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Internationale Bedeutung für den Vogelschutz

Jagdfreier Kanton Genf:

Internationale Bedeutung für den Vogelschutz

Von Julia Brunke, Redaktion »Freiheit für Tiere«

Durch die Abschaffung der Jagd im Kanton Genf 1974 bekam das Gebiet des Genfer Sees und des Flusses Rhône internationale Bedeutung für den Vogelschutz.

Seit 1974: Jagdverbot im Kanton Genf

Im Schweizer Kanton Genf entschied die Bevölkerung 1974 durch Volksabstimmung für ein allgemeines Jagdverbot auf Säugetiere und Vögel. In der Folge wurde ein Fauna-Gesetz verabschiedet und eine konstitutionelle Fauna-Kommission gegründet, in der Vertreter vom Naturschutz und vom Tierschutz entscheiden, ob eventuell Regulationen, Eingriffe oder auch Schadensvergütungen notwendig sind - ein Abschuss sollte immer das letzte Mittel sein. Die Gründung dieser Kommission war wichtig, damit nicht die Regierung über Ausnahmen entscheidet und dadurch das Jagdverbot verwässert wird.

Die Auswirkungen des Jagdverbots für die Natur, Tiere und die Menschen waren überaus positiv: Noch nie war die Biodiversität größer. An den Ufern des Genfer Sees und der Rhône erhöhte sich die Zahl der überwinternden Wasservögel auf spektakuläre Weise von anfangs 300 Vögeln auf über 30.000 - ohne Zweifel eine Folge der ausbleibenden Störungen durch die Jagd. Vögel und die anderen Wildtiere haben einen großen Teil der unnatürlichen Scheu verloren, die durch die Jagd hervorgerufen wird. So werden wild lebende Tiere wieder erlebbar: Die vielen Vögel an den Gewässern lassen sich von den Menschen nicht stören. Spaziergänger bekommen regelmäßig Wildtiere wie den Feldhasen zu Gesicht - mit etwas Glück kann man am helllichten Tage Rehe oder sogar Hirsche beobachten.

Das Jagdverbot in Genf war eine Sensation und erregte auch weit über den Kanton hinaus große Aufmerksamkeit. Für die Jagdwelt war es ein Schock - und ist es bis heute. Denn das Beispiel Genf beweist, dass es - auch in der dicht besiedelten Kulturlandschaft - ohne Jäger geht, ja, dass es Natur und Tieren sogar viel besser geht und dass auch die Menschen davon profitieren. Die Wildtierbestände regulieren sich erfolgreich selbstständig. Nur bei den Wildschweinen hat die Regierung einen Beschluss gefasst, die Zahl der Tiere durch Abschüsse zu regulieren, weil sie Schäden im Mais verursachten und im Herbst an die Weinreben gingen. »Diese Regulation erfolgt ausschließlich durch Wildhüter, es werden keine Amateurjäger einbezogen«, erklärt Gottlieb Dandliker, Faunainspektor im Kanton Genf. Für die Dezimierung der Wildschweine wird rund eine Vollzeitstelle aufgewendet. »Wir haben hier regelmäßig Gruppen von Wildschweinwaisen von der französischen Jagd, die ihre Mutter verloren haben und in die Dörfer kommen.« Führungslose Frischlinge können natürlich große Schäden verursachen. Und es ist bekannt, dass sich Wildschweine nach Abschuss der Leitbache unkontrolliert vermehren.

Durch die Abschaffung der Jagd im Kanton Genf 1974

bekam das Gebiet des Genfer Sees internationale Bedeutung für den Vogelschutz. Bild oben: Haubentaucher · Foto: Winfried Stinn

Sogar die seltene Mandarinente

hat sich angesiedelt. · Foto: Elenarts - Fotolia.com

Die Kolbenente ist auf dem Genfer See

zahlreich anzutreffen. · Foto: Winfried Stinn

Durch die Abschaffung der Jagd im Kanton Genf bekam das Gebiet des Genfer Sees und des Flusses Rhône internationale Bedeutung für den Vogelschutz. Dies belegt eine Studie des Schweizer Vogelschutzes SVS-BirdLife. Demnach ist dieser für den Vogelschutz zuvor wenig bedeutsame Gewässer­abschnitt heute ein bedeutsames Biotop für überwinternde Tafel- und Reiherenten, Hauben- und Zwergtaucher, Pfeif-, Schnatter-, Krick- und Stockenten. Auch für den Gänsesäger sind die Gewässer im Kanton Genf ein wichtiges Brut- und Überwinterungsgebiet. Besonders der gestaute Bereich bei Peney und oberhalb Verbois sowie die Rade de Genève sind wichtige Ruhegebiete für Wasservögel, wogegen die Nahrungs­gebiete auch im fließenden Abschnitt liegen. Teilgebiete sind Limikolenrastplätze, die als besonders wertvoll (Vasières de Peney, Rade de Genève) oder als wichtiges Gebiet (Lac de Verbois) eingestuft sind.

Der Kanton Genf setzt sich mit einer Fülle von Maßnahmenplänen und konkreten Projekten für den Schutz und die Förderung der biologischen Vielfalt ein. Über den ganzen Kanton ist ein Netzwerk von unterschiedlichen Lebensräumen wie Gewässern und Wald entstanden, in der eine Vielzahl von zum Teil seltenen Tieren eine Heimat gefunden haben.

Quellen:
- BirdLife International (2012) Important Bird Areas factsheet: River Rhone: Geneva to Verbois reservoir.
- Bundesamt für Umwelt BAFU: Vorbild Genf. Aus: Zeitschrift des BAFU Umwelt 2/2013, Thema »Biodiversität« ·
ge.ch/nature/
- 40 Jahre Jagdverbot im Kanton Genf. In: »Freiheit für Tiere«, 2/2014
www.freiheit-fuer-tiere.de/artikel/seit-1974-jagdverbot-im-kanton-genf.html