Nationalpark Schweiz: 100 Jahre Natur ohne Jagd

König der Lüfte: der Steinadler

König der Lüfte: der Steinadler

Manfred Karisch - Fotolia.com

Von Julia Brunke

Der Schweizerische Nationalpark feiert 2014 sein hundertjähriges Bestehen. Mit seiner Gründung am 1. August 1914 schufen die Pioniere eine einzigartige Wildnisoase. Hier sollte sich die Natur ohne das Dazutun des Menschen frei entwickeln können - und so war von Anfang an die Jagd verboten. Im ältesten Nationalpark Mitteleuropas wird dieses bemerkenswerte Naturexperiment seit hundert Jahren wissenschaftlich begleitet und dokumentiert.

Der Schweizerische Nationalpark wurde 1914 als erster Nationalpark in den Alpen gegründet. Gemäß den Bestimmungen der Weltnaturschutzunion (IUCN) gehört der Schweizerische Nationalpark zur Kategorie 1a von Schutzgebieten und gilt somit als Strenges Naturreservat/Wildnisgebiet . Seine Fläche von 170 Quadratkilometer entspricht der Größe des Fürstentums Liechtenstein. Die Gründer des Schweizerischen Nationalparks (SNP) verfolgten vor 100 Jahren bemerkenswerte Ziele, die heute als visionär gelten können: Sie wollten die natürlichen Prozesse ohne Eingriffe des Menschen wirken lassen. Und so gilt der Nationalpark als Oase der Ursprünglichkeit und der wiederkehrenden Wildnis.

Darüber hinaus ist der Schweizerische Nationalpark von Anfang an ein Freiluftlaboratorium für Wissenschaftler und ermöglichte ein Jahrhundert Umweltbeobachtung. Die Anzahl fachlicher Publikationen und Studien ist gerade in den letzten 20 Jahren enorm gestiegen, was das wissenschaftliche Interesse und auch das Interesse der Öffentlichkeit deutlich macht.

Wildtiere sind Sinnbilder intakter Natur. Im Schweizerischen Nationalpark können die Besucher Steinböcke, Gämsen, Hirsche, Rehe, Murmeltiere, Bartgeier und Steinadler beobachten. Dabei mussten Steinböcke und Bartgeier hier erst wiederangesiedelt werden. Die Rothirsche kamen von selbst zurück.

Bild: SerrNovik - Fotolia.com

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Vom Kahlschlag zum Naturreservat

Das Gebiet des Schweizerischen Nationalparks wurde jahrhundertlang intensiv forstwirtschaftlich genutzt - bis hin zur kahlschlagartigen Nutzung. Denn das Holz war von großem wirtschaftlichen Interesse, nicht nur für die Engadiner Gemeinden, sondern zunächst vor allem für den Bergbau und ab dem 18. Jahrhundert im großen Stil für die Versorgung der Saline Hall in Tirol. Ganze Talhänge wurden für die kommerzielle Nutzung kahl geschlagen.

Die Auswirkungen sind im heutigen Waldbild immer noch zu sehen, vor allem in den Bergföhrenwäldern im Ofenpassgebiet. Erst nach 1835 wurden erste Maßnahmen zur Eindämmung der Kahlschlagwirtschaft seitens des Kantons wirksam , schreibt Jon Domenic Parolini. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 50) Danach war das Gebiet für die Weideverpachtung für die Schafhaltung von Bedeutung. Da dies Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr wirtschaftlich war, boten sich günstige Voraussetzungen für die Gründung des Nationalparks: Denn wer einen Nationalpark ins Leben rufen will, braucht ein großes Gebiet, das der wirtschaftlichen Nutzung damit entzogen wird.

Angesichts der Ausmaße der verschiedenen Nutzungen in der Vergangenheit kann der SNP insgesamt nicht als wenig berührte Naturlandschaft gelten. Es handelt sich vielmehr um eine Kulturlandschaft im umfassenden Sinn , so Jon Domenic Parolini (a.a.O.). Deren Spuren werden langfristig immer weniger sichtbar.

Dank 100 Jahre ungestörter Entwicklung ohne Land- und Forstwirtschaft gibt es heute Wälder mit Baumarten in unterschiedlichsten Stadien. Kleine Arven in alten Bergföhrenbeständen sind charakteristisch für viele Wälder des Schweizerischen Nationalparks: unter dem Kronendach von Altbäumen findet also eine Naturverjüngung statt. Und das verbreitete Totholz ist viel lebendiger, als der Begriff ahnen lässt: es steckt nicht nur voller Leben, sondern schafft die Grundlagen für weiteres - und die Besiedelung von jungen Bäumen.

Der Steinbock

Der Steinbock

wurde bereits um 1650 in Graubünden ausgerottet. 1920 wurden im Schweizerischen Nationalpark einige Steinböcke ausgesetzt. Heute leben hier rund 300 der majestätischen Tiere. Foto: Danny boy - Fotolia.com

Biodiversität - Vielfalt des Lebens

Als Biodiversität wird die biologische Vielfalt in allen ihren Erscheinungsformen bezeichnet: die Vielfalt der Ökosysteme, die Artenvielfalt von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen sowie die genetische Vielfalt.

Die Vielfalt des Lebens kann sich in großen, naturbelassenen Gebieten am besten entwickeln. Solche Gebiete sind aber selten geworden und liegen in den Alpen zerstreut und zerschnitten von menschlicher Nutzung und Infrastruktur. Deshalb braucht es den Blick über die Parkgrenze hinaus: Kleine und große Netzwerke, Kooperationen und Verbundsysteme mindern die Folgen dieser Fragmentierung und erhalten die Lebensräume für die Arten auch außerhalb des Nationalparks. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 63)

Da die Artenvielfalt mit zunehmender Höhe abnimmt, erreicht der Schweizerische Nationalpark bei der Anzahl der verschiedenen Arten keine Höchstwerte - doch vermag er durch verschiedenartige Lebensräume, natürliche Beziehungsnetze und das langfristige Gewähren von Sukzessionen punkten . (ebda., S. 70)

Im Nationalpark leben 35 verschiedene Säugetierarten, 73 Vogelarten, 5 Reptilien- und 3 Amphibienarten, 227 Schmetterlinge (davon 108 Tagfalter), 34 Libellen- und 205 Käferarten sowie 99 Landschnecken und Großmuscheln.

Ein Paradies für Tagfalter

Für Tagfalter ist der Schweizerische Nationalpark ein Paradies: 108 verschiedene Arten wurden hier bislang gezählt. Diese Vielfalt ist beachtlich: es ist mehr als die Hälfte aller in der Schweiz vorkommenden Arten und 24 Prozent der in ganz Europa vorkommenden Arten. Besonders gut erforscht ist die Tagfaltervielfalt auf alpinen Rasen. Dabei wurden auf nur einem Hektar Untersuchungsfläche bis zu 51 verschiedene Arten gefunden.

