Freiheit für Tiere
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Günther Schumann: Ein Leben unter Füchsen

Mehr als Freunde

Günther Schumann schloss Freundschaft mit Feline,

einer wild lebenden Füchsin, und wurde Teil ihrer Familie. · Bild: Günther Schumann

Der Naturfotograf Günther Schumann schloss bei seinen Streifzügen durch Wald und Flur Freundschaft mit einer jungen Füchsin: Feline. Schritt für Schritt gewann er ihr Vertrauen und sie verlor jegliche Furcht vor ihm. Mit Fotoapparat und Filmkamera begleitete er Feline über elf Jahre. Als sie Fuchsmama wurde, zeigte sie ihm sogar ihre Welpen und nahm ihn in die Familiengemeinschaft der Füchse auf. Sogar als die Jungfüchse ihre Partner fanden, zeigten diese keinerlei Scheu vor ihm. So erhielt der Naturfotograf Einblicke in das Familienleben von Füchsen, wie wohl noch kein Mensch vor ihm. Der Dokumentarfilm »Mehr als Freunde - Ein Leben unter Füchsen« lässt uns jetzt an dieser ganz besonderen Freundschaft teilhaben.

Günther Schumann sah schon immer eine Faszination in der Natur- und Tierwelt. Dies führte zur leidenschaftlichen Naturfotografie. Auf dem Rückweg von einer Fotoexkursion beginnt diese wahre Geschichte. In der Filmdokumentation »Mehr als Freunde – Ein Leben unter Füchsen« berichtet Günther Schumann: »Als ich eines Tages von einer Fotoexkursion im Reinhardswald in Nordhessen zurückkam, begegnete mir auf einer Waldstraße ein junger Fuchs. Ich sah ihn vor mir über den Weg laufen und er verschwand unter einem Holzpolter. Dann bin ich alle paar Tage hochgefahren in den Wald und bin dort zu dem Holzpolter gegangen und habe mich gegenüber versteckt.« Der kleine Fuchsrüde kam regelmäßig zu den Treffen am Holzstapel und hatte außerdem immer seine kleine Schwester dabei. Obwohl der Kontakt zum jungen Rüden irgendwann abriss – das Fuchsweibchen sollte Günther Schumann erhalten bleiben.

Elf Jahre lang begleitete der Naturfotograf Feline

und ihreFamilie mit seiner Kamera. · Bild: Günther Schumann

Begegnung mit Feline

»Feline« - so nannte er die junge Fuchsdame. »Feline kam dann tagtäglich und ihr Vertrauen wuchs zu mir immer mehr. Und später war sie sogar ganz nah um mich herum. Ich hab dann mal versucht, ob sie mir aus meiner Hand ein Bröckchen abnimmt. Das hat sie dann auch getan.« Dies sollte ein Schritt von vielen weiteren sein im steten Vertrauensgewinn der beiden ungleichen Freunde. Wie innig und andauernd diese Freundschaft werden würde, konnte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand ahnen. »So hat sich dieser Kontakt immer mehr verdichtet«, erzählt der Tierfreund. »Ich bin vor allen Dingen ruhig sitzen geblieben und habe immer im ruhigen Ton zu ihnen gesprochen.«

Bild: Günther Schumann

Feline zeigt ihre Kinder

Von nun an ist der regelmäßige Besuch im Reinhardswald fester Bestandteil im Alltag des Naturfotografen. Die Füchsin Feline zeigt sich im Umgang mit dem Tierfreund so vertraut, dass sie ihn eines Tages zu dem Wurzelstock führte, in dem sie ihre Welpen untergebracht hatte. »Unverhofft erschien in dieser Öffnung ein winziges, graubraunes Füchslein mit noch blauen Augen, schaute einen Augenblick scheinbar erstaunt auf meine Stiefel und verschwand flugs wieder im Bau«, erzählt Schumann in seinem Buch »Leben unter Füchsen«. »Es bereitete viel Freude, den Kleinen beim täglichen Spiel, bei Balgerei und Jagerei zuzuschauen. Sie hatten zwischendurch auch ein großes Ruhebedürfnis und legten sich, meist einzeln, in der Nachbarschaft ihres Unterschlupfes schlafen. Hierzu suchten sie überwiegend gedeckt liegende freie Plätzchen auf, wo sie nach Möglichkeit die wärmenden Sonnenstrahlen nutzen konnten.«

Feline zeigte dem Tierfreund sogar ihre Welpen.

