Freizeitvergnügen mit tödlicher Schusswaffe: Wie lange noch?
Im Februar 2026 hat ein 52-jähriger Hobbyjäger im Landkreis Bamberg seine 49-jährige Frau, seinen 14-jährigen Sohn, die 6-jährige Tochter und sich selbst erschossen.
Im Januar 2026 traf der Schuss eines Jägers einen 23-Jährigen in Nordrhein-Westfalen tödlich. In Niedersachsen verwechselte ein 77-jähriger Hobbyjäger eine Gruppe Spaziergänger mit Wildtieren - eine 58-jährige Frau wurde schwer verletzt. In der Steiermark wurde ein 42-jähriger Hobbyjäger aus Versehen tödlich in den Kopf getroffen - beim Verladen eines erschossenen Wildschweins ins Auto löste sich ein Schuss.
Im Dezember 2025 tötete ein Hobbyjäger in der Oberpfalz seinen Nachbarn zwei Stockwerke über sich mit einem gezielten Kopfschuss. Ein anderer Hobbyjäger schoss vom Hochsitz aus Versehen auf einen 20-Jährigen und verletzte ihn so schwer, dass er im Krankenhaus notoperiert werden musste.
Im November 2025 erschoss ein Hobbyjäger in Reutlingen vier Familienangehörige und sich selbst - mit einer Schusswaffe, die er als Jagdscheininhaber legal besaß. Spaziergänger wurden von Jagdmunition getroffen, das Projektil eines Jägers durchschlug die Jalousie der Küchentür eines Hauses und ein Jagdscheininhaber aus Crailsheim kündigte an, die »größtmögliche Anzahl an Ausländern« umbringen zu wollen.
Ähnliche Schreckensmeldungen kommen aus unseren Nachbarländern:
In Italien waren vier Hobbyjäger im Februar 2026 auf Wildschweinjagd, die mit einem Jagdunfall begann und mit drei erschossenen Jägern endete. Bei einer Treibjagd im belgischen Harchies wurde Anfang Dezember ein Hobbyjäger tödlich getroffen. Bei einer Jagd im Westen Tschechiens im November hat ein Jäger einen Jagdkollegen mit einem Schuss direkt in den Kopf getötet. In Nordspanien starb im November ein Hobbyjäger, als sein Begleiter beim Hantieren mit dem Gewehr einen Schuss löste. Im Oktober wurde in Österreich ein 16-Jähriger bei einer Treibjagd getroffen. Bei einer Wildschweinjagd in Norditalien wurde im September ein Mann von einem Jagdkollegen erschossen. Im August erschoss ein Hobbyjäger in Polen seinen Nachbarn - er hatte ihn mit einem Wildschwein verwechselt. Kurz zuvor hatte ein Jäger in Tschechien an der Grenze zu Bayern einem Nicht-Jäger in die Brust geschossen.
Die tödliche Normalität der Hobbyjagd
»Einzelfälle« summieren sich quer durch Europa zu einer tödlichen Normalität, die erstaunlich bereitwillig hingenommen wird:
· Hobbyjäger laufen mit tödlichen Schusswaffen durch öffentliche Landschaften und Naherholungsgebiete und bedrohen Spaziergänger, Radfahrer und spielende Kinder.
· Menschen - nicht nur Jäger, sondern auch Erholungssuchende oder Anwohner - sterben oder werden schwer verletzt.
· Haustiere wie Hunde auf der Gassirunde und Pferde auf der Weide werden »versehentlich« getroffen. Angeblich »wildernde« Hunde und Katzen, die sich zu weit von ihren Besitzern entfernen, erschießen Jäger mit voller Absicht.
· Häuser und Autos auf der Landstraße werden von Projektilen aus Jagdgewehren getroffen.
Die simple Frage »Wie viele Menschen sind in der aktuellen Jagdsaison in Europa bereits gestorben?« hat eine unbequeme Antwort: Niemand weiß es genau.
Es gibt:
· keine EU-weite Meldepflicht,
· keine gemeinsame Datenbank,
· keine offizielle Erfassung von Jagdunfällen in den einzelnen Ländern Europas (mit Ausnahme von Frankreich und Italien) und nirgends eine offizielle Erfassung von Straftaten mit Jägerwaffen, wenn zum Beispiel ein Hobbyjäger seine Ehefrau oder den Nachbarn erschießt,
· sehr unterschiedliche Definitionen von »Jagdunfall«,
· viele Vorfälle, die lediglich in lokalen Medien (oder gar nicht) auftauchen und daher nicht an die Öffentlichkeit gelangen. So gibt es in Deutschland immer wieder Meldungen, dass Familienangehörige mit Waffen erschossen wurden, die der Täter legal besessen hat - aber es wird nicht bekannt, ob der Schütze die Waffen als Sportschütze oder als Jäger besaß.
Beispiel: Jagdunfälle in Frankreich und Italien
Frankreich ist eines der wenigen Länder, in denen eine staatliche Behörde die Jagdunfälle systematisch erfasst.