Erfreut Groß und Klein: Das Alpenmurmeltier

Die Alpenmurmeltiere

Die Alpenmurmeltiere

leben auf Alpweiden und subalpinen Rasen. Bei Gefahr verschwinden sie blitzartig im Bau oder in einer der ein bis zwei Meter langen Fluchtröhren. Foto: thier - Fotolia.com

Murmeltiere erfreuen Groß und Klein im Nationalparks. Die possierlichen Tiere lassen sich auch aus der Nähe gut beobachten. Die größte Anzahl Murmeltiere im Nationalpark ist in der Val Trupchun mit ihrem üppigen Grasland zu finden: Im Talgrund des vorderen Talabschnitts leben überwiegend Einfamilienkolonien, in der ehemaligen Alp Trupchun lebt eine Mehrfamilienkolonie. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 140)

Murmeltiere sind sehr soziale Tiere, und so spielen soziale Kontakte in ihrem Leben eine große Rolle. Die Tiere erkennen sich gegenseitig am Geruch ihrer Wangendrüsen. Die Familienverbände bewohnen ein System von selbst gegrabenen, metertiefen und verzweigten Erdbauten. Eine Familie besteht in der Regel aus einem erwachsenen Männchen und einem Weibchen sowie mehreren Jungtieren. Da Murmeltierweibchen nicht jedes Jahr Junge haben, sind in einer Familie nicht alle Jahrgänge vertreten.

Murmeltiere essen nicht einfach Gras, sondern wählen sich Kräuter aus. Am wichtigsten ist der Alpenklee. Um sich auf den Winter vorzubereiten, futtern sie sich im Sommer Fettreserven an und sammeln Gras, das sie in ihren Bau tragen. Das Heu dient aber nicht als Nahrungsreserve, sondern als Polstermaterial für den Bau. Ende September ziehen sich die Murmeltiere in den gut ausgepolsterten Winterbau zurück. Die Familienmitglieder schmiegen sich eng aneinander und halten einen echten Winterschlaf, währenddessen alle Körperfunktionen stark reduziert ablaufen. Während des Winterschlafs nehmen Murmeltiere weder Nahrung noch Flüssigkeit auf.

Ideale Lebensbedingungen für den König der Lüfte -

Der Steinadler

Der Steinadler

ist der Ausrottung knapp entgangen. Im Nationalpark findet er ideale Lebensbedingungen. Foto: Dana Krimmling - Fotolia.com

Der Steinadler ist der Ausrottung knapp entgangen. Ihre Zahl ist durch die besseren Umweltbedingungen und vor allem durch das Jagdverbot im Schweizerischen Nationalpark deutlich gewachsen. Der König der Lüfte profitiert von idealen Lebensbedingungen: Hier gibt es die weiträumigen offenen und halboffenen Landschaften in der alpinen und subalpinen Höhenstufe und viele Möglichkeiten zum Bau von Adlerhorsten in schwer zugänglichem Gelände. Ausgewachsene Adler leben paarweise zusammen und verteidigen 30 bis 90 km 2; große Reviere. Die Alpen sind von Steinadlerrevieren gänzlich belegt. Im Sommer ernährt sich der Steinadler vorwiegend von Murmeltieren. Im Winter bildet Aas von Huftieren einen hohen Anteil an seiner Nahrung.

Seit 100 Jahren sind Adlerhorste im Nationalpark bekannt. Heute ist der Nationalpark Teil von sechs Steinadler-Brutrevieren. Jedes Paar hat meist mehrere Horststandorte innerhalb seines Reviers. Steinadler sind ausgesprochen territorial. Fremde Adler werden mit Vehemenz aus dem Revier vertrieben.

Die Paarung der Steinadler findet im Januar statt, die Eiablage im April. Die Jungen schlüpfen im Mai und fliegen etwa Ende Juli aus. Sie werden bis im Winter von ihren Eltern gefüttert.

Der Steinadler hat heute keine natürlichen Feinde mehr. Trotzdem wachsen die Adlerbestände nicht ungehindert an. Je mehr Adler sich im Luftraum tummeln, um so größer wird die Konkurrenz untereinander. Wenn ein Adlerpaar den Horst dauernd verlassen muss, um sein Revier zu verteidigen, vernachlässigt es seine Brut. Tatsächlich zeigen Forschungsresultate, dass der Bruterfolg der Steinadler mit zunehmender Zahl der Reviere sinkt. An diesem Beispiel ist gut zu belegen, dass die Natur sich selbst reguliert.

Die Rückkehr des Bartgeiers in die Alpen

Der Bartgeier

Der Bartgeier

wurde im 19. Jahrhundert in den Alpen ausgerottet. Er wurde ab 1991 im Nationalpark wieder angesiedelt. Foto: Alphacandy - Fotolia.com

Die letzten Alpenbartgeier waren um 1890 im Engadin durch die Jagd ausgerottet. Um die Bartgeier in den Alpen wieder anzusiedeln, wurden zwischen 1991 und 2007 insgesamt 26 junge Bartgeier im Schweizer Nationalpark freigelassen. Moische und Cic waren die ersten Bartgeier, die sich 1996 im jugendlichen Alter von fünf und drei Jahren verpaarten und erstmals einen Horst bauten. Doch das Bartgeierpaar siedelte zwei Jahre später um - über die Landesgrenze nach Italien in die Valle di Livigno. Dort brüteten sie 1999 erstmals. Bis 2012 haben Moische und Cic im Livignotal elf Jungvögel in vier Horsten zum Ausfliegen gebracht.

