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Die Schönheit der Vögel

»Warum nur streifen Tausende und Abertausende Menschen mit Fernglas, Fernrohr und mit spezieller Fotografiertechnik draußen umher, um Vögel zu beobachten? Millionen sind es, die Birdwatching betreiben, widrigstem Wetter trotzen und entlegene Stellen aufsuchen«, schreibt Prof. Dr. Josef H. Reichholf in seinem neuen Buch »Vögel auf Instagram«. Die Bilder in diesem Buch liefern die Begründung: Sie zeigen die schier unfassbare Schönheit und Vielfalt der Vogelwelt, der knapp 11.000 verschiedenen Vogelarten, die es - noch - gibt. Der renommierte Zoologe und Ökologe weist darauf hin, dass von diesen 11.000 Vogelarten weltweit 1.200 vom Aussterben bedroht sind. »Sie befinden sich an der Kippe, über die vor ihnen bereits Hunderte Vogelarten abgestürzt und für immer verschwunden sind. Weil man sie ausrottete. Völlig unnötigerweise, denn sie taten niemandem etwas zuleide. Unbegreiflich, dass dies Menschen aus Kulturen taten, die sich für besonders fortschrittlich hielten.«

Herrliche Bilder aus aller Welt

»Vögel zu beobachten, ist mehr als ein Hobby. Es vermittelt Erlebnisse, die tief gehen. Glücksmomente kommen zustande, die sich zu einem Schatz anhäufen, der immer gewichtiger wird«, so Prof. Reichholf. Diese Glücksmomente können auch beim Betrachten der herrlichen Bilder in diesem Buch entstehen: »Versenken Sie sich hinein in die Betrachtung. Sie werden Geschehnisse entdecken, Dramatik empfinden und die Schönheit des Augenblicks spüren. Viele Fotos drücken aus, was vor Entstehung der fototechnischen Möglichkeiten unserer Zeit selbst dem Auge des Künstlers verborgen blieb.«

Grünfinken

»Wer einen Garten hat, kann diesen sehr naturnah gestalten bzw. sich entwickeln lassen. Die Reaktion der Vogelwelt wird umgehend sichtbar sein.« (Prof. Dr. Josef H. Reichholf). · Bild: Bild: Stefano Ronchi · Aus: Vögel auf Instagram

Eleganz und Performanz des Vogelflugs

Die Schönheit der Vögel fasziniert die Menschen seit jeher, ebenso wie der Traum vom Fliegen, den wir schon bei Ikarus in der griechischen Mythologie finden. »Seit Urzeiten blicken Menschen bewundernd und sehnsuchtsvoll auf den Flug der Vögel, neiden ihnen mitunter die Grenzenlosigkeit ihrer Freiheit über Land und Meer, über Gebirge und Wüste fliegen zu können. Einfach fliegen, einfach fort«, schreibt der Zoologe. »Inzwischen wissen wir, welch ungeheure Leistungen damit verbunden sind. Nonstop von Alaska bis Neuseeland über die größte ozeanische Weite, in Höhe der Himalajagipfel von Nordasien nach Indien oder in Spatzengröße über Mittelmeer und Sahara nach Zentralafrika oder darüber hinaus.« Inzwischen kann auch der Mensch fliegen - doch nur mit einem immensen technischen Aufwand. Und Prof. Reichholf merkt an, dass der Flug im Flugzeug nur ein dürftiger Abglanz der Eleganz und Performanz des Vogelfluges ist.

Vögel lassen uns staunen. Sie sind so klein und vollbringen dabei ganz erstaunliche Leistungen: »Vögel leben ohne zusätzliche Technik in der Dauerwärme tropischer Regenwälder, auf polarem Eis, an Felsregionen von Gebirgen und steilen Klippen im Meer. Sie haben sich Wüsten und Städte als Lebensräume erobert. Es gibt sie überall auf unserer Erde. Sie verfügen über eine Lunge, die, auf die gleiche Körpermasse bezogen, rund fünfmal so leistungsfähig ist wie die von Säugetieren, also auch unsere eigene. Daher kommen Wildgänse, die den hohen Himalaja überfliegen, nicht außer Atem, oder die Mauersegler, die über die Straßenschluchten der Städte mit uns irrwitzig erscheinendem Tempo dahinschießen.«

