit der Fricke ein deutliches Zeichen für deren Wiedereinführung setzen wollte, brachte er Seraphin in akute Todesgefahr. Zuerst musste er sie in vier durchwachten und durchlittenen Nächten vor Übergriffen der durch aufgebauschte Medienberichte aufgehetzten ländlichen Nachbarschaft schützen. Dann wurde sie mit ihren Schafgeschwistern Schneeweiß und Rosenrot, auch zu ihrem eigenen Schutz, zur Kontrolle in staatlich verfügte Quarantäne verbracht. Doch es gab Glück im Unglück: Durch eine Verwechslung des verbotenen importierten und deshalb nicht gekennzeichneten Impfstoffes mit einer wasserstoffhaltigen Desinfektionsflüssigkeit blieb die zu erwartende Antikörperreaktion aus, die vermutlich ein Todesurteil für Seraphin seitens der EU-Bürokratie bedeutet hätte. Fricke konnte Seraphin voller Freude wieder in die Arme schließen. Allerdings gab er ihr das definitive Versprechen, nie wieder, und sei es für den besten Zweck der Welt, aus Unbedachtheit ihr Leben aufs Spiel zu setzen.


Umzug in die Sonnen-Arche

Diese dramatische Lebenskrise bewirkte allerdings eine tiefgreifende Wende zum Besseren: Beide aus der alten Wohnung bzw. Weide vertrieben, mussten kurzfristig eine neue Heimat finden. Ein kleines Inserat »SOS - Menschen- und Tierfreund sucht für sich und seine Schafe einen neuen Lebensplatz« führte sie zur »Sonnen-Arche«, einem drei Hektar großen Anwesen mit großem Haus, Wiesen und Stallungen am Rande des Chiemgaus.

Seraphin mit Schneeweiß und Rosenrot waren die ersten vierbeinigen Bewohner. Maxim, ein vor dem italienischen Schlachter geretteter Haflinger, Daisy, eine aus einem ungarischen Eselstransport freigekaufte temperamentvolle schwarze Eseldame, sowie Cheruba, eine belgische Rauhaar-Schäferhündin, zogen als nächste ein.

Heute leben in der Sonnen-Arche mehr als 120 Tiere: Schafe, Ziegen, Puten, Hühner, Enten, Katzen, Tauben und Fische, in weitgehend artgerechter Umgebung. Sie werden nicht verkauft, müssen keinerlei Leistungsnachweis für ihr Dasein erbringen: Ihr einziger Zweck ist es, so zu leben, wie es ihrer Art entspricht, und so viel Freude wie möglich am Leben zu haben. In diesem Zusammenhang legt Fricke Wert darauf, dass es sich bei der Sonnen-Arche nicht um einen »Gnadenhof«, sondern um einen »Freudenhof« handelt: denn es ist eine Freude und keine Gnade, uns um das Wohlergehen von Tieren und Pflanzen zu kümmern.

Neben diesen Aktivitäten hat »David gegen Goliath« an diesem Ort bereits bestehende Verpflichtungen gegenüber Tieren der Region weitergeführt: Die Teiche der Sonnen-Arche sind ein wesentlicher Ablaichplatz und damit Lebensquell für Frösche und Kröten: Wenn Mitte März die Frühlingssonne neue Kraft gewinnt, machen sich Hunderte von Kröten und Fröschen auf den Weg, um auf dem Gelände der Sonnen-Arche den Fortpflanzungszyklus zu vollenden.

Durch die gezielte Anpflanzung von Bienen-, Weide- und Schmetterlingspflanzen hat die Artenvielfalt von Bienen, Hummeln, Schmetterlingen und anderen Insekten deutlich zugenommen. Der Einsatz von effektiven Mikroorganismen und Schafs- bzw. Pferdemist haben dem Bodenleben einen deutlichen Schub gegeben: Es wächst und blüht und gedeiht von Jahr zu Jahr besser und vielfältiger.

Tiere und Pflanzen erfreuen aber nicht nur, sondern sie erfordern vor allen Dingen bei der Versorgung und Pflege ein hohes Maß an Aufmerksamkeit: Ein kleiner, aber effektiver Kreis von ehrenamtlichen Helfern übernimmt die anfallenden Arbeiten. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden und die Übernahme von Tierpatenschaften. In letzter Zeit verbringen immer mehr tier- und naturliebhabende Familien und Einzelpersonen in der Sonnen-Arche einige zur Besinnung anregende Aktiv-Urlaubstage oder absolvieren ein Praktikum. Ab nächstem Jahr sind schwerpunktmäßig vielfältige Aktivitäten für Kinder und Jugendliche geplant: In Workshops soll ihnen die Möglichkeit zu einem Leben mit und einem Erleben von Mensch, Tier und Natur gegeben werden.

Fricke fasst die Vision von »David gegen Goliath« zusammen: »Auf der Erde gibt es kein größeres Raubtier als den Menschen. Er ist zudem das einzige Wesen, das aus Lust und Gier und nicht aus der Notwendigkeit zum Überleben tötet. Diese unseren Mitgeschöpfen Tod und Verderben bringende Haltung gilt es endlich zu überwinden. Möge die alte Jesaja-Vision von einem umfassenden friedlichen Zusammenleben von Tieren, Menschen und der Natur Wirklichkeit werden. Noch haben wir die Zeit - nutzen wir sie!«



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Durch ein kleines Inserat »SOS - Menschen- und Tierfreund sucht für sich und seine Schafe einen neuen Lebensplatz« wurde die »Sonnen-Arche« gefunden, ein drei Hektar großes Anwesen mit Wiesen und Stallungen.
1996 zog der langjährige Münchner Stadtrat und Rechtsanwalt Fricke mit Seraphin und einigen weiteren geretteten Schafen
auf die malerische Sonnen-Arche am Rande des Chiemgaus (Bild unten). Heute leben in der Sonnen-Arche mehr als
120 Tiere: Schafe, Ziegen, Puten, Hühner, Enten, Katzen, Tauben und Fische.



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Haflinger Maxim wurde vor einem italienischen Schlachter gerettet. Die Tiere dürfen hier leben, wie es ihrer Art entspricht, und so viel Freude wie möglich am Leben haben.



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Gentechnik-freies Erntedankfest auf dem Münchner Marienplatz



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Informationen:
David gegen Goliath e. V.
Neuhauser Straße 3
D-80331 München
Tel.: 089-23662050
e-mail:
dacg-dagg@t-online.de
www.davidgegengoliath.de



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