2007 brütete erstmal ein Bartgeierpaar, die beiden gerade mal fünfjährigen Zebru und Martell , im Nationalpark erfolgreich: Am 7. April schlüpfte Junggeier Tantermozza und verließ kanpp vier Monate später seinen Horst. Bis 2012 zogen Zebru und Martell drei Jungvögel auf. 2012 brüteten im Engadin zwei neue Paare, eines davon im Nationalpark. Dies ist ein Beleg für die hervorragende Qualität des Lebensraums im schweizerisch-italienischen Grenzgebiet , schreibt David Jenny. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 126)

Tannenhäher: zu Unrecht verfolgter Bäumepflanzer

Im Herbst versteckt jeder Tannenhäher

Im Herbst versteckt jeder Tannenhäher

Tausende von Samen als Wintervorrat. 80 Prozent dieser Verstecke findet er wieder, aus den übrigen Vorräten sprießen junge Arven. Foto: Coloreye - Fotolia.com

Der Tannenhäher ernährt sich hauptsächlich von Arvennüsschen. Arven machen 5 Prozent des Waldbestandes im Nationalpark aus. In der Vergangenheit galt der Tannenhäher als übler Arvenschädling und schlimmer Räuber und wurde gnadenlos verfolgt: Für jeden erlegten Tannenhäher gab es folglich in Graubünden eine Prämie von einem Franken, weil dieser für das Verschwinden der Arve verantwortlich gemacht wurde, obwohl übermäßige forstliche Nutzung die Ursache dafür war , schreiben Anita Risch und Martin Schütz. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 88) Mitte des 20. Jahrhunderts begannen Forscher die Ökologie zwischen Tannenhäher und Arve zu verstehen: Tannenhäher schädigen die Arve in Wirklichkeit gar nicht, sondern sind ganz im Gegenteil notwendig für ihre Verbreitung, weil sie Tausende Arvennüsschen als Wintervorrat vergraben und somit neue Bäume pflanzen. Fehlt der Tannenhäher, dann fehlt der Arve die Möglichkeit zur Verbreitung. Erst seit dem Schutz des Tannenhähers nicht zufällig ist er der Logovogel des SNP - ist die natürliche Verbreitung der Arve folglich wieder sichergestellt. (ebda.)

Ohne Jagd: Zahl der Gämsen bleibt im Gleichgewicht

Den Gämsen

Den Gämsen

gelang es als einziger großer Wildtierart, der Ausrottung zu entgehen. Bei Gefahr flüchten sich die Gämsen blitzschnell in die Felsen - so konnten sie überleben. Foto: Alz - Fotolia.com

Der Schutz der Gämsen war bei der Gründung des Nationalparks ein wichtiges Argument. Während Rothirsche und Steinböcke im 17. Jahrhunderts in diesem Gebiet ausgerottet worden waren,
gelang es der Gämse als einziger großer Wildtierart, der Ausrottung zu widerstehen.

Dass sie im Gegensatz zu den anderen Arten überleben konnte, erklärt sich dadurch, dass sie ganzjährig in unwirtlichen, steilen und hohen Lagen zu existieren vermag , so der Leiter des Nationalparks, Heinrich Haller. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 148) Bei Gefahr flüchten sich die Gämsen blitzschnell in die Felsen, über Schutthalden oder in den Krummholzgürtel.

Der Lebensraum der Gämsen umfasst Fels, Wald und Weiden. Sie bleiben auch im Winter in höheren Lagen. Nahrung finden sie im Bereich von schneefreien Graten oder indem sie mit den Hufen im Schnee scharren. Gute Beobachtungsstandorte sind Murtaröl, Val Cluozza und Margunet.

Weil Gamsbock und Geiß ähnliche Hörner tragen, ist ihre Unterscheidung nicht ganz so einfach, doch die Hörner der Geiß sind dünner und weniger stark gebogen als jene des Bocks. Die Hörner der Gämsen wachsen ein Leben lang und werden nicht abgestoßen.

Im Juni werden die Gämskitze geboren. Schon nach wenigen Stunden folgen sie ihrer Mutter über Stock und Stein. Wenn sie bei Fluchten über unwegsames Gelände den Anschluss an die Herde verlieren, jammern sie weithin hörbar, bis ihre Mutter sie wieder findet.

Gämsen besiedeln heute beinahe alles Teile des Schweizerischen Nationalparks. Ihre Zahl schwankt seit 1920 trotz fehlender Bejagung zwischen 1000 und 1700 Stück. Weshalb die Zahl der Gämsen ohne Bejagung nicht sprunghaft ansteigt, wird wissenschaftlich untersucht.

Ausrottung des Steinbocks im 17. Jahrhundert

Der Steinbock wurde in Graubünden bereits Mitte des 17. Jahrhunderts ausgerottet - die Entwicklung weitreichender Feuerwaffen war ihnen zum Verhängnis geworden. Lediglich im Gran Paradiso-Massiv in Italien überlebte dank königlichem Schutz ein kleiner Bestand.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelang es dem italienischen König Vittorio Emanuele III, ein paar der letzten Steinböcke in die Schweiz zu schmuggeln. Der Tierpark Peter und Paul in St. Gallen startete darauf ein weltweit einzigartiges Zuchtprogramm.

Die Wiederansiedlung des Steinbocks in den Alpen

Die Wiederkehr des Steinbocks in die Alpen war ein lang gehegter Plan - und der neugegründete Schweizerische Nationalpark schien dafür prädestiniert. 1920 wurden vier Steinböcke und drei Geißen aus der St. Galler Zucht angesiedelt. Heute leben im Schweizerischen Nationalpark rund 300 Steinböcke.

Steinböcke können hervorragend klettern - die Präzision und Sicherheit ihres Auftreffens sind verblüffend. Aufgrund ihres massigen Körperbaus sind sie aber keine schnellen Läufer. Ihr Körperbau ist es auch, der die Tiere trotz der Anpassung an das Hochgebirge mit tiefem Schnee schlecht zurechtkommen lässt. Sie bevorzugen steile, nach Süden gerichtete und somit schneearme Einstände. Im Nationalpark sind sie vor allem nördlich der Val Trupchun und der Valle di Livigno zu finden.

Die Streifgebiete männlicher Steinböcke umfassen im jährlichen Durchschnitt 45 km 2;, während weibliche Steinböcke in einem durchschnittlichen Gebiet von 10 km 2; unterwegs sind.

Weibliche Rudel werden von einer erfahrenen Leitgeiß geführt. Bei den Bockrudeln ist die Rangordnung offensichtlich: Die Horngröße ist Ausdruck für die individuelle Stärke. Im August und während der Brunft im Dezember demonstrieren die mächtigsten Böcke in eindrücklichen Kämpfen ihre Dominanz. Abgesehen davon setzt wohl kaum ein anderes Tier setzt seine Energie so sparsam ein wie der Steinbock - eine wirkungsvolle Überlebensstrategie.

Die Hirsche kamen von selbst zurück

Der Schweizerische Nationalpark

Der Schweizerische Nationalpark

ist seit 1914 jagdfrei. Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten hat seither zugenommen. Der Wald wächst: Hirsche tragen zur Vermehrung des Waldes bei, weil sie Baumsamen verbreiten: Auf Wildwechseln im Nationalpark wurden rund 30 Mal mehr Keimlinge gefunden als außerhalb von Wildwechseln. · Foto: Schweizerischer Nationalpark

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden auch die Hirsche im Engadin ausgerottet. 50 Jahre später wanderten die stolzen Geweihträger von Nord- und Mittelbünden von alleine wieder ein.