Faszination Birdwatching

Unzählige Birdwatcher beobachten Vögel auf allen Erdteilen, das ganze Jahr über und bei jedem Wetter. Erfasst von ihrer Faszination werden sie nicht müde, stunden- und tagelang auf das ideale Foto-Motiv zu warten. Prof. Reichholf erklärt, dass viele Birdwatcher Listen der gesehenen Arten führen, wie Gebietslisten, Tages- und Jahreslisten. Die Kenntnisse, die über Verbreitung und Häufigkeit der Vögel vorliegen, stammen zum allergrößten Teil von den Birdwatchern, Hobby-Ornithologen sozusagen. »Sie haben den Niedergang der Vögel der Fluren als Folge der modernen, industrialisierten Landwirtschaft ebenso klar dokumentiert wie den erstaunlichen Reichtum der städtischen Vogelwelt.«

Birdwatcher sind miteinander vernetzt und informieren sich gegenseitig über ihre Beobachtungen, vor allem über Besonderheiten. Viele teilen Einblicke über die Lebenswelt der Vögel und Bilder von unglaublicher Schönheit auf Instagram. Durch die elektronische Fototechnik sind sie in der Lage, Aufnahmen durch das Fernrohr zu machen. Eine Auswahl exzellenter Bilder ist in dem Buch »Vögel auf Instagram« zusammengestellt. Prof. Reichholf weist daraufhin, dass solche Bilder ein unentbehrliches Mittel für den globalen und regionalen Vogelschutz geworden sind. »Denn ungleich besser als Worte und Schriften drücken die Bilder aus: Wir dürfen keine Vogelart mehr verlieren, keine einzige!«


Lesen Sie auch: Das »Freiheit für Tiere«-Interview mit Prof. Dr. Josef H. Reichholf: »Wir dürfen keine Vogelart mehr verlieren - keine einzige!«

Quetzal in Costa Rica.

»Costa Rica besitzt eine großartige Biodiversität und ist ein Paradies für Naturfreunde«, schreibt Birdwatcher Fess Findlay. »Nach nur drei Tagen meiner Reise hatte ich bereits mehr als 50 verschiedene Vogelarten fotografiert.« · Bild: Jess Findlay · Aus: Vögel auf Instagram

Der Autor

Prof. Dr. Josef H. Reichholf wurde 1945 in Aigen am Inn geboren. Der Zoologe und Ökologe zählt zu den prominentesten Naturwissenschaftlern Deutschlands.

Bis 2010 leitete er an der Zoologischen Staatssammlung München die Hauptabteilung Wirbeltiere. Er lehrte 20 Jahre Ökologie, Naturschutz und Evolutionsbiologie der Vögel an der Ludwig-Maximilians-Universität München und an der Technischen Universität München. Prof. Reichholf wirkte 20 Jahre lang als Generalsekretär der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern und veröffentlichte viele vogelkundliche Arbeiten. Er war zudem viele Jahre lang Mitglied der Kommission für Ökologie der Internationalen Naturschutzunion (IUCN).

Prof. Reichholf ist Träger der »Treviranus-Medaille«, der höchsten Auszeichnung der Deutschen Biologen, und des »Grüter-Preises für Wissenschaftsvermittlung«. 2007 wurde er mit dem »Sigmund-Freud-Preis« für wissenschaftliche Prosa der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet. 2010 wurde sein Bestseller »Rabenschwarze Intelligenz« und 2017 sein Buch »Symbiosen« als »Wissenschaftsbuch des Jahres« prämiert. (Bild: © Peter-Andreas Hassiepen)

Josef H. Reichholf hat zahlreiche Bücher zu naturwissenschaftlichen und ökologischen Themen geschrieben, darunter:
- Rabenschwarze Intelligenz« (2009)
- Wilde Tiere in der Stadt (von Florian Möllers und Josef Reichholf, 2010)
- Ornis - Das Leben der Vögel (2014)
- Evolution - Eine kurze Geschichte von Mensch und Natur (2016)
- »Symbiosen« und »Haustiere« (beide 2017 in der Reihe Naturkunden)
- Schmetterlinge - Warum sie verschwinden und was das für uns bedeutet (2018)
- Das Leben der Eichhörnchen (2019)

- Der Hund und sein Mensch - Wie der Wolf sich und uns domestizierte (2020)

Das Buch

Josef H. Reichholf & Chris Gatcum: Vögel auf Instagram
Hardcover, 192 Seiten, mit über 270 farbigen Fotos
Gerstenberg-Verlag, 2021 · ISBN 978-3-8369-2177-0
Preis: 28 Euro