Für die Jagdsaison 2024/2025 wurden offiziell gemeldet:
· 100 Unfälle mit Schusswaffen
· 11 Tote
· 16 verletzte Nichtjäger, drei davon schwer verletzt
· 135 Jagdunfälle ohne Personenschaden - darunter 58 beschossene Häuser, 27 Fahrzeuge und 50 Haustiere.
In Italien wertet die Universität Urbino Medienberichte über Jagdunfälle aus. Dies sind keine offiziellen Zahlen und so gibt es an der Vollständigkeit erhebliche Zweifel. Für die Jagdsaison 2024/2025 kommt die Auswertung auf:
· 62 Jagdunfälle
· 14 Todesopfer
Deutschland: Es gibt keine offiziellen Zahlen über Tote und Verletzte durch Jagdwaffen
In Deutschland führen weder der Jagdverband noch staatliche Behörden oder das statistische Bundesamt Statistiken über Tote und Verletzte durch Jagd und Jägerwaffen. Jäger zählen die »Strecke« der getöteten Tiere, nicht aber die menschlichen Opfer ihres blutigen Hobbys.
Tödliche Beziehungsdramen mit Jagdwaffen, in denen ein Jäger die Ehefrau, Verwandte oder Nachbarn erschießt, gelten nicht als Jagdunfall, sondern als Straftat und tauchen daher sowieso in keiner Auflistung über Jagdunfälle auf.
Die einzige Organisation, die seit 2002 Jahr für Jahr eine Statistik über Jagdunfälle und Straftaten mit Jägerwaffen führt, ist die Initiative zur Abschaffung der Jagd - wobei die Liste lediglich aufgrund vorliegender Presseberichte erstellt wurde und somit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie ist vermutlich nur die Spitze des Eisbergs.
Opfer von Jagdunfällen werden sowohl Jägerkollegen und Treiber, es trifft aber auch immer wieder völlig unbeteiligte Personen wie Spaziergänger, Radfahrer, Hundehalter beim Gassigehen, Anwohner in ihrem eigenen Garten und Menschen in ihren Häusern, Kinder beim Spielen, Landwirte auf der Erntemaschine und sogar Autofahrer auf der Landstraße.
Jeder Mensch hat eine angeborene Tötungshemmung: gegenüber Tieren und natürlich gegenüber Menschen. Durch das regelmäßige Töten von Tieren bei der Jagd verlieren Jäger die natürliche Tötungshemmung.
Kommt es in einem Jäger-Haushalt zum Beziehungsstreit, ist die Schusswaffe griffbereit - und der Jäger hat das Töten lange Jahre geübt. Bild: Initiative zur Abschaffung der Jagd
Jagdverbände spielen Opferzahlen herunter
Ein klassischer »Jagdunfall« ist ein Unfall bei einer legalen Jagd mit legalen Waffen, bei dem »aus Versehen« ein Mensch mit einem Wildtier verwechselt wurde, die Kugel einen anderen Verlauf nahm als geplant oder das Gewehr »aus Versehen« losging, weil zum Beispiel sich die Leine des Jagdhundes um den Abzug wickelte oder die Waffe beim Verstauen im Auto losging. Im Fall von klassischen Jagdunfällen sind Jäger
versichert, daher gibt es hier Zahlen: 2021 gab es laut
Jagdverband 364 meldepflichtige Jagdunfälle - wobei leichtere Jagdunfälle gar nicht bei der Versicherung gemeldet werden.
Jagdverbände bemühen zur Verschleierung der tatsächlichen Opfer gerne eine gezielte Sprachverwirrung. So wird behauptet, es gebe kaum Tote durch legale Waffen - die illegalen Waffen seien das Problem. Nun ist es aber so: Wenn ein Jäger im Streit den Nebenbuhler, den Nachbarn oder einen Kneipengast erschießt, ist dies eine illegale Verwendung der (an sich legalen) Waffe. Diese Tat ist dann also eine Straftat mit einer illegalen Waffe - und wird somit von Jagdverbänden selbstverständlich unter den Teppich gekehrt.
Auch sogenannte Familientragödien in Jägerhaushalten, bei denen der Jäger seine Ehefrau oder erst seine Frau und dann sich selbst erschießt, weil die Frau sich trennen will oder wegen Schulden oder Krankheit, oder bei denen die Jägerin ihren Ehemann (auch Jäger) erschießt oder der Sohn zum
Gewehr des jagenden Vaters greift, tauchen in den Pressemitteilungen der Jagdverbände natürlich nicht auf. Obwohl es ohne die Jagdwaffe im Haus mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch keine Toten gegeben hätte.
Schusswaffen gehören nicht in die Hände von Freizeitjägern, die diese völlig unkontrolliert benutzen können. Es wird Zeit, dass die Hobbyjagd in Deutschland verboten wird!
Informationen:
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Initiative zur Abschaffung der Jagd |