Im Nationalpark finden Hirsche zwei Vorteile: Schutz vor menschlicher Störung und ausreichend Nahrung. Sie haben sich an die Gegenwart von Menschen auf den Wanderwegen gewöhnt und lassen sich auch tagsüber gut beobachten - vor allem in der Val Trupchun, der Val Mingèr und am Murtersattel. Nationalparkeffekt nennt man das - und er ist erst möglich durch das Jagdverbot im Park.

Rund 2000 Hirsche leben während der Sommermonate im Schweizerischen Nationalpark. Sie sind bestens an den alpinen Lebensraum angepasst und verbringen den Sommer in Höhenlagen bis fast 3000 m. Mitte Oktober verlassen die meisten Hirsche den Nationalpark und überwintern an den Sonnenhängen der Haupttäler im Engadin, Münstertal und Vinschgau.

Der Zusammenhang von Hirschen und dem Entstehen von Wald

Bei der Gründung des Nationalparks vor 100 Jahren hoffte man, dass auf den ehemaligen Alpweiden rasch wieder Wald wachsen würde. Doch die Weiden bewalden viel langsamer als zur Parkgründung vermutet wurde. Die Jahrhunderte lange Nutzung als Viehweide führte zu einer Anreicherung von Nährstoffen im Boden. Die auf solchem Boden wachsenden Hochstauden konnten sich auch nach Aufgabe der Viehweiden viele Jahrzehnte lang halten und verhinderten ein Aufkommen von Bäumen. Nur wo Rothirsche nach ihrer Wiedereinwanderung diese dichten und nährstoffreichen Bestände beästen, veränderte sich deren Struktur und Artenzusammensetzung , so Martin Schütz. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 220) Bei anhaltendem Beäsungsdruck entwickelte sich schließlich Kurzrasen. Auf die Kurzrasen folgten Magerrasen und erst in diesen scheint es für Bäume - im SNP primär für die Bergföhre - möglich zu werden, sich zu etablieren und Bestände zu bilden. (ebda.)

Waldverjüngung und hohe Huftierdichte: Verdoppelung der Artenvielfalt

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts stand der Wald in der Val Trupchun unter dem Einfluss der Holzwirtschaft und Beweidung durch Schafe und Kühe. Nach der Gründung des Schweizerischen Nationalparks wurde der Val Trupchun von Rehen, Rothirschen und Steinböcken wieder besiedelt. Heute leben 120 bis 200 Gämsen und 200 Steinböcke in den Lärchen-Arvenwälder und Lärchen-Fichtenwälder in der Val Trupchun, im Sommer kommen 400 bis 500 Rothirsche und einige Rehe hinzu.

Steigende Zahlen frei lebender Huftiere führten ab Mitte des 20. Jahrhunderts zu Diskussionen über den Wildeinfluss auf den Wald , schreibt Martin Brüllhardt. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 90) In den 1960er Jahren wurde der sichere Zerfall des Fichtenwaldes in der Val Trupchum prognostiziert.

Doch die vorliegenden Daten im Schweizerischen Nationalpark zeigen: Die konstant hohe Huftierdichte vermag das Aufwachsen der Hauptbaumarten Lärche, Arve und Fichte in der Val Trupchum nicht zu unterbinden , so Martin Brüllhardt. (ebda.)

Einerseits fressen die Wildtiere junge Triebe, nagen die Rinde von Bäumen ab oder fegen und schlagen ihre Geweihe oder Hörner an den Bäumen. Anderseits tragen sie zur Vermehrung des Waldes bei, weil sie Samen im Fell oder im Kot transportieren, Nährstoffe aus Äsungsgebieten in Wildwechsel und Ruhezonen transportieren und so vor allem auf Wildwechseln das Wachstum von neuen Keimlingen begünstigen. Die Studie Bedeutung von Huftieren für den Lebensraum des Nationalparks bzw. zum Nahrungsangebot und zur Waldverjüngung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft zeigt: Auf den aktuell benutzten Wildwechseln wurden pro Quadratmeter ca. achtmal mehr Keimlinge gefunden als auf verlassenen Wechseln und rund dreißigmal mehr als außerhalb von Wildwechseln.

Hinzu kommt: Der Wechsel von der Weide für Kühe und Schafe zur Hirschweide führte zu einer komplett neuen Artenzusammensetzung der Vegetation und einer Verdoppelung der Artenvielfalt!

Füchse - die größten Beutegreifer im Nationalpark

Die Ranz (Paarungszeit der Füchse)

Die Ranz (Paarungszeit der Füchse)

findet von Dezember bis Februar statt. Nach einer Tragzeit von 60 bis 63 Tagen kommen im März bis April 4 bis 6 Junge zur Welt. Sie verlassen nach 4 bis 7 Wochen erstmals den Bau. Foto: schaef - Fotolia.com

Nach der Ausrottung von Wolf, Luchs und Bär im 19. Jahrhundert ist der Fuchs zum größten Beutegreifer im Nationalpark geworden. Er ernährt sich vor allem von Huftieraas, Würmern, Mäusen und Murmeltieren. Der Fuchs ist wie alle anderen Tiere und Pflanzen im Nationalpark geschützt und wird somit auch nicht geschossen. Entgegen der Prognosen aus Jägerkreisen ist keines seiner Beutetiere ausgestorben.

Großraubtiere - Bären, Wölfe und Luchse - haben sich im Schweizerischen Nationalpark noch nicht wieder angesiedelt. Sie haben aktuell den Status als gelegentliche Durchzügler. Trotz regelmäßiger Besuche von Braunbären ist ein permanentes Vorkommen mit Fortpflanzung auf Jahre hinaus nicht zu erwarten und auch die diesbezüglichen Prognosen für den Luchs sind zurückhaltend zu formulieren , so Dr. Heinrich Haller, des Leiter der Nationalparks. (Atlas des Schweizerischen Nationalparks, S. 146) Lediglich beim Wolf gebe es Anlass zur Hoffnung, dass er sich in absehbarer Zeit im Engadin ansiedeln könnte.

Drei Aufgaben des Schweizerischen Nationalparks

Logo-Vogel des Schweizerischen Nationalparks

Logo-Vogel des Schweizerischen Nationalparks

ist der Tannenhäher, ein eifriger Bäumepflanzer. Mit einer Fläche von 170 Quadratkilometer ist der Nationalpark etwa so groß wie das Fürstentum Liechtenstein. Foto: Hansueli Krapf

Naturschutz: Der Schweizerische Nationalpark ist ein Naturreservat, das vor menschlichen Einflüssen und Eingriffen geschützt wird. Seit 1914 erfolgt keine Jagd oder Fischerei und keiner lei
Nutzung von Wäldern und Weiden mehr. Die gesamte Pflanzen- und Tierwelt bleibt ihrer natürlichen Entwicklung überlassen.