Wenn Günther Schumann am Fuchsbau saß, überließ sie ihm voller Vertrauen ihre Kinder. »Ich war sozusagen der Babysitter«, erzählt er. · Bild: Günther Schumann

Der Naturfotograf wird Teil der Fuchsfamilie

Nach wenigen Wochen wurden die Jungfüchse so zutraulich, dass sie aus der Hand des Tierfreundes Nahrungsbröckchen entgegennahmen. Feline integrierte ihn in ihre Fuchsfamilie: Sie duldete Günter Schumann nicht nur an ihrem Bau. »Das ganz Besondere war – und das zeigt auch das riesige Vertrauen –, dass sie ihre Welpen, die am Anfang, als sie aus dem Bau kamen, vielleicht vier bis fünf Wochen alt waren, mir sozusagen überließ, sozusagen als Babysitter.«

Seine Begegnungen mit der Fuchsfamilie hielt Schumann immer wieder in zahlreichen Fotos sowie in Filmaufnahmen fest. Dabei interessierten sich seine jungen Freunde sehr für seine Ausrüstung - und nicht selten konnte die Kamera nur in letzter Sekunde vor genauen Untersuchungen durch die spielenden Fuchskinder gerettet werden.

Ausgiebig konnte Schumann die Fellpflege der Fuchsmütter an ihrem Nachwuchs beobachten. »Es war sehr belustigend anzusehen, wenn sich die Welpen direkt vor ihrer Mutter aufstellten und mit drängelndem Körperkontakt ihr den Rücken, das Hinterteil oder den Kopf zur Körperpflege darboten.« Durchkämmte die Fuchsmutter das Fell eines ihrer Kinder mit den Zähnen, so hielt dasjenige, dem diese Pflege gerade zuteil wurde, oft den Kopf schief und die Augen genüsslich geschlossen. Einmal beobachtete der Tierfreund, wie eine Fuchsmutter ihrer erwachsenen Tochter vom Vorjahr das Fell pflegte, ohne von ihr aufgefordert worden zu sein: »Ein bemerkenswertes Sozialverhalten auch unter ausgewachsenen Füchsen.«

Feline mit zwei Welpen.

Bild: Günther Schumann

"Füchse sind sehr sensibel"

Wie stark Günther Schumann in die Familiengemeinschaft der Füchse aufgenommen wurde, zeigte sich auch daran: Als die kleinen Füchse erwachsen waren, und einen Partner gefunden hatten, diese, wenn sie Günther Schumann einmal sahen, keinerlei Scheu vor ihm hatten.

»Füchse sind sehr sensibel und nehmen viel wahr«, erklärt der Naturfotograf in dem Film »Mehr als Freunde«. »Im Laufe der Zeit haben sie dieses Verhältnis zwischen mir und Feline aufgenommen - optisch vor allem, aber wahrscheinlich auch seelisch – und haben davon partizipiert: ‚Das können wir auch’. Es fing also mit einem Wildtier an – und es wurden immer mehr, die sich das abgeschaut haben und dieses Vertrauen auch entwickelten.«

»Ich habe im Laufe der Zeit immer wieder bemerkt, dass die Füchse mir anmerkten, wenn ich vielleicht nicht so in Stimmung war, wenn ich vielleicht auch mal ein bisschen gesundheitliche Probleme hatte. Dann legten die Füchse mir gegenüber ein anderes Verhalten an den Tag als sonst. Und ich habe aber erst hinterher bemerkt: Die haben empfunden, dass es mir an dem Tag nicht so gut ging und sich entsprechend verhalten. Ich kann das nicht anders interpretieren.
Günther Schumann berichtet in dem Film von einem eindrücklichen Erlebnis: »Feline saß vor mir und schaute gelangweilt in die Gegend oder mich auch mal an. Und plötzlich sprang sie auf, griff die Tasche, und wollte damit weglaufen. Und ich denke in dem Moment an meine Kamera, die da drin war, und habe, obwohl ich sonst immer ruhig reagiert habe und nie hektisch geworden bin, habe natürlich geschrieen: ‚Meine Kamera!’ Da war sie vielleicht so drei Meter entfernt, und da ließ sie die Tasche fallen. Ich habe mir dann die Tasche wieder genommen. Feline war stehen geblieben, dreht sich um und kam wieder zu mir, setzte sich vor mich hin und machte eine – ich hätte fast gesagt: eine Handbewegung – Pfotenbewegung, eine beschwichtigende Pfotenbewegung, wie man das auch von Hunden manchmal sieht. Also, ich war sprachlos: Ist denn das möglich, dass ein Wildtier einem Menschen gegenüber so reagiert? Als wenn sie sagen wollte: ‚Ich hab ja nur Spaß gemacht, es war nicht so gemeint.’«

Bild: Günther Schumann

Feline und ihre Familie von Jägern verschont

Die Füchse wuchsen Günther Schumann ans Herz. Er konnte nicht zulassen, dass sie abgeschossen oder in Fallen gefangen wurden. Nach eindringlichen Gesprächen und Absprachen mit dem Förster versprachen ihm die Jäger, wenigstens in diesem Gebiet keine Füchse mehr zu jagen.