Forschung: Die wissenschaftliche Langzeitforschung ermöglicht das Verständnis der natürlichen Prozesse.

Information: Als Bildungseinrichtung leistet der Nationalpark einen Beitrag zum Naturverständnis der Besucher.

Schweizerischer Nationalpark: Lage und Klima

Karte: Schweizerischer Nationalpark

Karte: Schweizerischer Nationalpark

Der Schweizerische Nationalpark befindet sich inmitten der Alpen und umfasst eine Fläche von 170 Quadratkilometer im Kanton Graubünden, genauer im Engadin. Am Südrand des Parks schließt der 1935 gegründete italienische Nationalpark Stilfserjoch (Parco Nazionale dello Stelvio) an sowie an den Regionalen Naturpark Biosfera Val Müstair, der im Jahr 2010 eingerichtet wurde. Eingangstor zum Nationalpark ist Zernez mit dem Nationalparkzentrum.

Der Schweizerische Nationalpark besteht aus zwei Teilgebieten: dem 167 km 2; großen Hauptareal in den Unterengadiner Dolomiten und 3,6 km 2; großen Seenplatte von Macun, die 2,5 Kilometer entfernt ist.

Der höchste Punkt des Nationalparks, der Piz Pisoc, liegt 3173 über NN, der tiefste Punkt 1380 über NN. Etwa die Hälfte der Flächen sind bewachsen: 31 Prozent bestehen aus Wald (Arven, Bergföhren, Lärchen, Fichten), 17 Prozent sind subalpine und vor allem alpine Rasen. Die andere Hälfte wird von dolomitischem Gelände geprägt: Felsen, Geröllhalden und Murgänge.
Der Nationalpark gehört zu den sonnenreichsten Regionen der Schweiz: an rund 300 Tagen im Jahr zeigt sich die Sonne.

Mit einem Monatsmittel von nur 66mm Niederschlag ist das Gebiet relativ trocken. Die Quellen als natürliche Wasseraustritte im Gelände und das weitgehend unverbaute Gewässernetz sind prägend für die Landschafts formung und bietet wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen.

Der Nationalpark ist grundsätzlich von Menschen unbewohnt. Für Naturfreunde und Wanderer gibt es aber das Hotel Parc Naziunal II Fuorn inmitten des Nationalparks sowie eine Hüttenunterkunft.


Informationen:

Nationalparkzentrum

Schloss Planta-Wildenberg
CH-7530 Zernez
Tel. +41 (0)81 851 41 11
info@nationalpark.ch
www.nationalpark.ch

Zum 100-jährigen Jubiläum:

Atlas des Schweizerischen Nationalparks

Vor 100 Jahren begann im Schweizerischen Nationalpark das Experiment, die Natur sich selbst zu überlassen und deren Entwicklung zu beobachten. Der Atlas des Schweizerischen Nationalparks zeigt, was im 170 Quadratkilometer großen Naturreservat im Kernraum der Alpen geschehen ist. Mit einer Vielzahl von Karten und erläuternden Texten bietet das Werk auf 245 Seiten Informationen von den erdkundlichen Grundlagen über geschichtliche und räumlich vergleichende Bezüge bis hin zu Pflanzen, Tieren, dem Menschen und dessen Forschung.

Der Herausgeber: Prof. Dr. Heinrich Haller (Jg. 1954) ist seit 1996 Direktor des Schweizerischen Nationalparks. Er hat an der Universität Bern Zoologie, Botanik und Geographie studiert und an der Universität Göttingen in Wildbiologie habilitiert. Seine Fachgebiete sind die Gebirgsökologie im Allgemeinen und die großen Wildtiere der Alpen im Speziellen.

Informationen: www.atlasnationalpark.ch

Atlas des Schweizerischen Nationalparks
Die ersten 100 Jahre
Herausgegeben v. Heinrich Haller, Antonia Eisenhut, Rudolf Haller
Nationalpark-Forschung in der Schweiz Band 99/1.
Haupt Verlag Bern, 2013 ISBN 978-3-258-07801-4
Preis: (D) 59,- Euro, (A) 60,70 Euro, (CH) 69 SFR

FREIHEIT FÜR TIERE 2/2026

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Artikelnummer: 2-2026

Tiernachrichten: Schutzgebiet für ehemalige Show-Delfine in Süditalien entsteht • Verhaltenforschung: Werkzeuggebrauch bei Kühen - wie Primaten • Hobbyjagd: Freizeitvergnügen mit tödlicher Schusswaffe • Stoppt die Jagd auf Vögel! • Tierportrait: Deutschlands Wilde Wölfe • Mit Tieren leben: ERST das Buch, dann der HUND: Ratgeber VOR dem Hundekauf • 101 Empfehlungen von internationalen Wissenschaftlern: Vegane Ernährung als Schlüssel gegen zunehmende Gesundheitskrisen • Neue Studie: Ist pflanzliche Ernährung für Kinder und Jugendliche gesund? • Ernährung ohne Tierleid: Tipps für ein langes, gesundes und tierfreundliches Leben • Forschungstrend »Longevity«: Mit Pflanzenkraft gesunde Lebensjahre gewinnen - mit Rezepten • Lifestyle: »VEGAN & Delicious« von Bianca Zapatka - Tierfreundliche Rezepte

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FREHEIT FÜR TIERE 1/2026

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Artikelnummer: 1/2026

Tierschutz aktiv: Delfinarien: Schluss mit Delfinen in Gefangenschaft! • Historisches Urteil in Spanien: Massive Umweltverschmutzung durch Massentierhaltungverstößt gegen Menschenrechte • Bayerns größter Milchviehbetrieb: Tierhaltungsverbot wegen schwerer Tierquälerei • Gesetz ab 2026 in Österreich: Heimtierhaltung mit Sachkundenachweis • Neues Gesetz zur Heimtierhaltung: Interview Prof. Rudolf Winkelmayer, Veterinär und Tierethiker • Ethik und Religion: Die Verfolgung von Vegetariern durch die Kirche • Tierportrait: »Hase und ich« - Ergreifende Rettung und Aufzucht eines Feldhasenbabys • Studie: Schon eine Scheibe Wurst am Tag erhöht das Risiko für chronische Krankheiten • Studie: Pflanzliche Ernährung reduziert Krebsrisiko deutlich • Italienische Küche vegan: Kochen alla Nonna • Rezept: Cavatelli agli spinaci • Rezept: Pasta al forno • Rezept: Tiramisu • DVD-Tipp: »Gottes Gäste« - Jetzt drei Tiergemärchen von Manfred Kyber auf DVD