Ohne das uneingeschränkte Vertrauen

ihm gegenüber wäre ein Beobachten und Studieren aus allernächster Nähe unmöglich gewesen. · Bild: Günther Schumann

Unsichtbare Kommunikation

Günther Schumann erzählt in dem Film »Mehr als Freunde - Ein Leben unter Füchsen«: »Im Laufe der Zeit ist meine Ehrfurcht vor Tieren immer weiter gestiegen. Denn ich habe bemerkt, dass diese Tiere ja ein gewisses Verhalten an den Tag legten und auch Empfindungen haben, die man eigentlich nur dem Menschen zutraut. Und dass diese Tiere doch auch sehr stark Strömungen, die von mir ausgingen, empfanden - und vielleicht auch umgekehrt. Denn ich habe manchmal versucht, mich in die Tiere hineinzuversetzen« Der Naturfotograf gelangte zu der Überzeugung, dass eine unsichtbare Kommunikation zwischen den Füchsen und ihm stattfinde, auch wenn wir das als Menschen gar nicht erklären könnten.

Günther Schumann kam durch seine Erfahrungen mit den Füchsen der Tierwelt näher. Er empfand immer mehr, dass Tiere fühlende Wesen sind, so wie wir – und der gewissenlose Umgang des Menschen mit ihnen so nicht richtig sein kann: »Über diese vielen Jahre habe ich erlebt, dass Füchse ein sehr empfindsames Wesen haben. Wenn man sich dann vorstellt, wie Tiere oft von Menschen behandelt werden… da können sich einem nur die Haare sträuben. Besonders geht mir natürlich oft durch den Kopf, was ich mit Wildtieren – im Speziellen mit Füchsen – draußen erlebt habe, mit diesen sensiblen und freundlichen Tieren. Wenn man dann heute sieht, wie die Menschheit mit Tieren umgeht, die in einer Massentierhaltung gehalten werden, und das dann vergleicht, mit den frei lebenden Füchsen – da sind Welten zwischen! Die Tiere in den Massentierhaltungen sterben ja oft vor Erschöpfung, sie zerfleischen und zerrupfen sich zum Teil selbst – es ist einfach grauslich.« Warum die Massentierhaltung weiter Bestand hat, erklärt sich Schumann so: »Viele Menschen haben vielleicht nie die innere Beziehung zu den Tieren aufgenommen. Die Tiere sind für sie – wie es ja vor dem Gesetz immer noch ist – eine Sache. Aber man kann Tiere – Lebewesen – nicht als eine ‚Sache’ bezeichnen!«

Bild: Günther Schumann

"Dass ich das überhaupt erleben durfte"

Günther Schumann erhielt Einblicke in das Leben von Füchsen, wie wohl noch kein Mensch vor ihm. Er ist überzeugt, dass natürlich viele glückliche Umstände zusammentreffen mussten, um solch dauerhafte und durchaus freundschaftliche Verbindung zu einer so überaus scheuen Tierart zu bekommen: dem Fuchs, der durch Jahrhunderte lange Verfolgung äußerst vorsichtig und misstrauisch geworden ist und sich dank ihrer Intelligenz, Lern- und Anpassungsfähigkeit immer wieder behaupten konnte.

Ohne das uneingeschränkte Vertrauen dieser frei lebenden Füchse ihm gegenüber wäre ein Beobachten und Studieren aus allernächster Nähe unmöglich gewesen. »In das intime Familienleben von Wildtieren Einblick zu erhalten, ohne als störend oder gar gefährlich angesehen zu werden, erfüllt mit großer Freude und ist überaus beglückend«, so der Tierfilmer.

Rückblickend sagt er: »Die elf Jahre mit Feline haben mir so viel gebracht – dass ich so was überhaupt erleben durfte!«, so Günther Schumann. »Manchmal, abends im Bett beim Einschlafen, habe ich gedacht: Das kann ja gar nicht wahr sein!«

Bild: Günther Schumann

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