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Neuauflage: FREIHEIT FÜR TIERE - Fakten gegen die Jagd

FREIHEIT FÜR TIERE: Fakten gegen die Jagd (völlig überarbeitete und auf 60 S. erweiterte Neuauflage)

Artikelnummer: 522

Fakten und Argumente gegen das blutige Hobby der Waidmänner und Waidfrauen: Trotz beharrlicher Propagandaarbeit der Jagdverbände sinkt das Image der Jäger immer mehr: Immer weniger Spaziergänger, Hundehalter, Reiter und Mountainbiker lassen es sich gefallen, wenn sie von Hobbyjägern angepöbelt oder sogar bedroht werden. Immer mehr Menschen protestieren gegen die Ballerei in Naherholungsgebieten. Und Berichte, dass Jäger aus Versehen Liebespaare im Maisfeld oder Ponys auf der Weide erschießen, können einem draußen in der Natur durchaus Angst machen. Warum Jäger Jagd auf Hasen machen, obwohl sie auf der »Roten Liste« bedrohter Arten stehen, kann irgendwie auch niemand mehr gut finden. Zudem haben 99,6 Prozent der Bevölkerung andere Hobbys, als Tiere tot zu schießen. Da stellt sich die Frage: Warum jagen Jäger wirklich?

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Sonderpreis: Fakten gegen die Jagd (Ausgabe 2017, 24 Seiten)

Artikelnummer: 521

Die Natur braucht keine Jäger: Fakten gegen die Jagd - Warum jagen Jäger wirklich? Die Frage »Warum jagen wir?« beantwortet eine Jagdredakteurin wie folgt: »Einige beschreiben die Jagd als Kick, andere sprechen von großer innerer Zufriedenheit. Die Gefühle bei der Jagd sind ebenso subjektiv wie in der Liebe. Warum genießen wir sie nicht einfach, ohne sie ständig rechtfertigen zu wollen?« Rationale Gründe, mit denen Jäger rechtfertigen, dass die Jagd notwendig sei, sind offenbar nur Ausreden. Jedenfalls schreibt die Jägerin: »Der Tod, der mit dem Beutemachen verbunden ist, ist verpönt. Deswegen suchen die Jäger Begründungen in Begriffen wie Nachhaltigkeit, Hege und Naturschutz.«

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Werkzeuge, Ideen und Innovationen: Der Erfindergeist der Tiere

Buchvorstellung von Julia Brunke, Redaktion FREIHEIT FÜR TIERE

Tiere folgen nur ihren Instinkten und können höchstens ein paar angelernte Arbeitsschritte ausführen? Weit gefehlt! Sie können so viel mehr, als wir geahnt haben! Von Bergpapageien, die verschlossene Rucksäcke und Taschen öffnen, bis zu Kakadus, die mehrstufige Werkzeuge herstellen: Die Kognitionsbiologin Prof. Dr. Alice Auersperg nimmt uns mit auf eine Entdeckungsreise über die erstaunliche Kreativität, den verblüffenden Einfallsreichtum und Erfindergeist von Tieren - und sie zeigt, wie nah uns Tiere wirklich sind! weiter

Kulturlandschaft - Die Logik hinter dem Artenverlust. Mit Herz und Augen in der Natur unterwegs

In seinem Buch »Kulturlandschaft - Die Logik hinter dem Artenverlust« berichtet Guido Meyer, wie er erst als Spaziergänger und Mountainbiker, dann als Hundeführer und Fotograf immer tiefer in die Natur eintauchte und wildlebende Tiere wie Hirsche und Wölfe ganz nah erlebte. Und wie er dabei auf der anderen Seite immer öfter in Konfrontationen mit Jägern und sogar ernsthafte Bedrohungssituationen geriet, die ihn dazu brachten, intensiv über Jagd und Jäger zu recherchieren, über die dramatische Bedrohung der Arten und die Zerstörung von Lebensräumen, aber auch über das Ökosystem Wald, die wunderbare Kraft der Natur und die Symbiose von Natur und Tieren, an der auch wir Menschen teil haben können. Illustriert wird das Buch durch fantastische Fotografien, mit denen Guido Meyer seit Jahren auf seiner Plattform naturdigital.online begeistert. weiterlesen

Freizeitvergnügen mit tödlicher Schusswaffe: Wie lange noch?

Im Februar 2026 hat ein 52-jähriger Hobbyjäger im Landkreis Bamberg seine 49-jährige Frau, seinen 14-jährigen Sohn, die 6-jährige Tochter und sich selbst erschossen.
Im Januar 2026 traf der Schuss eines Jägers einen 23-Jährigen in Nordrhein-Westfalen tödlich. In Niedersachsen verwechselte ein 77-jähriger Hobbyjäger eine Gruppe Spaziergänger mit Wildtieren - eine 58-jährige Frau wurde schwer verletzt. In der Steiermark wurde ein 42-jähriger Hobbyjäger aus Versehen tödlich in den Kopf getroffen - beim Verladen eines erschossenen Wildschweins ins Auto löste sich ein Schuss.
Im Dezember 2025
tötete ein Hobbyjäger in der Oberpfalz seinen Nachbarn zwei Stockwerke über sich mit einem gezielten Kopfschuss. Ein anderer Hobbyjäger schoss vom Hochsitz aus Versehen auf einen 20-Jährigen und verletzte ihn so schwer, dass er im Krankenhaus notoperiert werden musste.
Im November 2025
erschoss ein Hobbyjäger in Reutlingen vier Familienangehörige und sich selbst - mit einer Schusswaffe, die er als Jagdscheininhaber legal besaß. Spaziergänger wurden von Jagdmunition getroffen, das Projektil eines Jägers durchschlug die Jalousie der Küchentür eines Hauses und ein Jagdschein­inhaber aus Crailsheim kündigte an, die »größtmögliche Anzahl an Ausländern« umbringen zu wollen. weiterlesen

Die Verfolgung von Vegetariern durch die Kirche

»Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum Genuss gegeben hat, für unrein hält und ... auf sie verzichtet ..., der sei mit dem Bannfluch belegt.«

Papst Johannes III., Synode von Braga, 561 n. Chr.


Diesen Bannfluch verkündete Papst Johannes III. im Jahr 561 nach Christus auf der Synode von Braga in Portugal. Ein Bannfluch hatte die »Vogelfreiheit« zur Folge: Der Gebannte verlor als Ausgeschlossener aus der Gesellschaft alle Rechte.


Ganz in diesem Geiste wurden im Jahre 1051 durch die Bischofsversammlung in Goslar »Ketzer«, die ausschließlich von Pflanzennahrung lebten, zum Tode verurteilt, weil sie sich geweigert hatten, Hühner zu töten. Das Töten von Hühnern wurde zum »Test«, um Ketzer zu erkennen!
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DVD-Tipp: Jesus und die Tiere

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Jesus treibt die Tierhändler aus dem Tempel.

Jesus von Nazareth wurde im Stall mitten unter den Tieren geboren. Gab Gott damit den Menschen nicht ein Symbol, dass Sein Sohn nicht in einem Palast, sondern bei Schafen, Rindern, Eseln und Katzen zur Welt kam?

Zu Zeiten des Jesus von Nazareth wurden Lämmer und Tauben im Tempel für die Sünden der Menschen geopfert. Jesus trat gegen diesen blutigen Kult ein. Bekannt ist die Szene, wie Jesus nach seinem Einzug in Jerusalem die Tierhändler aus dem Tempel hinaustrieb und die Tiere freiließ. Und er rief: »Steht nicht geschrieben: Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker? Ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht!« (Markus 11,17)

Über die Tierliebe des Jesus von Nazareth ist in der Bibel kaum etwas zu finden. Doch aus der frühchristlichen Geschichtsschreibung wird deutlich, dass Jesus kein Fleisch gegessen hat und sich für die Tiere einsetzte... weiterlesen

DVD: Jesus und die Tiere

Artikelnummer: 318

Vergleicht man die Bibel mit apokryphen Schriften, dann ist gut zu erkennen, dass die Kernaussagen oft die Gleichen sind, aber die Tierliebe Jesu, gänzlich fehlt. In dieser DVD werden viele Begebenheiten, bei denen Jesus über die Tiere sprach, wiedergegeben.

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»VEGGIE FOR KIDS. Vegan - kinderleicht & lecker«

Die Rezepte für unser Kochbuch »VEGGIE FOR KIDS. Vegan - kinderleicht & lecker« - sind allesamt von Kindern und Jugendlichen erprobt worden: Sie sind einfach zuzubereiten, schmecken richtig lecker und sind obendrein auch noch gesund! Und das Wichtigste: Wer so kocht, hilft unseren Freunden, den Tieren! weiterlesen

VEGGIE FOR KIDS

Artikelnummer: 053

Die Rezepte für das Kochbuch »VEGGIE FOR KIDS. Vegan - kinderleicht & lecker«- sind allesamt von Kindern und Jugendlichen erprobt worden: Sie sind einfach zuzubereiten, schmecken richtig lecker und sind obendrein auch noch gesund!

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Neue Studie: Ist pflanzliche Ernährung für Kinder und Jugendliche gesund?

Die gesundheitlichen Auswirkungen von vegetarischer und veganer Ernährung im Kindesalter sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass eine vollwertige pflanzliche Ernährung für Kinder und Jugendliche gesund und bedarfsdeckend ist. Auch die bisher größte Studie dieser Art bestätigt nun: Pflanzliche Ernährung ist für Kinder und Jugendliche sicher und vorteilhaft. weiterlesen

Ernährung ohne Tierleid: Ein gesünderes Leben

Viele Menschen, die sich entscheiden, kein Fleisch mehr zu essen, tun dies aus ethischen Gründen: weil sie nicht möchten, dass Tiere für sie leiden und sterben müssen. Viele gehen den konsequenten Schritt weiter und lassen aus Liebe zu Kühen und Kälbchen Milch und Käse weg, essen aus Mitgefühl zu Hühnern keine Eier und leben rein pflanzlich. Und dann erfahren sie, dass eine vegane Ernährung ohne Tierleid auch die gesündeste ist!

Eigentlich würde uns dies schon der logische Menschenverstand sagen: Wie sollen Nahrungsmittel, die durch Leid und Tod entstehen, für uns gesund sein? In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind tausende wissenschaftliche Studien veröffentlicht worden, die nachweisen: Eine Ernährung mit vollwertigen pflanzlichen Lebensmitteln ist gesund und versorgt uns auch mit allem, was wir brauchen. Diese Ernährungsweise beugt überdies zahlreichen Krankheiten vor, von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Krebs, Diabetes und Adipositas bis zu Demenz - und schützt damit vor vorzeitigem Tod. weiterlesen

Was Tiere denken - Intelligenz und Emotion in der Wildnis

Wir fangen gerade erst an, zu begreifen, dass das Gehirn von Tieren ähnlich komplex ist wie unser eigenes. Die Warnrufe von Präriehunden etwa sind nicht nur hektische Pfeiftöne, sie übermitteln damit differenzierte Nachrichten. Gorillas nutzen Zeichensprache, um vergangene Ereignisse zu schildern - wissen sie also, was heute, gestern und morgen ist? Nicht nur Primaten oder Elefanten, selbst kleinste Ameisen, denen man einen Farbtupfer auf dem Kopf angebracht hat, wollen diesen loswerden, sobald sie in einen Spiegel blicken - ein Beweis für ihr Ich-Bewusstsein, das Menschen erst ab dem zweiten Lebensjahr entwickeln. In ihrem Buch »Was Tiere denken - Intelligenz und Emotion in der Wildnis präsentiert Marianne Taylor 60 Tierarten, ihre bemerkenswerten kognitiven Fähigkeiten, ihre Gefühle und ihre ausgefeilte Kommunikation. weiter

Bayerischer Tierärztetag: Tierqual bei Milchkühen

Razzia auf Skandalhof in Bad Grönenbach. Pressemitteilung SOKO Tierschutz Kopie

Kühe, die nicht mehr laufen können, werden mit Treckern weggeschleift, Mitarbeiter treten ein liegendes Kalb:

Die aktuelle Undercover-Recherche von SOKO Tierschutz in Bayerns größtem Milchviehhof in Bad Grönenbach zeigt erneut massive Verstöße gegen den Tierschutz. · Bild: SOKO Tierschutz

Von Annemarie Botzki, Recherche und Kampagnen bei der Verbraucherschutzorganisation foodwatch e.V.

»Alle haben die Nase voll« - das ist der Satz, der mir vom bayerischen Tierärztetag in Kulmbach besonders im Ohr hängen bleibt. sitze mit 150 amtlichen und Amtstierärzt:innen in einem Konferenzraum. Normalerweise sind sie in detaillierte, fachliche Diskussionen vertieft. Aber diesmal ist die Stimmung anders. Angespannt. Frustriert. weiter

Die dunkle Seite der Milch: Das Leid der Kälbchen

Die Milchindustrie gaukelt uns in der Werbung gerne vor, dass Kühe ein glückliches Leben auf grünen Weiden führen. Wie sieht die Realität aus? Milchkühe müssen ihr Leben in den meisten Fällen ganzjährig im Stall verbringen - zum Teil sogar immer noch in besonders tierquälerischer Anbindehaltung. So hält nach Angaben des Bayerischen Bauernverbands rund die Hälfte der circa 25.000 Milchviehbetriebe in Bayern ihre Tiere in Anbindehaltung. Damit die Kühe immer Milch geben, werden sie jedes Jahr künstlich befruchtet. Die neugeborenen Kälber werden ihren Müttern kurz nach der Geburt weggenommen. Die Milch, welche die Natur für die Kälbchen bestimmt hat, wird maschinell abgepumpt, industriell verarbeitet und im Supermarkt verkauft. Was passiert dann eigentlich mit den Kälbern? weiter

Gestatten. Biber. Eine außergewöhnliche Freundschaft mit einer wildlebenden Biberfamilie

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Christian Kuschenreiter Aug’ in Aug’ mit einem Biber. Das freilebende Tier hat Vertrauen wie zu einem Familienmitglied.

Schwarze Knopfaugen, beeindruckende Schneidezähne, großer Paddelschwanz, Stupsnase und dichter Pelz: Biber sind entzückende Tiere, und obendrein schlau, empathisch, kommunikativ, verspielt - und eigentlich sehr scheu. Als Bettina und Christian Kutschenreiter im Jahr 2003 beim Fotografieren an einem Fluss in Oberbayern auf eine Biberfamilie treffen, ist das der Beginn einer außergewöhnlichen Freundschaft, die bis heute anhält. Die Biber lassen die beiden Tierfreunde nach und nach an ihrem Leben teilhaben und suchen schließlich sogar bewusst ihre Nähe. Jetzt haben die beiden ein Buch über ihre Erlebnisse mit den Bibern geschrieben - mit vielen wunderschönen und sicher einzigartigen Fotos. weiter

Die Intelligenz der Hunde

Die internationale Forschung hat sich in den letzten Jahren zunehmend mit der Intelligenz von Hunden beschäftigt und dabei so manches bestätigt, was Hundefreundinnen und Hundefreunde längst wussten: Hunde denken viel komplexer als gedacht. Aber: Was genau ist Hundeintelligenz? Wie misst man sie? Haben wir dazu überhaupt die richtigen Werkzeuge und Vergleichsmaßstäbe? Sind »Menschenschläue« und »Hundeschläue« überhaupt vergleichbar? Und in welchen Bereichen haben Hunde andere oder viel mehr geistige Kompetenzen als wir? weiter

Trügerische Küstenidylle: Jagd auf Seehunde im Wattenmeer

Wussten Sie, dass Hobbyjäger an der deutschen Nordseeküste und auf den Nordseeinseln jedes Jahr Hunderte Robben und Robbenbabys erschießen? Und das, obwohl laut EU-FFH-Richtlinie die Jagd auf Seehunde streng verboten ist? Denn die geschützten Seehunde unterliegen in Deutschland dem Jagdrecht. Sie haben zwar ganzjährig Schonzeit, doch »Seehundjäger« in Schleswig-Holstein und »Wattenjagdaufseher« in Niedersachsen sind befugt, sich um gestrandete, verletzte, verlassene und kranke Robben zu »kümmern«. weiter

Für Bienen, Schmetterlinge, Vögel, Igel & Co.: Natürlich gärtnern für die Artenvielfalt

»Lass wachsen«: Wildblumenwiesen sind für uns eine Augenweide und bieten Wildbienen, Schmetterlingen und Vögeln Lebensraum und Nahrung.

»Lass wachsen«: Wildblumenwiesen sind für uns eine Augenweide und bieten Wildbienen, Schmetterlingen und Vögeln Lebensraum und Nahrung.

Wichtig: Lassen Sie Wiesen und Stauden über den Winter bis in den Mai hinein stehen. Viele Insekten nutzen hohle Stängel als Winterquartier, darunter viele Wildbienenarten. An Stängeln und Gräsern verbergen sich Eier, Raupen und Puppen von Schmetterlingen. Die Samenstände bieten Vögeln Nahrung. · Bild: Freiheit für Tiere

Was hat unser Garten mit Tierschutz und Artenvielfalt zu tun? Auf den ersten Blick erst einmal nicht so viel. Doch vor dem Hintergrund des dramatischen Artensterbens könnten private Gärten und öffentliche Parks eine bedeutende Rolle spielen, um Inseln der Artenvielfalt zu schaffen. Und erfreulicher Weise erscheinen immer mehr Ratgeber für nachhaltiges und natürliches Gärtnern - als Gegenentwurf zum weltweit fortschreitenden Lebensraumverlust von Tieren und Pflanzen - die zeigen, wie wir auch ohne Vorerfahrung aus unserem Garten ein kleines Paradies schaffen können: für Tiere und Pflanzen, aber auch für uns selbst. weiter

Ein Jäger steigt aus

Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer aus Niederösterreich war seit seiner Jugend leidenschaftlicher Jäger. Schon sein Vater war Jäger und nahm ihn als Kind oft mit auf die Jagd. Mehr als 100 Tiere hat der 67-Jährige in seinem Leben geschossen. Vor 14 Jahren machte er eine Kehrtwende: Von heute auf morgen beendete er das Schießen und verkaufte alle seine 16 Gewehre. Jetzt hat Prof. Winkelmayer ein Buch geschrieben: »Ein Beitrag zur Jagd- und Wildtier-Ethik«. Damit wendet er sich an seine ehemaligen Jagdkollegen und an die nicht jagende Bevölkerung und macht deutlich: »Töten als Freizeitvergnügen ist ethisch nicht vertretbar«. weiter

Interview: Ein Jäger steigt aus

Mit 16 machte er den Jagdschein, 37 Jahre lang ging er auf die Jagd. Dann hörte er von einem Tag auf den anderen mit dem Tiere töten auf. Freiheit für Tiere sprach mit dem Veterinär Prof. Dr. Rudolf Winkelmayer über seine Erfahrungen und die Gründe, warum er mit der Hobbyjagd Schluss gemacht hat. weiter

Mehr Freiheit für Pferde

Nach § 2 des Tierschutzgesetzes gilt: Wer ein Tier hält, muss dieses seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen. Und er darf die Möglichkeit des Tieres zur artgemäßen Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden. Doch was bedeutet dies für die heutige Pferdehaltung? weiter

Grausame Tierquälerei für Grana Padano-Käse

Die italienische Tierschutzorganisation Essere Animali dokumentierte in Milchviehbetrieben, die Grana Padano herstellen, schockierende Lebensbedingungen für Kühe und Kälber. Auch Gewalt durch Arbeiter gegenüber Tieren wurde dokumentiert. Grana Padano gehört neben Parmesan und Mozzarella zu den bekanntesten Käsesorten Italiens und ist der weltweit am meisten konsumierte Käse. weiter